Die inoffizielle Umtaufe der Herrengasse in «Frauengasse» löst online Kontroversen aus

Frauen sind im öffentlichen Raum untervertreten. Deshalb plant das Frauenstreik-Komitee des Kantons Schwyz die Umbenennung von Strassen, Plätzen und Gebäuden. Die vorgesehenen Massnahmen sorgten für einige Reaktionen in den Kommentarspalten unserer Zeitung.

Pascal Studer
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Die Herrengasse soll bald Frauengasse heissen – zumindest temporär und inoffiziell.

Die Herrengasse soll bald Frauengasse heissen – zumindest temporär und inoffiziell.

Die Forderung nach gendergerechter Sprache – sie wird lauter und lauter. Anders sind die gewaltigen Reaktionen nicht zu erklären, welche ein Artikel der Luzerner Zeitung in den Sozialen Medien ausgelöst hat. Der Zankapfel: Am 14. Mai, also einen Monat vor dem nationalen Frauenstreik, forderte das Frauenstreik-Komitee des Kantons Schwyz, männliche Strassennamen – zumindest temporär und inoffiziell – durch weibliche zu ersetzen. So soll etwa die Herrengasse in Schwyz zur Frauengasse werden. Désirée Schibig vom Komitee Frauenstreik sagte gegenüber dem Boten der Urschweiz dazu folgendes:

«Wir wollen damit auf originelle Art und Weise aufzeigen und hinterfragen, warum überwiegend Männern die Ehre zukommt, dass Plätze, Strassen und Gebäude nach ihnen benannt wurden.»

Dabei sollen nicht nur in Schwyz Umtaufungen stattfinden. Auch in den Gemeinden Freienbach, Lachen und Sattel seien Aktionen geplant, um die linguistische Untervertretung der Frau im öffentlichen Raum zu signalisieren. Die Schützenstrasse wird entsprechend zur Schützinnenstrasse, die St. Martinstrasse zur St. Martinastrasse und die Landammanstrasse in Gersau zur Frau Landammanstrasse.

Frauen kritisieren Aktion

Der Vorschlag des Streikkomitees bewegt auch unsere Leserschaft, wobei sich die Polarisierung in Grenzen hält. Der Tenor zielt in eine deutliche Richtung: Die Aktion wird nicht goutiert. Vielmehr würde sie ein Problem zu fest dramatisieren.

Die Debatte schliesst nahtlos an den gesellschaftlichen Diskurs an, welcher mit der #metoo-Bewegung in Gang gesetzt wurde und durch welchen der geschlechterspezifische Graben akzentuiert wurde. Doch in diesem Fall scheinen sowohl Frau als auch Mann nicht angetan von der Sensibilisierungsaktion des Streikkomitees.

Roman sieht seine Felle davonschwimmen

Die Kommentierenden des Artikels betonen ausserdem, dass durch die geplanten Umbenennungen nun Männer diskriminiert würden:

Dabei liest sich die Kommentarspalte durchaus kreativ. Wie man denn die Problematik rund um das Fraumünster angehe? Und müssen die Romans dieser Welt bald ihre Namensrechte der Ortschaft Romanshorn an die Romanas abtreten? Besonders kontrovers wird indes über Frauenfeld diskutiert:

Klar ist: Gendersprache bewegt, und damit auch die Debatte, ob durch verkrustete Sprachgewohnheiten gesellschaftliche Strukturen reproduziert oder ob schlicht Probleme gemacht würden, wo keine sind. Unabhängig davon gibt sich die Leserschaft durchaus lösungsorientiert. So entsinnen sie sich über mögliche neue Namen für die Herrengasse: Trudistrasse, Frauenrechtlerinnengasse oder Damengasse werden als mögliche Namen genannt. Man darf gespannt sein, für welchen sich das Frauenstreik-Komitee schliesslich entscheidet.