SCHWYZ: «Politik braucht Hilfe des Spitals»

Viele Ärzte verlassen das Spital Schwyz. So ungewöhnlich sei das nicht, sagt Theo Camenzind.

Andrea Schelbert
Drucken
Teilen
Theo Camenzind (Bild: Laura Vercellone)

Theo Camenzind (Bild: Laura Vercellone)

Theo Camenzind, haben Sie noch den Überblick, was im Spital Schwyz passiert?

Theo Camenzind*: Ja, ich meine schon.

Zahlreiche Ärzte werden das Spital verlassen. Chefarzt Robert Bründler etwa hat erst gekündigt und kehrt darauf wieder als Konsiliararzt zurück. Eine Salamitaktik?

Camenzind: Nein, das ist es ganz klar nicht! Robert Bründler hat vor allem darum gekündigt, weil er sich wieder mehr auf seine spezialärztliche Tätigkeit konzentrieren möchte.

Böse Zungen behaupten, Robert Bründler würde dank diesem Schritt wesentlich mehr verdienen.

Camenzind: Das kann ich nicht beurteilen. Ich glaube nicht, dass er wesentlich mehr verdienen wird.

Sie wissen nicht, was die Ärzte des Spitals Schwyz verdienen?

Camenzind: Das weiss ich schon, doch das werde ich Ihnen nicht sagen.

Per 1. September wird der ambulante Teil der Orthopädie aus dem Spital Schwyz ausgegliedert. Das bedeutet, dass René Orler, Helge Burmeister und Jana Koscina Orler neu in der Praxis Tellklinik in Ibach tätig sind. Welche Überlegungen haben zu diesem Entscheid geführt?

Camenzind: Einerseits ist der administrative Aufwand im Spital Schwyz gestiegen. Anderseits hat man als Spitalarzt eine eingeschränkte unternehmerische Freiheit. Man kann sich nicht entwickeln, wie man möchte, sondern muss sich an die Rahmenbedingungen halten, die ein Spital bieten kann. Die Orthopädie war schon immer eine Disziplin, die in vielen Spitälern ambulant geführt wird. Wenn man all diese Sachen berücksichtigt, war dieser Schritt eine durchaus logische Konsequenz.

Auf Unverständnis stösst, dass sowohl Robert Bründler als auch den Orthopäden erlaubt wird, als Belegärzte am Spital zu operieren, statt sich Ärzte vom Markt zu holen. Ist das die Zukunft unseres Gesundheitssystems?

Camenzind: Aufgrund der sich verändernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen ist der Druck auf die Ärzte ausserhalb wie auch innerhalb des Spitals massiv gestiegen. Das bedeutet einerseits, dass sich die Ärzte immer mehr mit administrativen Arbeiten auseinandersetzen müssen und sie nicht mehr so viel am Patienten arbeiten können, wie sie es gerne würden. Auf der anderen Seite haben wir heute noch die Problematik, dass es in einigen Spezialdisziplinen zu wenig Ärzte gibt. Das heisst, dass es für ein Spital gar nicht so einfach ist, neue Spezialärzte zu finden. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, mit erfahrenen Ärzten, die man kennt, die Zusammenarbeit fortzusetzen, dann macht man das natürlich.

Kommen die Ärzte finanziell nicht mehr auf ihre Kosten, wenn sie fest am Spital Schwyz arbeiten?

Camenzind: Was heisst schon Superverdienst? Letztlich muss das Salär so sein, dass die Leistung, die erbracht wird, adäquat entschädigt wird, auch im Verhältnis zu umliegenden Spitälern. Ohne Summen nennen zu wollen: Es ist durchaus so, dass das Spital Schwyz bei den Gehältern der Ärzte in der Gruppe von gleich grossen und auch grösseren Spitälern mithalten kann. Ich glaube nicht, dass irgendein Arzt vom Spital Schwyz wegen seines Verdienstes dazu gezwungen wird, die Stelle zu wechseln oder sich selbstständig zu machen.

Die Stimmung im Spital Schwyz sei schlecht, behaupten einige Angestellte. Neid und Missgunst unter den Ärzten seien an der Tagesordnung. Sind die Götter in Weiss in Rage?

