Schwyz
Bedingte Freiheitsstrafen für Ladendiebe

Ein 65-Jähriger und sein 70-jähriger Gehilfe wurden vom Strafgericht verurteilt.

Ruggero Vercellone
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Rund ein halbes Jahr lang wohnte ein heute 65-jähriger Serbe als Kriminaltourist bei seinem heute 70-jährigen Landsmann in der Schweiz. In dieser Zeit begingen die beiden sechs Ladendiebstähle in Einkaufszentren in den Kantonen Schwyz, Zürich und Graubünden. Als Dieb aktiv war der Jüngere der beiden, während der Ältere vor allem als Chauffeur tätig war und dafür sorgte, dass das Ladenpersonal abgelenkt wurde, sodass es die Diebstähle nicht bemerkte.

Gestohlen wurden jeweils Kosmetika, Parfüme, Ledertaschen und Lederkleider. Die Deliktsumme belief sich insgesamt auf rund 18'000 Franken. Die Staatsanwaltschaft klagte die beiden des bandenmässigen Diebstahls an und verlangte unbedingte Freiheitsstrafen von neun Monaten sowie obligatorische Landesverweise. Dem Älteren wurde zudem vorgeworfen, er habe unrechtmässig Sozialversicherungsleistungen bezogen. «Ich habe nie etwas gestohlen» Während der geständige 65-Jährige von der Teilnahme am Prozess vor dem Strafgericht dispensiert worden war, bestritt der 70-Jährige eine bandenmässige Mittäterschaft.

«Ich war schon dabei, habe aber nie etwas gestohlen.» Auch den unrechtmässigen Bezug von Leistungen der Sozialversicherung bestritt er. Sein Anwalt plädierte auf eine bedingte Geldstrafe. Das Strafgericht beurteilte das Vorgehen der beiden nicht als bandenmässig. Es verurteilte den Jüngeren wegen mehrfachen Diebstahls zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren. Zudem wurde ihm eine Landesverweisung von fünf Jahren auferlegt. Der 70-Jährige wurde wegen Gehilfenschaft zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten bei einer Probezeit von fünf Jahren verurteilt.

Eine Mittäterschaft könne ihm wegen seiner untergeordneten Stellung nicht rechtsgenüglich nachweisen werden. Auch die Vorwürfe für einen unrechtmässigen Sozialhilfebezug liessen sich nicht erhärten. Als «leichte Fälle» seien diese zudem zum Teil verjährt. Weil der Beschuldigte seit über 40 Jahren ununterbrochen in der Schweiz lebe und hier Familie habe, wurde auf die Verhängung einer fakultativen Landesverweisung verzichtet. Beiden Beschuldigten wurden die Verfahrenskosten von je rund 23'000 Franken auferlegt.