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Betreuer schändet fünf Behinderte im Kanton Schwyz

Das Kriminalgericht hat einen ehemaligen Betreuer einer Wohngruppe der BSZ-Stiftung wegen mehrerer Sexualdelikte verurteilt. Er erhält eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren und ein zehnjähriges Berufsverbot.
Nadine Annen

Über einen Zeitraum von rund drei Jahren hat ein Betreuer Bewohner einer betreuten Wohngemeinschaft mehrfach ver­anlasst, sexuelle Handlungen ­vorzunehmen beziehungsweise diese zu dulden. Gemäss Anklageschrift reichten diese Handlungen von Anfassen der Geschlechtsteile über Oralverkehr bis hin zu analer Penetration. Wie Recherchen des «Boten der Urschweiz» ergaben und mehrere Quellen bestätigten, passierten diese Vorfälle in einer Wohngruppe der BSZ-Stiftung in Einsiedeln. «Wir hatten Kenntnis davon, dass gegen eine Person, die bei der BSZ-Stiftung tätig war, strafrechtlich ermittelt ­wurde. Die BSZ-Stiftung selber war nie Partei im Verfahren», schreibt die Stiftung auf Anfrage in einer Stellungnahme.

Anfang Februar stand der Beschuldigte vor dem Schwyzer Strafgericht und wurde von diesem wegen mehrfacher sexueller Nötigung und mehrfacher Schändung schuldig gesprochen. Betroffen von den Übergriffen waren fünf Personen im Zeitraum von März 2012 bis Mai 2015. Ebenfalls verurteilt wurde der Betreuer, weil er Gespräche der Teilnehmer ohne deren Wissen aufgenommen hat. Die Verhandlung fand zum Schutz der Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nun liegt das Urteil aber öffentlich vor.

Genugtuung zwischen 2000 und 7000 Franken

Der Beschuldigte wird mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 7 Jahren und einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 100 Franken bestraft. Dabei werden ihm 382 Tage angerechnet. Einige davon hat er in Untersuchungshaft verbracht, die anderen werden ihm angerechnet für diverse Ersatzmassnahmen der letzten Jahre wie das regelmässige Melden auf dem Polizeiposten und das Ausreiseverbot, wie die Gerichtsvizepräsidentin Sandra Rieder auf Anfrage ausführte. Des Weiteren sprach das Schwyzer Strafgericht ein Tätigkeitsverbot für die Dauer von 10 Jahren aus. Dieses würde nach der Freilassung aus der Haftstrafe zu laufen beginnen und gilt für die ganze Schweiz.

Auch Genugtuungen für die Opfer zwischen 2000 und 7000 Franken sowie die Übernahme der Gerichtskosten von 300000 Franken sind Bestandteil des Urteils. Dieses ist aber noch nicht rechtskräftig: «Der Beschuldigte hat bereits Berufung angemeldet», bestätigt Rieder. Damit wird der Fall weitergezogen und muss vom Kantonsgericht beurteilt werden.

Der Beschuldigte hatte vor Gericht zugegeben, mit einem der Opfer fünfmal Oralverkehr gehabt zu haben. Dies sei aber einvernehmlich geschehen. Weitere sexuelle Handlungen mit dieser oder anderen Personen bestritt er hingegen. Dass sexuelle Handlungen zwischen dem Beschuldigten und einem der Opfer im gegenseitigen Einverständnis erfolgt sein sollen, schliesst das Gericht allerdings aus, wie dem Urteil zu entnehmen ist.

Gericht befindet Aussagen der Opfer als glaubhaft

Es gelangte hingegen zum Schluss, dass die Aussagen der Opfer grundsätzlich glaubhaft seien, weshalb er hinsichtlich des Hauptvorwurfs der mehrfachen sexuellen Nötigung und der mehrfachen Schändung im Wesentlichen schuldig gesprochen wurde. Für das Gericht ist klar, dass sich zwei Personen aufgrund ihrer Beeinträchtigung (mehrfach) nicht gegen den Beschuldigten zur Wehr setzen konnten. Drei weitere Personen hätten ihm gegenüber zwar jeweils gesagt, dass sie die sexuellen Handlungen nicht möchten. Der Beschuldigte habe sich aber mehrfach darüber hinweggesetzt. Aus Angst hätten sich die Betroffenen nicht gewehrt, «zumal ihnen teilweise entsprechende Konsequenzen angedroht wurden», schreibt das Gericht in der Urteilsbegründung.

Die BSZ-Stiftung gibt zu den Vorfällen nicht weiter Auskunft. Auch die Fragen, wie es dazu kommen konnte und was nach Bekanntwerden der Vorfälle unternommen wurde, beantwortet sie nicht – zum Schutz der ­Betroffenen und auf deren ausdrücklichen Wunsch, wie die ­Stiftung festhält. In der Stellungnahme betont sie aber: «Wir setzen alles daran, Missbrauch und Gewalt in jeder Form zu verhindern, und setzen alle Grundsätze zur Prävention von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und anderen Grenzverletzungen gemäss der Charta Prävention um.» Die Verantwortlichen versichern, dass die in der Charta (siehe Box) beschriebenen Anforderungen seit deren Inkraftsetzung vollumfänglich erfüllt werden.

An sechs Standorten im Kanton Schwyz bietet die BSZ-Stiftung Menschen mit einer Beeinträchtigung die Möglichkeit einer Ausbildung, in einer Wohngemeinschaft zu leben oder regelmässig einer Arbeit nachzugehen. Sie beschäftigt nach eigenen Angaben über tausend Personen (Stand: 31. Dezember 2017), davon etwas mehr als die Hälfte mit einer Behinderung. Damit ist die BSZ-Stiftung der drittgrösste Arbeitgeber im Kanton Schwyz.

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