Camenzind: Ich weiss nicht, woher solche Behauptungen kommen. Ich höre eigentlich das Gegenteil. Es ist sicher richtig, dass es innerhalb der einzelnen Berufssparten im Spital zu Spannungen und Diskussionen kommt. Das ist aber in jedem Unternehmen so. Ich habe den Eindruck, die Stimmung im Spital Schwyz innerhalb der einzelnen Berufsgruppen sei sehr gut. Die Ärzteschaft steht unter Druck. Sie werden heute von den Patienten kritisch beobachtet. Früher hat man geglaubt, was der Doktor gesagt hat. Heute ist das nicht mehr unbedingt der Fall. Dass dies zu Unruhen oder unüberlegten Handlungen kommen kann, ist verständlich. Ich finde es aber übertrieben zu sagen, die Stimmung im Spital Schwyz sei schlecht.

Es wird gemunkelt, dass weitere Ärzte des Spitals Schwyz mit der Kündigung drohen, wenn auf ihre Lohnforderungen nicht eingegangen wird.

Camenzind: Das ist mir neu. Es ist richtig, dass wir im Moment dabei sind, das Lohnsystem unserer Kaderärzte zu überarbeiten. Nicht weil die Lohnsumme zu klein wäre, sondern weil wir festgestellt haben, dass aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen gewisse Anteile der Gesamtgehälter angepasst werden müssen. Dass Forderungen da sind, die zu Kündigungen führen könnten, ist mir nicht bekannt. Mir gegenüber hat kein Kaderarzt solche Äusserungen gemacht.

Auch Kardiologe Peter Eichhorn wird das Spital per Ende Juni verlassen. Hat man einen Nachfolger gefunden?

Camenzind: Ich bin nicht auf dem neusten Stand. Wir haben mehrere Bewerbungen erhalten, das Auswahlverfahren wurde aber so weit ich weiss noch nicht gestartet. Ich bin da nicht direkt involviert.

Das Spital Schwyz will sich als topmodernes Kompetenzzentrum präsentieren. Die vielen personellen Veränderungen und Umstrukturierungen werfen aber ein seltsames Licht auf das Unternehmen.

Camenzind: Man muss es auch positiv sehen. Das Jahr 2012 war nicht nur für uns, sondern auch andere Spitäler kein einfaches Jahr. Es ist falsch, wenn man sagt, das Spital Schwyz habe ein Problem. Das stimmt so nicht. Es ist nun einfach vieles auf einmal passiert, das haben wir in dieser Form auch nicht geplant. Wir waren aber darauf vorbereitet, dass es solche Veränderungen geben wird.

Sind noch weitere Überraschungen zu erwarten?

Camenzind: Ich glaube nicht, aus meiner Sicht ist nichts absehbar. Ich kann die Gerüchte, die Sie erwähnen, nicht bestätigen. Das Selektionsverfahren für den neuen Chefarzt hat bereits begonnen. Wir haben zahlreiche Bewerbungen und sind überzeugt, dass wir diese Lücke sehr gut schliessen können.

CVP-Kantonsrat Andreas Meyerhans hat eine Kleine Anfrage eingereicht. Er will wissen, wie es um die Zukunft der Schwyzer Spitäler bestellt ist. Braucht das Spital Schwyz die Hilfe der Politik?

Camenzind: Darf ich frech sein?

Natürlich!

Camenzind: Ich glaube, die Politik würde eher die Hilfe vom Spital Schwyz brauchen. Die Politiker sollten endlich mal lernen, wie das Gesundheitswesen funktioniert. Schreiben Sie das ruhig so. Das Spital erwartet von der Politik zumindest, dass die öffentliche Hand ihren Verpflichtungen nachkommt und dafür sorgt, dass alle Marktteilnehmer mit gleich langen Spiessen arbeiten können, was heute leider nicht der Fall ist.

Macht Ihnen Ihre Funktion als Präsident der Krankenhausgesellschaft Schwyz noch Freude?

Camenzind: Nicht immer, aber meistens.

Hinweis

* Theo Camenzind präsidiert die Krankenhaus­gesellschaft Schwyz seit 5 Jahren. Der 53-Jährige ist als Elektroingenieur tätig. Er lebt in Gersau und ist Vater zweier erwachsener Töchter.