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SCHWYZ: Schmied des perfekten Glockenschlags

Martin Imhof ist Trychlenschmied und ein Protagonist im jüngsten Werk der Schwyzer Dokumentarfilmreihe «Die Letzten ihres Handwerks?». Er pflegt eine uralte Tradition, die sich nach wie vor grosser Beliebtheit erfreut, wie ein Besuch in seiner Werkstatt zeigt.
Schmied Martin Imhof stellt die Trychlen in seiner Werkstatt noch nach alter Schule her. (Bild: Eveline Beerkircher (Ried, 9. Mai 2018))

Schmied Martin Imhof stellt die Trychlen in seiner Werkstatt noch nach alter Schule her. (Bild: Eveline Beerkircher (Ried, 9. Mai 2018))

Martin Imhof bindet sich die wildlederne Schürze um, entzündet den Lötkolben und bringt einen schmalen Messingstab zum Schmelzen. Damit versiegelt er die zwei Blechhälften, die er zuvor zu einer Trychle geformt hat. Das Messing hinterlässt eine goldene Spur auf dem dunklen Blech, das auf einen Schraubstock gespannt ist. «Anschliessend muss ich sie noch lange feilen, putzen und lackieren», erklärt der erfahrene Trychlenschmied.

Seit über zwanzig Jahren stellt Martin Imhof Viehglocken her. Er gehört damit zu gut einem Dutzend Personen, die dieses uralte Handwerk noch ausüben. Die Nachfrage danach ist nach wie vor so gross, dass Imhof und seine Kollegen um Aufträge nicht bangen müssen: «Ich könnte Tag und Nacht arbeiten, wenn ich wollte», berichtet der Muotathaler. Besonders im Frühling, kurz vor dem Alpaufzug, stiegen die Bestellungen. Ein Grossteil seiner Produktion geht allerdings an Sammler. Oder er verkauft sie an Touristen, wie kürzlich an einen Schwyzer Auswanderer, der in seinen Ferien in der Heimat nach einem besonderen Souvenir suchte und bei Martin Imhof dank einem Tipp fündig wurde.

Suche nach dem perfekten Klang

Neun verschiedene Grössen stellt Imhof her. Die kleinste Glocke wiegt etwa so viel wie eine Tafel Schokolade, die grösste ist neun Kilogramm schwer. Alle sind sogenannte «Blisse», also Glocken, die eine eckige Form haben im Gegensatz zu den «Klopfe», die oben gebogen sind. Zwei Jahre lang feilte Imhof an der «Rezeptur» für sein Glockenset. Seither ändert er nichts mehr daran. Doch auch wenn die Ingredienzen und der Prozess immer dieselben sind: «Es ist immer erst kurz vor Schluss klar, ob eine Trychle etwas taugt oder nicht», verrät Imhof. Das absolut Entscheidendste ist nämlich der Klang, und der wird erst vor dem Verputzen hörbar.

Imhof schwenkt eine fertige Glocke hin und her und hält dabei den Daumen von innen ans Blech. «Daran erkenne ich, ob der Ton stimmt», sagt er. Der perfekte Klang hängt einerseits mit der Blechdicke zusammen, andererseits mit der Temperatur. «Es muss immer zwischen 18 und 20 Grad warm sein», erklärt der Kenner, «sonst tönt es sofort anders». «Ich habe viele Trychlen wieder zusammengepresst im Verlaufe der Jahre, weil der Ton nicht gut war», erklärt der 64-Jährige. «Verkaufen könnte man sie schon, aber schlechte Qualität spricht sich schnell rum», fügt er hinzu. Der gute Ruf spielt besonders bei Sammlern eine Rolle: Diese suchten oftmals nach ganz bestimmten Klängen, die in ihrer Reihe noch fehlen. «Die haben zum Teil ein unglaublich gutes Gehör», sagt Imhof. «Jeder stellt die Trychlen nach seiner eigenen Art und Weise her», berichtet Imhof weiter. Seine zum Beispiel haben unterhalb des Bügels ein überlappendes Käppchen. Auch die Herstellungsart variiert: Imhof lötet, andere Trychlenschmiede schweissen die Bleche. Und jeder setzt sein persönliches Zeichen auf die Glocken. Bei Imhof ist es ein schlichtes «J», das messingfarben aus dem Blauschimmer der dunklen Oberfläche heraussticht.

Imhof stellt die Glocken zum Zeitvertreib her. Das wenige Geld, das er damit verdient, steckt er ins Material und in die Werkstatt. Vor seiner Pensionierung sei er jeden Tag um halb vier Uhr morgens aufgestanden, um vor der Arbeit seinem Hobby nachzugehen. Heute steht er jeweils um 7 Uhr in der Werkstatt im Ried und bleibt bis zum Mittag. Gelernt hat er das Handwerk von niemandem: «Ich habe einfach angefangen und mich mit anderen Trychlenschmieden ausgetauscht», sagt Imhof.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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