Warten auf Gerichtsurteil: 67-Jähriger nimmt sich im Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg das Leben

Ein 67-jähriger Schweizer musste vors Bezirksgericht, weil er seine Frau während Jahren geschlagen und erniedrigt haben soll. In der Nacht auf Donnerstag hat sich der Mann in Biberbrugg das Leben genommen.

Drucken
Teilen
Der Sicherheitstützpunkt Biberbrugg.

Der Sicherheitstützpunkt Biberbrugg.

Archivbild

(asz) Nötigung, mehrfache Tätlichkeiten, mehrfache einfache Körperverletzung, Drohung, Beschimpfung, Diebstahl, vorsätzliches Fahren ohne Berechtigung und mehrfacher Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen lautete im August die Anklageschrift gegen den 67-Jährigen. Neben der Staatsanwaltschaft traten sechs Privatkläger auf, unter anderem auch eine Bankangestellte und der Beistand.

Am Gericht war noch kein Urteil verkündet worden, es wurde jedoch entschieden, dass der Mann für drei Monate in Sicherheitshaft bleibt. Wie Recherchen von March24 ergeben haben, handelt es bei dem Gefängnisinsassen, der sich heute Nacht in Biberbrugg das Leben genommen hat, um ebendiesen Märchler.

Zum wiederholten Mal vor Gericht

Ziel seiner Wutausbrüche war seine Frau. Sie soll er in Oberarm, Brust und Bauch geschlagen haben, so dass sie blaue Flecken davontrug und Schmerzen hatte, dies notabene an der Grenze zu Deutschland mit Zöllnern als Zeugen. Ein anderes Mal soll er ihr ins Gesicht geschlagen haben, so dass sie zehn Tage lang nicht richtig essen konnte. Beschimpfen und beleidigen gehörte scheinbar zur Tagesordnung. Nur: Die Ehefrau und Mutter getraute sich offenbar lange nicht, diese Fälle von häuslicher Gewalt öffentlich zu machen. Selbst in der Familie und in Verwandtenkreisen wusste man nichts davon.

Die Staatsanwältin forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei 149 Tage Haft bereits geleistet worden sind. Zudem beantragte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 135 Tagessätzen zu 50 Franken und eine Busse von 3'500 Franken. Die Strafe sei zu vollziehen, also unbedingt.  Die Verfahrenskosten betrugen da 31'000 Franken.

Ergänzt wurde die Staatsanwältin durch den Rechtsanwalt der Ehefrau, der sich ebenfalls für einen Schuldspruch stark machte und zudem forderte, dass der Angeklagte die Kosten der Therapien jetzt und in Zukunft zu tragen und der Ehefrau eine Genugtuung von 20 000 Franken zu zahlen habe.

Der Beschuldigte bestreitete vieles. Der amtliche Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 10 Franken (bedingt auf zwei Jahre) und eine Busse von 600 Franken. Von der Zivilforderung der Ehefrau wollte der Verteidiger nichts wissen.

Weitere Polizeimeldungen der letzten Tage