Marienkapelle in Oberarth: Alter Streit um Kapellrechte flammt auf

Zwischen der Reding-Stiftung, dem Familienverein und Familienmitgliedern wird um Rechte und Stiftungszweck der Reding-Kapelle vor Gericht erbittert gestritten.

Jürg Auf der Maur
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Die Marienkapelle in Oberarth – nach der Stifterfamilie auch Reding-Kapelle genannt. (Bild: Jürg Auf der Maur)

Die Marienkapelle in Oberarth – nach der Stifterfamilie auch Reding-Kapelle genannt. (Bild: Jürg Auf der Maur)

Langjährige Bewohner von Oberarth haben es noch in Erinnerung, als ob es vorgestern geschehen wäre: 1965 wurde im ganzen Dorf gebastelt, gestrickt und gehäkelt. Ziel war, Geld für die ­Sanierung der Reding-Kapelle in Oberarth zu sammeln, die dafür für immer der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. So war das Versprechen. Anlässlich eines ­Basars wurden durch die Bevölkerung über 80000 Franken gesammelt – die Renovationskosten betrugen 177000 Franken.

1984 brach dann in der Gemeinde Arth ein Kapellstreit aus. Die bisherigen Schulgottesdienste konnten nicht mehr in der ­Kapelle abgehalten werden, der Vertrag mit der Kirchgemeinde wurde von der Stiftung gekündigt. Von da an wurden nur noch lateinische Messen zelebriert.

Stiftungspräsident auf der Anklagebank

Jetzt findet vor diesem Hintergrund vor dem Schwyzer Bezirksgericht ein erbitterter Streit zwischen Angehörigen der Reding-Familie, der Stiftung und dem Familienverein statt.

Dem heutigen Stiftungspräsidenten werden viele Vorwürfe gemacht. Er führe die Stiftung quasi in Personalunion, der Stiftungszweck sei abgeändert worden, der Verein sei von allen ­Informationen ausgeschlossen. Man kenne weder Zahlen noch die Zusammensetzung des Stiftungsrates. Die Nutzung der ­Kapelle sei nicht mehr möglich, dafür sorgten die 417 lateinischen Messen pro Jahr. «Der Stiftungspräsident soll richterlich abgesetzt werden», forderte unter anderem die Anwältin des Klägers.

Die Gegenpartei wies die Vorwürfe zurück. Der Angeklagte habe die Stiftung übernommen, als diese über ein Kapital von 20000 Franken verfügte. Heute sei das Vermögen auf 1,8 Millionen Franken angestiegen.

Der Sachverhalt sei in der Tat interessant, allerdings enthalte er eine «tiefe menschliche Tragödie», erklärte der Verteidiger. Die Kläger wollten das Lebenswerk des Stiftungspräsidenten zerstören, um an das Geld zu gelangen. Das wiederum bestritt die Kläger-Anwältin vehement. «Es geht nicht um ein Geschäftsmodell.» Der Beklagte beziehe alles auf sich persönlich. Das Stiftungskonstrukt sei eine «Black Box».