SCHWYZ: Neues Gesetz spaltet Jäger und Bauern

Der Kanton erhält ein neues Jagdgesetz. Dabei wird der Landwirtschaft ein grösseres Mitspracherecht eingeräumt – das geht zu ­Lasten der Jäger.

Rahel Lüönd
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Künftig sollen auch Bauern in der kantonalen Jagdkommission vertreten sein. Dagegen wehrt sich Aloys von Reding, Präsident des Patentjägerverbandes des Kantons Schwyz. (Bild: Roger Gruetter)

Künftig sollen auch Bauern in der kantonalen Jagdkommission vertreten sein. Dagegen wehrt sich Aloys von Reding, Präsident des Patentjägerverbandes des Kantons Schwyz. (Bild: Roger Gruetter)

Lange haben Kantonsangestellte über dem neuen Jagd- und Wildschutzgesetz gebrütet. Jetzt liegt es auf dem Tisch. Die Totalrevision, die wegen grundlegender Änderungen im Bundesrecht nötig war, ist ein Kompromiss geworden. Insbesondere Jäger- und Vertreter der Landwirtschaft haben teils aber diametral unterschiedliche Ansichten dazu.

Wildruhezonen sind der Zankapfel

So scheiden etwa die vorgesehenen Wildruhezonen die Geister. Für die Jäger sind sie ein notwendiges Instrument, um den Tieren einen Rückzugsort zu gewähren. «Da sich die Nutzung des Waldes stark verändert hat, ist dieser geschützte Lebensraum sehr wichtig», sagt Aloys von Reding, Präsident der kantonalen Patentjäger.

Der Schwyzer Bauernverband sieht das anders. Er spricht sich deutlich gegen die Schaffung von Wildruhezonen aus. Grund: Die Erschliessungswege für Land- und Alpwirtschaft würden sich dadurch erschweren. Im neuen Gesetz sind sie nun aber dennoch verankert. Thomas Fuchs, Leiter des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei, sagt, dass die Schaffung von Wildruhezonen ein Auftrag des Bundes sei. Grundsätzlich würden Wildruhezonen eine zeitliche Einschränkung vorsehen, um einen gesunden Wildbestand zu erhalten und Wildschäden zu vermeiden. Zum Einwand des Bauernverbandes sagt Fuchs: «Die Erschliessung von Alpweiden ist ein generelles Problem.» Primär nicht wegen der Landwirtschaft, sondern weil neue Strassen sofort auch von Dritten genutzt würden und es zu mehr Störungen der Wildtiere komme.

«Wir erhalten ein Mitspracherecht»

Das revidierte Gesetz sieht im weiteren vor, dass die Landwirtschaft künftig in der kantonalen Jagdkommission vertreten sein soll. Dies wird von der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz (BVSZ) begrüsst. «Gerade in Bezug auf Wildschäden erhalten wir so ein wichtiges Mitspracherecht», sagt deren Sekretär Franz Philipp. In diesem Punkt fordern die Bauern eine einheitliche und einfache Handhabung bei Schäden, die das Wild verursacht – etwa an Obstbäumen. «Bis jetzt war die Vergütung für die Bauern mit grossem Aufwand verbunden, ausserdem wird sie nicht überall gleich kulant ausgezahlt», sagt Philipp. Thomas Fuchs vom Kanton hält dagegen: «Die Einschätzung erfolgt jeweils durch Experten aus Jagd, Landwirtschaft oder Forst.» Zudem würde die Jagdkommission über die Anträge für Wildschäden entscheiden.

In dieser Kommission sollen künftig also auch die Bauern vertreten sein, woran die Jäger keine Freude haben. «Wir sind gegen den Einsitz der Landwirtschaft in der Jagdkommission auf Kosten der Jägerschaft», sagt Aloys von Reding, Präsident der kantonalen Patentjäger. Denn die Wildschäden hätten mit der Jagd an sich nichts zu tun – entsprechend verstehe er die Vertretung der Landwirtschaft in der Jagdkommission nicht. Ohnehin befürchten die Jäger, dass die Wildschadenproblematik auf ihrem Rücken ausgetragen wird, indem die Einnahmen aus den Jagdpatenten auch für die Vergütung von Wildschäden aufgewendet werden. Bereits heute werden Präventionsbeiträge für Wildschäden aus den Einnahmen von Jagdpatenten bezahlt. Die Wildschäden selber bezahlt jedoch der Kanton.

Herdenschutz wird neu geregelt

Als weiterer Punkt wird im neuen Jagd- und Wildschutzgesetz der Herdenschutz analog der Gesetzgebung des Bundes geregelt. Dies, weil Grossraubtiere wie der Wolf zunehmend zum Thema werden. Die Herdenschutzberatungsstelle wird neu auf Kantonsstufe angesiedelt und in die landwirtschaftliche Beratung integriert. Damit soll man besser reagieren können, wenn ein Grossraubtier im Kanton auftauchen sollte.

Da im Kanton Schwyz Hunde aber an der Leine gehalten werden müssen, gerät der Herdenschutz in Konflikt mit dem Gesetz über das Halten von Hunden. So müssen etwa auch Herdenschutzhunde auf öffentlichem Grund an der Leine gehalten werden, weil sie im entsprechenden Gesetz nicht explizit erwähnt sind. Da Höfe, Wiesen und Weiden als nicht öffentlich gelten, können Herdenschutzhunde dort ihrer Aufgabe nachgehen – sofern diese beaufsichtigt sind und keine Gefährdung von Personen oder Tieren besteht. Hier zeichnet sich allerdings ein Konflikt mit der Öffentlichkeit ab, zum Beispiel mit Wanderern. Der Schwyzer Regierungsrat empfahl darum in seiner Antwort auf eine entsprechende Interpellation, «alle Massnahmen zur Konfliktentschärfung einzusetzen». So könnten etwa öffentliche Wanderwege ausgezäunt oder Hinweisschilder für das korrekte Verhalten angebracht werden. Laut Thomas Fuchs sind im Kanton Schwyz zurzeit noch keine Herdenschutzhunde im Einsatz, jedoch Gesuche zur Prüfung pendent.

Der Kantonsrat wird die Totalrevision des Jagd- und Wildschutzgesetzes voraussichtlich diesen Mai behandeln.