«Der ewige Olympiasieger» – Bernhard Russi stellt sein neues Buch vor

Auf seinen 70. Geburtstag hin erscheint ein packendes Buch über Bernhard Russi mit dem treffenden Titel "Der ewige Olympiasieger".

(sda/paf)
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Ski-Legende Bernhard Russi bei der Buchvernissage in Zürich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ski-Legende Bernhard Russi bei der Buchvernissage in Zürich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Thomas Renggli hat das reich bebilderte, in die Tiefe gehende Werk verfasst. Als Russi mit dem Olympiasieg 1972 in der Abfahrt von Sapporo seinen grössten Erfolg errang, war der Autor noch nicht geboren. "Aber in unserer Familie waren die Spiele von Sapporo stets ein wichtiges Thema", sagt Thomas Renggli dazu. Er ist der ältere Sohn des verstorbenen legendären Radioreporters Sepp Renggli, der 1972 aus Sapporo berichtete.

Die Spurensuche nach "dem wohl populärsten Schweizer Sportler der Neuzeit" führte u.a. zu prominenten Weggefährten wie Adolf Ogi, Franz Klammer, Karl Schranz, Walter Tresch und Roland Collombin.

Der Titel "Der ewige Olympiasieger" ist, dem lockeren Stil des Autors entsprechend, ebenso ernsthaft wie ironisch gemeint. Dass ein Olympiasieg für die Ewigkeit gedacht ist, weiss Renggli natürlich. Ein Olympiasieger ist und bleibt Olympiasieger, es gibt Ex-Weltmeister, aber keine Ex-Olympiasieger. Doch der Buchtitel weist auf etwas anderes hin – darauf, dass Bernhard Russi seit seinem olympischen Goldmedaillengewinn vor 46 Jahren eine der bekanntesten Schweizer Persönlichkeiten und eigentlich gar nie aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist.

Werbebotschafter, Fernsehkommentator, Zeitungskolumnist, Verwaltungsrat, Golfclub-Präsident, Pistendesigner, Gipfelstürmer: Was Bernhard Russi angefasst hat, sei zu Gold geworden – wie einst in Sapporo, so die Bilanz der zahlreichen Tätigkeiten des Andermatters. Umso erstaunlicher, stellt Renggli fest, dass es bisher erst ein einziges biografisches Buch über Russi gegeben hat, eines aus der Feder des bekannten TV-Reporters Karl Erb im Jahr 1970, zwei Jahre später aktualisiert.

Bernhard Russi, ewiger Sonnyboy, erfuhr auch Kritik in der Öffentlichkeit ("Hang zur Selbstvermarktung" etc.). Und er hatte eine ganze Reihe schwerer Schicksalsschläge zu verkraften. "Die Kehrseite der Medaille* heisst das aktuellste Kapitel in seiner Biografie mit dem 2017 vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlten Dokumentarfilm, in dem Russi zu Beginn sagt: "Mein Vater ist gestorben, als ich ihn am meisten gebraucht hätte. Meine erste Frau kam in einer Lawine ums Leben. Meine kleine Schwester ist seit frühester Kindheit schwerstbehindert. Ein Bruder starb völlig unerwartet innert Stunden an einer Infektion. Mein anderer Bruder war ein riesiges Skitalent, hat aber seinen Weg im Leben nie richtig gefunden. Ich bin Bernhard Russi. Man sagt, ich sei ein Sonnyboy."

Der Mann, der bis dahin mit spielerischer Leichtigkeit durchs Leben zu tänzeln schien, zeigte vergangenes Jahr unvermittelt und überraschend eine andere Seite, wie sie selbst enge Wegbegleiter und langjährige Freunde nicht im Detail kannten. Autor Renggli stellte Russi die Frage, warum ausgerechnet jetzt, mit 69 Jahren diese Lebensbeichte kam, dieses Outing. Russi antwortete mit selbstanalytischer Nüchternheit.