SCHWYZ: Organisiert der Bund Sex-Orgien?

Das Bundesamt für Gesundheit zahlt HIV-Betroffenen Seminare in einem Schwyzer Hotel. Nun muss Bundesrat Alain Berset über die Bücher.

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Hausaufgaben für SP-Bundesrat Alain Berset: Er muss bis 2016 Alternativen vorlegen. (Bild: Keystone)

Hausaufgaben für SP-Bundesrat Alain Berset: Er muss bis 2016 Alternativen vorlegen. (Bild: Keystone)

Jürg Auf der Maur

Zweimal im Jahr führt Checkpoint Zürich in einem Hotel im Kanton Schwyz Seminare für HIV-positive Homosexuelle und ihre Partner durch. Die Schwulenorganisation erfüllt damit einen Auftrag vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), das die Seminare finanziert.

Vergangenen Dezember wandte sich die Mutter eines Teilnehmers an den «Boten der Urschweiz» und hatte Brisantes zu berichten: Dieser «sogenannte Aids-Präventionsanlass» nehme immer «groteskere Ausmasse» an. Es handle sich um «staatlich finanzierte Sexorgien». Besonders schlimm: Ihr 28-jähriger Sohn war der Einladung eines Freundes gefolgt und habe sich beim Seminar mit HIV infiziert. Und inzwischen auch seine Freundin angesteckt.

900 000 Franken für 381 Männer

Der Artikel des «Boten» vom 4. Dezember zieht nun politische Kreise. Jetzt liegen die Antworten des Bundesrates auf einen Vorstoss des Basler SVP-Nationalrates Sebastian Frehner vor, der sich nach dem genaueren Sachverhalt erkundigte. Die Antwort des Bundesrates stellt mit vielen Details bisher Unbekanntes klar:

  • Für die Durchführung der Seminare habe der Checkpoint Zürich in der Innerschweiz ein Hotel gefunden, das in der Nebensaison «recht günstige» Seminarpauschalen anbiete. Konkret werden drei Nächte mit Vollpension für rund 900 Franken offeriert.
  • 2014 zahlte das BAG insgesamt 190 000 Franken für die Seminare. Das umfasst die Hotelkosten für Teilnehmer und Experten (rund 65 Prozent), Expertenhonorare (30 Prozent) und Spesen (5 Prozent).
  • Insgesamt haben an den zehn bisher durchgeführten Seminaren 381 Männer mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren teilgenommen. 54 Teilnehmer waren nach eigenen Angaben HIV-negativ. Sie alle kamen in der Regel als Begleiter ihres HIV-positiven Partners.

Bundesrat verteidigt Seminare

Das Angebot wird vom Bundesrat insgesamt verteidigt. «Wenn die bisher durchgeführten Seminare nur eine einzige HIV-Infektion verhütet haben, dann verhindern die entstandenen Gesamtkosten für die zehn Seminare von gegen 900 000 Franken Folgekosten für die Behandlung einer einzigen HIV-infizierten Person in etwa gleicher Höhe. Viele der ehemaligen Teilnehmer würden sich als freiwillige Mitarbeiter des Checkpoints engagieren. Sie tragen, so die bundesrätliche Antwort, «die Präventionsarbeit in der Schwulenszene der grösseren Städte der Schweiz mit».

Trotzdem muss Bundesrat Alain Berset nun aktiv werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der «hohen Unterkunftskosten» wird das BAG beauftragt, «die Form der Seminarwochenenden unter dem Aspekt des Kosten-Nutzen-Verhältnisses zu prüfen». Das BAG soll, so die Antwort des Bundesrates, diesen Aspekt überprüfen «und spätestens per 2016 entsprechende Anpassungen vornehmen».