SCHWYZ: Zehn Menschenhändler vor dem Strafgericht

Sieben Jahre nach einer Grossrazzia in einer Kontaktbar in Tuggen im Kanton Schwyz stehen Donnerstag zehn mutmassliche Menschenhändler vor dem Schwyzer Strafgericht. Sie sollen Prostituierte im Ausland rekrutiert und in der Schweiz zur Sexarbeit angehalten haben.

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Im Februar 2007 wurde in diesem Lokal in Tuggen eine  Grossrazzia durchgeführt. (Bild: Keystone)

Im Februar 2007 wurde in diesem Lokal in Tuggen eine Grossrazzia durchgeführt. (Bild: Keystone)

Gemäss Angaben des Schwyzer Strafgerichts werden neun Männer sowie eine Frau beschuldigt. Ihnen wirft die Oberstaatsanwaltschaft Menschenhandel und Förderung der Prostitution vor. Daneben geht es in Einzelfällen unter anderem auch um Vergewaltigung, Veruntreuung und Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz.

Die Beschuldigten sollen Frauen vor allem aus Rumänien und Bulgarien über Zuhälter in die Schweiz verfrachtet haben. Im Etablissement Bolenberg in Tuggen sollen diese dann zur Prostitution angehalten worden sein. Dabei wurden teilweise den Frauen die Pässe abgenommen.

Prozess auf sieben Tage anberaumt

Die Anträge von Anklage und Verteidigung werden an der Hauptverhandlung bekannt gegeben. Der Prozess ist vom 3. bis 11. April angesetzt. Die Befragung der Beschuldigten vor fünf Strafrichtern soll mehrere Tage in Anspruch nehmen. Darauf folgen die Plädoyers von Oberstaatsanwaltschaft und Verteidigung.

Einer der Beschuldigten habe sich als Chef herauskristallisiert, erklärte Sandra Rieder, Verfahrensleiterin und Vizepräsidentin des Schwyzer Strafgerichts, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Beim Prozess gehe es für das Gericht unter anderem darum, zu klären, inwieweit es sich bei den übrigen Beschuldigten um Mittäter oder Gehilfen gehandelt habe.

Die Beschuldigten sind auf freiem Fuss. Mehrere von ihnen stammen aus dem Ausland. Mindestens einer wird dem Prozess nicht beiwohnen. Er reichte ein Dispensationsgesuch ein.

Weshalb es rund sieben Jahre gedauert hat, bis der Fall vor Gericht landete, dazu wollte sich die zuständige Schwyzer Oberstaatsanwältin auf Anfrage nicht äussern. Im November erklärte sie gegenüber der «Südostschweiz», es bestehe ein direkter Zusammenhang mit dem langjährigen Schwyzer Justizstreit. Dieser habe viele Ressourcen anderweitig gebunden, sagte sie der Zeitung.

Grösste Aktion gegen Menschenhandel

Im Februar 2007 kam es in Nidau BE und Tuggen zeitgleich zu Grossrazzien im Rotlichtmilieu. Involviert waren über 200 Polizisten aus Schwyz und Bern sowie die Bundeskriminalpolizei und rumänische Behörden. 16 Personen wurden verhaftet. Damals sprachen die Behörden von einer der grössten je in der Schweiz durchgeführten Aktion gegen Menschenhandel.

Ende Mai 2013 wurde der frühere Chef des Bordells Hotel Schloss Nidau bei Biel erstinstanzlich vom Regionalgericht Berner Jura-Seeland zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er machte sich des mehrfachen Menschenhandels und der Förderung von Prostitution von 45 Frauen schuldig.

Gegen drei weitere Angeklagte verhängte das Gericht Freiheitsstrafen von fünfeinhalb Jahren, dreissig Monaten und zwanzig Monaten. Das Gericht beurteilte Taten zwischen 2003 und 2007.

sda