Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHWYZ: Wie sich die Schweizer Militärs in Szene setzten

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, so heisst es. Diese Wirkung war Schweizer Militärfotografen schon Ende des 19. Jahrhunderts voll bewusst. Archivar Ralf Jacober zeichnet dies nach.
Schwyzer Landsturm-Infanteristen samt Musik 1893 vor der imposanten Pfarrkirche St. Verena in Wollerau. (Bild: Staatsarchiv Schwyz)

Schwyzer Landsturm-Infanteristen samt Musik 1893 vor der imposanten Pfarrkirche St. Verena in Wollerau. (Bild: Staatsarchiv Schwyz)

Historische Militär- und Schützenbilder erzählen mehr als nur eine Geschichte. Durch eine genaue Beobachtung erschliesst sich dem Betrachter nicht nur das militärische, sondern auch das politische und gesellschaftliche Umfeld, in dem die Fotografie entstanden ist: Das hat der Archivar Ralf Jacober gestern an einem Vortrag im Bundesbriefmuseum aufgezeigt. Er tat dies anhand mehrerer Beispiele, etwa mit Bildern des Schwyzer Fotopioniers Josef Bettschart, der 1893 die Ausrüstung und Bewaffnung von Schwyzer Landsturm-Truppen festhielt. Diese leisteten im Sinne einer «Volkswehr» Hilfsarbeiten für die Kampftruppen.

Kritisches wurde ausgeblendet

Die Neuausrüstung wurde damals in den Zeitungen kontrovers diskutiert. Bettschart setzte mit seinen Bildern einen Kontrapunkt, indem er militärische und patriotische Werte bewusst inszenierte. Er rückte die Landsturm-Truppen ins beste Licht, indem er sie an repräsentativen Orten – etwa vor der Pfarrkirche St. Verena in Wollerau – in Szene setzte. «Für Gott und Vaterland» – an diesen Slogan sollte die Szenerie erinnern. Militär- respektive Bundeskritisches im Kanton Schwyz blenden die Aufnahmen aus.

Ein weiteres Beispiel bewusst eingesetzter Bildsprache ist eine Aufnahme vom Rütlischiessen 1883. Von der Sonne geblendete Schützen stehen oder sitzen entspannt auf der Wiese. Was wie eine Momentaufnahme wirkt, ist in Wahrheit eine Inszenierung, wie Jacober ausführt. Schnappschüsse zu machen war damals aufgrund der langen Belichtungszeit gar nicht möglich. Das Bild sollte den neuen nationalen Er­innerungsort Rütli zeigen, aber auch die gesellige Seite des Anlasses dokumentieren und den hohen gesellschaftlichen Status der Abgebildeten betonen, wie Jacober erläutert. Sein Fazit: Bilder vermitteln zwar mehr Licht- als Schattenseiten, aber sie sind ein unentbehrlicher Schlüssel, um Geschichte zu verstehen.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.