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Bat-Night: Auf Mission für die Fledermäuse

Zur internationalen Nacht der Fledermäuse machen wir uns am Hafen in Lachen auf die Suche nach den verborgenen Tieren. Ein skurriler Abend voller Überraschungen.
Rahel Lüönd
Klein und Faszinierend: Fledermäuse. Im Bild eine Wasserfledermaus (Bild: Keystone/Peter Komka)

Klein und Faszinierend: Fledermäuse. Im Bild eine Wasserfledermaus (Bild: Keystone/Peter Komka)

Es sind schlechte Voraussetzungen für eine Erkundungstour zu den Fledermäusen, bei diesem Wetter bleiben sie lieber daheim. Ob wir heute überhaupt eine sehen? Ich möchte die Faszination der Menschen für ein Tier ergründen, das sich im Schatten unseres Daseins aufhält. Die Fledermaus ist für uns kaum sichtbar, und ihren Schrei in Ultraschallhöhe, mit dem sie sich ein Bild von ihrer Umgebung macht, hören wir nicht.

Michael Erhardt kommt die lange Hafenpassage entlang. Ein gesetzter Mann in seinen Fünfzigern; mit Béret und Harry-Potter-Brille. So sieht also ein kantonaler Fledermausschutz-Beauftragter aus. Es ist Freitagabend um halb neun, die vereinbarte Zeit für die öffentliche Erkundungstour, in der wir mittels Ultraschalldetektoren den Fledermäusen nachspüren wollen. Wir warten auf weitere Besucher. Die Voraussetzungen sind schlecht: Der Mensch bleibt bei diesem Wetter lieber daheim.

Tote Tiere im Restaurant

Da niemand mehr auftaucht, verschieben wir den Theorieteil zum gedeckten Aussenplatz eines ­schicken Hafenrestaurants. Nur durch eine Glasscheibe sind wir von den Gästen drinnen getrennt, die gediegen speisen, Wein trinken, lachen. Derweil holt Michael Erhardt seine Schätze aus der Tasche. Ich zucke kurz zusammen, als er aus einem blauen Behältnis, nicht grösser als eine Kaffeetasse, vier tote Zwergfledermäuse holt. Ich überwinde mich und nehme eine in die Hand: Sie ist federleicht, das Fell weich, die filigranen Flügel dicht an den Körper gezogen. Von der Gesichtspartie sehe ich nur die Ohren und eine verschwindend kleine Schnauze. «Strecken Sie mal den Arm aus», sagt Erhardt. Ehe ich mich versehe, kratzt er mit der Daumenkralle der toten Fledermaus über meinen Handrücken. Erstaunlich hart für die winzige Kralle, die von Auge kaum sichtbar ist.

Unsere Fledermaus-Auslage zieht schnell auch die Aufmerksamkeit der Restaurantbesucher auf sich. Michael Erhardt zeigt die Prototypen bereitwillig nach links und rechts; schliesslich sind wir quasi an einer öffentlichen Veranstaltung.

Erhardt und sein Team von freiwilligen Fledermausschützern steigen in Kirchtürme und Dachstöcke, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Rund 600 sogenannte «Quartiere» finden sich in der kantonalen Datenbank. Die Wasserfledermaus-Kolonie auf dem Estrich der Hurdener Kapelle zählt knapp 90 Stück, das Mausohr-Quartier in Altendorf umfasst etwa 70. Die grösste Mausohr-Kolonie der Schweiz liegt im bündnerischen Fläsch mit fast 1000 Tieren.

Für die Renovation der Kirche in Freienbach empfahl Erhardt, zwei Ausflugtrichter ins Gerüst zu integrieren, damit die Tiere zum Jagen raus können. «Es funktionierte!», sagt er stolz. Die sanften Bauarbeiten haben die Tiere nicht gestört, sodass sie im Kirchturm bleiben konnten. Was, wenn laute Bagger aufgefahren wären? «Dann hätte man vermutlich warten müssen, bis die Tiere im Herbst das Sommerquartier verlassen haben.»

Die Bedürfnisse der Fledermäuse haben Vorrang. Sie stehen unter Schutz, weil sich ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten massiv reduziert hatten. Für den Fall, dass sich einmal eine Fledermaus im Vorhang verfängt oder man irgendwo ein verletztes Tier findet, gibt es sogar ein Notruf-Telefon.

Der Kot bestimmt Art

Jetzt geht es ans Eingemachte. In einem mit Flüssigkeit gefüllten Glas hält Erhardt ein Dutzend tote Baby-Fledermäuse – zur genaueren Inspektion. Er öffnet ein weiteres Glas und steckt die Nase rein: «Riechen Sie mal.» Eine beissende Welle kommt mir entgegen. Für den Biologen ist der Kot aber ganz einfach praktischer Natur: Anhand der Ausscheidungen kann er das Futter der Fledermaus bestimmen und damit die jeweilige Gattung. In der Schweiz gibt es rund 30 verschiedene Arten.

Dann machen wir uns doch noch auf zum See. Der Ultraschalldetektor bleibt vorerst ruhig, nur die Insekten – das Futter der Fledermäuse – schwirren übers Wasser. Ich glaube nicht daran, dass wir noch ein Tier entdecken. Doch dann erklingt ganz eindeutig das holprige Knattern einer Wasserfledermaus aus dem Detektor. Im Lichtkegel der Taschenlampe erhaschen wir einen Blick auf das jagende Tier. Zwischen das Knattern mischt sich noch ein ganz anderer Laut, ein Blubbern, wie wenn man mit einem Strohhalm in ein Wasserglas bläst: die Rufe einer Zwergfledermaus.

Langsam beginne ich zu verstehen, was die Fledermausschützer fasziniert. Die Tiere leben direkt neben uns, und doch sind sie unsichtbar. Nur heute kann ich sie für kurze Zeit wahrnehmen – bis sich unsere beiden Welten wieder trennen.

Hinweis: Im Rahmen der 22. Bat-Night finden heute zwischen 11 und 15 Uhr im Natur- und Tierpark Goldau (Panoramaplatz) Infos und Spiele zu den Fledermäusen statt. Mehr Infos: www.tierpark.ch (unter der Rubrik «Veranstaltungen»)

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