SCHWYZ: «Schön, wenn alte Bräuche aufleben»

Das Priis-Chlefele findet heuer zum 50. Mal statt. Dieses Jubiläum teilen Markus Lacher und Bruno Gianella. Ihr 50. Auftritt soll auch ihr Abschlusskonzert werden.

Sandro Portmann
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Chlefelen ohne Choreografie, dafür aber perfekt: Bruno Gianella (links) und Markus Lacher. (Bild Sandro Portmann)

Chlefelen ohne Choreografie, dafür aber perfekt: Bruno Gianella (links) und Markus Lacher. (Bild Sandro Portmann)

Wenn Markus Lacher und Bruno Gianella gemeinsam auf der Bühne ihre Chlefelis aneinanderschlagen, geht es ihnen um Spass, Herzblut und Tradition. Am Freitag, 22. März, werden sie am Jubiläums-Priis-Chlefele im Mythen-Forum teilnehmen. Der jährliche Anlass findet heuer zum 50. Mal statt. Die beiden Schwyzer sind von Anfang an dabei. Beim 1. Priis-Chlefele waren die beiden 1953er gerade mal 10 Jahre alt. «Damals haben wir unsere Chlefeli noch selbst gebastelt. Wir haben sie auch unten angeschwärzt, bis fast nichts mehr davon übrig blieb.» Früher glaubte man, dass es durchs Anschwärzen einen besseren Klang gebe, heute weiss man allerdings, dass es keinen klanglichen Unterschied gibt. Zu der Zeit, als Lacher und Gianella die Schulbank drückten, stand das Chlefele vor dem Aussterben. Und um dies zu verhindern, lancierte der Schokoladenhersteller Max Felchlin vor 50 Jahren das Priis-Chlefele. Er finanzierte das Priis-Chlefele, das der Tambourenverein dann organisierte. Die alte Tradition sollte wiederbelebt werden. Und das wurde sie auch.

Variantenreicher geworden

Die ersten Wettbewerbe fanden damals im Schulhaus Herrengasse statt. «Es nahmen etwa 20 bis 30 Gruppen daran teil», erinnert sich Markus Lacher. Heute sind es zwischen 200 und 300 Kinder. Doch nicht nur die Anzahl Kinder hat sich beim Priis-Chlefele verändert. «Mädchen waren damals kaum beim Priis-Chlefele vertreten. Heute ist das eher umgekehrt», hält Lacher fest. Und auch Bruno Gianella erinnert sich: «Heute ist das Chlefele variantenreicher geworden.» So würden die Kinder heute richtige Choreografien vorführen, und auch vom Ordonnanzmarsch gebe es heute mehr Versionen.

Comeback nicht ausgeschlossen

Bei ihrem Auftritt am 22. März werden die beiden nicht mit einer Choreografie bei der Jury punkten. Sie konzentrieren sich bei ihrem Auftritt auf das Spiel. «Wir spielen den einfachsten Marsch, diesen aber perfekt», sagen die beiden im Einklang. Üben müssen sie nicht. Ein kurzes Aufwärmen vor dem grossen Auftritt reicht. Und dann werden die beiden in einem weissen Hemd und schwarzen Hosen auf der Bühne alles geben. Noch wissen sie nicht, mit welchen Chlefelis aus welchem Holz sie am Wettbewerb antreten. «Entweder Chriesi oder Zwätschge», sagen die beiden. Beide Hölzer hätten einen schönen, hellen Klang. Bei beiden ist die Freude auf das Priis-Chlefele jetzt schon gross. Sie haben sich vorgenommen, dass es ihr letzter Auftritt auf der Bühne werden soll.

Allerdings schliessen sie ein Comeback nicht ganz aus. «Etwa dann, wenn uns Deep Purple anfragt», scherzt Gianella. Sicher ist: Im privaten Rahmen werden sie auch weiterhin die Kunst des Chlefele zelebrieren. In besonderer Erinnerung bleibt den beiden das gemeinsame Spiel mit Oesch’s die Dritten vor eineinhalb Jahren. Zum Jubiläum der Skoda-Garage von Bruno Gianella trat die Volksmusikgruppe für Kunden, Bekannte und Freunde auf. Gianella und Lacher begleiteten die Berner Musiker mit ihren Chlefelis.

Vergleichbar mit Ballgefühl

Gianella und Lacher sind mittlerweile Grossväter und bringen ihren Enkeln das Chlefele bei. «Es ist schön, wenn die alten Bräuche wiederaufleben», so Gianella. Klar könne man das Chlefele lernen, man müsse es aber auch im Blut haben, sagt er. Er vergleicht das Chlefele in etwa mit dem Ballgefühl beim Fussball.

Hinweis

Das Jubiläums-Priis-Chlefele findet am Freitag, 22. März, ab 18 Uhr im Mythen-Forum Schwyz statt. Am Mittwoch, 6. März, zeigt der Verein S Chlefele läbt das Fastenzeit-Brauchtum Chlefele im Mythen-Center. Am Samstag, 9. März, ist der Verein am Wuchemärcht.

Die drei Theorien zum Ursprung

spo. Wo der Ursprung des Chlefelen liegt, ist noch nicht ganz geklärt. Heute gibt es dazu drei Theorien:

• Siechenklapper

Im Mittelalter mussten sich Aussätzige, wie Leprakranke, bemerkbar machen, wenn sie in die Nähe von Gesunden kamen. Dazu hatten sie zwei Holzbrettchen, mit denen sie klappern konnten.

• Rätschen und Raffeln

Da am Karfreitag die Kirchenglocken verstummen sollen, hat man sich mit Raffeln ausgeholfen, um die Leute zur rechten Zeit zur Messe zu bewegen.

• Castagnetten

Aus Spanien stammen die Castagnetten. Solche könnten die Schwyzer Söldner früher nach Schwyz mitgebracht haben.