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SCHWYZ: Wenn ein Fremder ins Dorf kommt

In Muotathal wird zurzeit der Film «Die Einzigen» gedreht. Die Geschichte stammt aus der Feder von Martina Clavadetscher. Für die Brunner Autorin war das Projekt ein ungewohnter Prozess.
Stephanie Zemp

Jahrelang hat Martina Clavadetscher am Drehbuch gearbeitet – und das Projekt fast schon aufgegeben. Dann plötzlich kam das Schweizer Radio und Fernsehen ins Spiel und wollte ihre Geschichte verfilmen. Und so hat sich Clavadetscher nochmals richtig reingekniet. Nach mehrjähriger Vorarbeit finden nun die Dreharbeiten zum Film «Die Einzigen» statt.

Die Story spielt in Muotathal. Sie handelt von einem Deutschen, der ins Dorf kommt, um das Erbe seines Vaters anzutreten, den er nie gekannt hat. Er will möglichst bald wieder weg, wird jedoch durch einige Verwicklungen daran gehindert. Dabei begegnet er einem trauernden Mädchen, das seine Mutter verloren hat und sich sozial abschottet. Beide versuchen auf ihre eigene Art, Frieden zu finden mit der Vergangenheit. «Es prallen zwei Pole aufeinander», erzählt die Autorin. Auf der einen Seite ist der Fremde, der nie einen Bezug zu seinem Vater hatte und dessen Tod ihn kühl lässt. Auf der anderen Seite ist die Einheimische, die in der Trauer um einen geliebten Menschen versinkt. Dabei schwingt auch das Thema Zugehörigkeit und Heimat mit. «Vielleicht will der Film auch zeigen, dass Heimat dort ist, wo die Menschen sind, die man liebt», sinniert Clavadetscher. Sie sei sehr gespannt auf das Resultat.

Leidenschaft auf dem Prüfstand

Für die 37-Jährige war es das erste Drehbuch. Neben zwei veröffentlichten Romanen schreibt sie vor allem Theaterstücke. «Bei einem Drehbuch reden viel mehr Leute mit als bei einem Buch», erzählt die studierte Germanistin. Es sei für sie mitunter ein «schmerzvoller Prozess» gewesen: Zigmal hat sie das Skript überarbeitet, wobei sie verschiedenen Ansprüchen gerecht werden musste. «Die Gefahr dabei ist, dass du die Leidenschaft für die Geschichte verlierst», sagt die Schriftstellerin.

Gemeinsam mit der Regisseurin Maria Sigrist hat sie das Drehbuch erneut mehrfach abgeändert. Nun ist es unter Dach und Fach. Für die Verfilmung ist die Firma Tilt Production aus Zürich verantwortlich. Das Schweizer Radio und Fernsehen finanziert das Projekt mit, der Kanton hat auch einen Beitrag bezahlt. Vor kurzem besuchte Martina Clavadetscher das Set. Sie war beeindruckt von der detailgetreuen und realistischen Umsetzung ihres Drehbuchs: «Das Zimmer von Tonja, der Hauptdarstellerin, sieht perfekt aus», freut sich die Brunnerin, «es scheint, als hätten sie meine Vorstellungen besser gespürt, als ich es hätte beschreiben können.» Ebenso hat Clavadetscher die professionelle Organisation am Set fasziniert. Jeder Tag sei minutiös geplant.

Muotataler Dialekt sorgt für Authentizität

Innerhalb von 23 Tagen sollten alle Szenen im Kasten sein. Die Ausstrahlung ist für Dezember vorgesehen. Die Filmcrew und die Darstellenden sind fast allesamt junge Nachwuchstalente. Einige der Laienschauspieler stammen aus der Region. Im Film imitieren sie den unverkennbaren Muotataler Dialekt – eine nicht ganz einfache Aufgabe. «Ich bin sehr gespannt, wie das tönen wird», lacht die Autorin. Zuerst wollten sie das Drehbuch für den deutschen Hauptdarsteller auf Hochdeutsch übersetzen. «Dann haben wir es aber absichtlich sein lassen», erklärt Clavadetscher. Schliesslich sei es im Film auch so, dass der Deutsche mit Verständigungsproblemen zu kämpfen hat. Für Authentizität ist in der Tragikomödie also gesorgt.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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