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SCHWYZ: Sie tanzen den ältesten der vier Schwyzer Narrentänze

Der Nüsslertanz ist eines der wichtigsten Elemente an der Fasnacht in und um Schwyz. Der Fasnächtler Walter Sidler versucht den Sattlern die Tradition an einem Kurs näherzubringen.
Kursleiter Wädi Sidler (rechts) gibt mit dem Schellengurt den Takt für den Nüsslertanz vor. (Bild: Roger Grütter (Sattel, 19. Januar 2018))

Kursleiter Wädi Sidler (rechts) gibt mit dem Schellengurt den Takt für den Nüsslertanz vor. (Bild: Roger Grütter (Sattel, 19. Januar 2018))

Das Geräusch ist ohrenbetäubend. Trrrrrrem, trrrrrem, trrrretem. Die rhythmischen Trommelschläge füllen den gesamten Singsaal im Schulhaus in Sattel. Über dreissig Beine beginnen zu hüpfen. Die einen präzise und elegant, die anderen unbeholfen und wirr. «Und eins und zwei und drei und wechseln», ruft Walter Sidler mit lauter Stimme, die Trommelmusik übertönend. Seine Mission an diesem Freitagabend: den Sattlern das Nüsseln beibringen. Über ein Dutzend sind der Einladung der Fasnachtsgesellschaft gefolgt.

Der Nüsslertanz ist eines der wichtigsten Elemente an der Fasnacht in und um Schwyz. Die Maskeraden ziehen an den Haupttagen durchs Dorf und vollführen den Narrentanz, der darin besteht, in einem vorgegebenen Takt zu hüpfen und mit den Beinen zu kicken. Dabei unterscheiden sich die Rhythmen und Schritte von Ortschaft zu Ortschaft: In Brunnen, in Schwyz, in Steinen und in Sattel pflegen die Fasnächtler ihren eigenen Nüsslerstil. Und jeder ist davon überzeugt, dass der ihre am schönsten ist.

Walter Sidler lehrt die Kursteilnehmenden selbstverständlich den Sattler Stil. «Es ist der älteste der vier Schwyzer Narrentänze», erklärt der Fasnächtler. Im Gegensatz zu den anderen können sich die Tänzer dabei fortbewegen. Die Schrittfolge ist relativ einfach. «Wichtig ist es, immer auf den Zehenspitzen zu stehen», erläutert der Chefnüssler. Nur beim Kick berührt die Ferse kurz den Boden. So simpel es tönt, ist es aber nicht. «Ich finde es noch schwierig – ich glaube, ich zähle anders als die anderen», schmunzelt etwa Daniela Schneider. Sie ist nach Sattel ­gezogen, weil ihr Freund, ein angefressener Fasnächtler, dort wohnt, und besucht den Kurs zum ersten Mal. Es sind jedoch auch einige Profinüssler anwesend. Kuno Schuler zum Beispiel frönt dem Narrentanz seit 45 Jahren. Er nimmt am Kurs teil, damit die anderen bei ihm abschauen können. Auch Priska Schaller kann eigentlich schon nüsseln. Sie ist mit ihren Kindern gekommen, damit sie diesen alten Brauch kennen lernen.

Überraschungsgäste aus Brunnen

Woher diese Tradition stammt, weiss auf Nachfrage keiner genau. Walter Sidler vermutet, dass sie mit den Trommlern bei Kriegen zusammenhängt. Tambour Urs Kryenbühl ergänzt: «Im Militär gab es früher Ordonnanztrommeln und entsprechende Tänze.» Tatsache ist, dass dieser Brauch von Generation zu Generation weitergegeben wird. Schon der Vater von Kryenbühl war als Tambour unterwegs.

Nach ein paar Übungen an Ort und Stelle tanzt die Gruppe im grossen Kreis. Die Tambouren geben den Takt vor. Trrrm, trrrm, trretem. So viel Konzentration macht durstig. Walter Sidler kündigt eine Pause an. Der Bier­karton leert sich rasch. Plötzlich öffnet sich die Türe und fünf Personen treten ein. Es ist die Überraschung, die Walter Sidler ­eingangs angekündigt hat: Eine Delegation aus Brunnen ist gekommen, um ihren Narrentanz vorzuführen. Die Sattler haben sie dazu eingeladen. «Das wäre früher undenkbar gewesen», verrät Kryenbühl. Die Überzeugung eines jeden Dorfes, den schönsten und richtigsten Stil zu haben, habe gegenseitige Besuche verhindert. Auch heute noch zündet man sich gegenseitig an – jedoch mit Humor.

Der Kurs bereitet die Sattler auf die Strassenfasnacht vor. Dann sind die Nüssler vollständig maskiert und ziehen von Beiz zu Beiz. «Rott» wird diese Gruppe in den Schwyzer Dörfern genannt. Die Wirte offerieren ihnen ein Glas Weisswein, bevor es wieder auf die Strasse und alsbald ins nächste Wirtshaus geht. Neben dem Nüsseln werfen die Maskeraden den Kindern Orangen und Süssigkeiten aus, nehmen Erwachsene auf die Schippe und tanzen mit ihnen zu volkstümlicher Musik. Der Haupttag ist der Schmutzige Donnerstag. Im Gegensatz zu den umliegenden Dörfern findet er in Sattel eine Woche früher statt. Grund dafür ist, dass der offizielle Schmutzige Donnerstag einmal auf den Gedenktag der heiligen Agatha fiel – ein hoher christlicher Feiertag in der Gemeinde Sattel. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, die Fasnacht eine Woche ­vorzuverlegen. Die zeitliche Verschiebung kommt dem Brauch­tum zugute: Weil die anderen Gemeinden dann nicht feiern, finden jeweils viele Fasnächtler den Weg an den Fuss des Mostelbergs. «Auch viele Heimwehsattler kommen», so Sidler. Vor zwei Jahren fiel der Schmutzige Donnerstag wiederum auf den Aga­thatag. Die Fasnachtsgesellschaft hat deshalb kurzerhand einen Schmutzigen Freitag einberufen. «Damals hatten wir rekordverdächtige 200 Maskeraden in der Rott», erklärt er lachend. Ob heuer alle Nüssler im Gleichtakt tanzen, ist noch offen. «Es wäre natürlich schön, aber wir sind da liberal», sagt Sidler. Hauptsache sei, man komme und mache mit.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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