SCHWYZ: Rechenschaft über gescheitertes Schul-IT-Projekt:

Der Schwyzer Regierungsrat hat über ein gescheitertes Schul-IT-Projekt Rechenschaft abgelegt, wie dies ein CVP-Postulat forderte. Noch unklar ist, ob er ein Gerichtsverfahren gegen die mehrheitlich für das Scheitern verantwortliche Firma führen wird.

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Keine einheitliche Schuldatenbank in Schwyz (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Keine einheitliche Schuldatenbank in Schwyz (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Das Projekt «schuldatenverwaltung.ch» hätte für die Schwyzer Volksschulen eine gemeinsame kantonale Daten- und Arbeitsplattform schaffen sollen. Es hätte die bislang eingesetzten 13 verschiedenen Verwaltungsprogramme ablösen und sämtliche administrativen Prozesse vereinheitlichen sollen. Das Parlament sprach 2013 einen Kredit von 1,23 Millionen Franken für das Projekt.

Mitte Mai 2014 gab die Regierung aber bekannt, dass das Projekt gescheitert sei. Der Kanton zog sich aus dem 2010 gestarteten Projekt zurück, weil es zu viele Mängel habe. Der Anbieter habe die geforderte Qualität nicht liefern und Termine nicht einhalten können.

CVP-Kantonsrat Adrain Dummermuth reichte daraufhin ein Postulat ein, worin er die Regierung aufforderte, Rechenschaft über das «Debakel» abzulegen. Das Projekt sei gescheitert, der finanzielle und organisatorische Schaden enorm, schreibt Dummermuth.

In der Schlussfolgerung des mehrseitigen Berichts, welchen die Regierung am Donnerstag veröffentlichte, schreibt sie, dass für das Scheitern letztlich verschiedene Gründe auszumachen seien. In erster Linie müssten die unverlässlichen und unzureichenden Vorgehensweisen sowie die Beteuerungen der Softwarefirma ins Feld geführt werden.

Diese hätten auch zur Folge gehabt, dass das Projekt und dessen Komplexität zu Beginn vielleicht auch seitens des Kantons unterschätzt worden sei. «Aus Nachbetrachtung wäre es wohl erforderlich gewesen, das Projekt von Anfang an mit zusätzlichem (externen) Knowhow im Projektmanagement von Informatikprojekten zu begleiten», schreibt die Regierung.

In Verhandlungen mit betroffener Firma

Seit dem Abbruch des Projekts steht der Kanton mit dem betroffenen Unternehmen in Verhandlung. Zum einen, um für die Zeit des Rückbaus während der folgenden zwei Jahre eine Übergangslösung zu finden. Zum anderen bezüglich der finanziellen Rückforderungen, weil die Firma den Vertrag nicht erfüllen konnte.

Die Verhandlungen zeigten, dass die finanziellen Vorstellungen der beiden Verhandlungsseiten weit auseinander liegen. Die Firma macht noch ausstehende Zahlungen von 220'000 Franken geltend. Der Kanton Schwyz hat im Gegenzug Rückforderungen und Schadenersatz in der Höhe von 600'000 Franken gestellt.

Die Regierung will nun entscheiden, ob sie den Rechtsweg bestreiten will. Aufgrund der Komplexität des Projekts sei mit einem nicht unbeträchtlichen Aufwand zu rechnen, heisst es. Es stelle sich die Kosten-/Nutzenfrage bei einem mit Sicherheit länger dauerndem Verfahren.

Vor der allfälligen Lancierung eines neuen Projekts müsse der Kanton prüfen, ob, in welcher Form und an welcher Stelle das benötigte Knowhow in Sachen Projektmanagement aufgebaut werden könne, hält die Regierung fest. Und: «Bei der Auswahl des entsprechenden Vertragspartners ist höchste Vorsicht geboten.»

sda