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Die Schwyzer Bergluft tut den Chriesi gut

Oberhalb des Chatzenstricks wachsen Chriesi auf einer Höhe von 1050 Metern über Meer. Und das ist noch nicht einmal der Rekordwert im Kanton. Klare Vorteile gibt es für die alten Sorten.
Carlo Schuler
Gartenbauer Andreas Kälin und Landwirt Andreas Beeler beim Kirschenpflücken in Gross. (Bild: Roger Grütter (Einsiedeln, 21. Juli 2018))

Gartenbauer Andreas Kälin und Landwirt Andreas Beeler beim Kirschenpflücken in Gross. (Bild: Roger Grütter (Einsiedeln, 21. Juli 2018))

Dort oben, auf dem Hof Günzli bei Einsiedeln, muss gut Kirschen essen sein: Der Panoramablick geht über die Ebene von Rothenthurm bis weit ins Züribiet und die Ostschweiz. Auf dem Hofe seines Bruders schaut hier Andreas Beeler zu 26 Obstbäumen. Davon sind deren 15 Kirschbäume. 1050 Meter über Meer liegt das Günzli. So hoch werden in Einsiedeln sonst nirgends Kirschen kultiviert.

Weiter unten, in der Ebene von Altmatt oder hinten bei Biberegg, kämen die Chriesibäume viel schlechter auf als bei ihnen oben, weiss Beeler. «Im Herbst und im Frühling bleiben dort der Nebel und der Bodenfrost jeweils viel länger liegen.» Letzte Woche hat er auf dem Günzli die letzten Kirschen geerntet. Besonders die Mischtler-Chriesi, eine alte Sorte, hätten dieses Jahr extrem gut – «chäibe guet» – geschmeckt. «Das hat auch mit der Höhe zu tun. Die Kirschen hier oben wachsen langsamer und können so ein besseres Aroma entwickeln.» Dieser Effekt sei aber sortenabhängig. Deshalb versucht Andreas Beeler das Mischtler-Chriesi zu «zwyhen». Er nimmt also im Winter jeweils ein Reisig von seinem rund 60 Jahre alten Mischtler-Baum und pfropft es dann im Frühling auf einen wild wachsenden Kirschbaum auf.

«Das Wissen ist verloren gegangen»

Ein Hagelschlag hatte 2011 mehrere Kirschbäume der Beelers zerstört, deshalb hat Andreas Bee­ler in den letzten Jahren verschiedene neue Bäume gepflanzt. Er erinnert sich, dass sie früher, als sie noch mehr Bäume hatten und es in Einsiedeln noch eine ganze Anzahl kleiner Läden gab, die Kirschen im Dorf verkauften. Heute dienen die Chriesi noch zum Eigengebrauch.

Gartenbauer Andreas Kälin kennt sich im Anbau von Obstbäumen in erhöhten Lagen aus. Zu Hause in Gross bei Einsiedeln hat er selber Kirschbäume auf seiner Liegenschaft stehen. Anders als heute hätten früher eigentlich fast alle Bauern in Einsiedeln Kirschbäume gehabt, wenn es nur irgendwie gegangen sei. Vor etwa 30 bis 40 Jahren hätten zum Beispiel die Bauern unterhalb des Chatzenstricks noch sehr viele Kirschbäume gehabt. «Wir sind viel mit unserem Vater dort Kirschen pflücken gegangen.» Diese Bäume wurden aber ebenfalls vom Unwetter von 2011 in Mitleidenschaft gezogen. Heute hat es dort noch etwa zehn Chriesi-Bäume.

Auf der anderen Seite des Sihlsees, auf dem Biohof Brandegg, hat Bauer Daniel Kälin vor einigen Jahren rund 50 Bäume mit alten Sorten gepflanzt. Die Bäume seien noch jung, eine grössere Ernte sei im Moment deshalb noch nicht möglich, erklärt er.

Temperaturschwankungen härten die Chriesi ab

Bis vor 60 Jahren und früher sei der Obstanbau in der Region Einsiedeln noch verbreitet gewesen, sagt der Fachmann Andreas Kälin. «Durch die starke Subventionierung der Milch- und der Fleischproduktion sowie durch die Mechanisierung verschwanden aber die Obstbäume.» Den Obstbäumen mache die Bodenverdichtung durch die schweren Maschinen, der Viehtritt und die massive Güllenwirtschaft zu schaffen. «Leider ist der Obstanbau zu Erwerbszwecken bei uns nicht rentabel, und auch das entsprechende Wissen ist verloren gegangen.» Für viele Bauern seien die Obstbäume nur noch ein «Hindernis». Dabei sehe man gerade bei den Kirschen, dass höhere und mittlere Lagen für den Obstanbau und die Qualität der Früchte eigentlich gut geeignet wären: «Durch die grösseren Temperaturschwankungen und das rauere Klima werden die Früchte viel aromatischer.» Die modernen Sorten allerdings hätten auf dieser Höhenlage oftmals Mühe: «Sie platzen und faulen oft.» Die alten, kleinfruchtigen Arten hingegen seien viel robuster und klar besser im Geschmack. Gar noch intensiver im Aroma seien die Wildkirschen.

Chriesi sind früher reif - wegen der Klimaerwärmung

Im inneren Kantonsteil gibt es ein Anwesen, auf dem sogar noch etwas weiter oben Kirschen kultiviert werden als in Einsiedeln. Oberhalb von Schwyz, im Gebiet Engelstockweid, gibt es Kirschbäume auf einer Höhe von 1150 Metern über Meer. Das ist ausserordentlich. Auf der anderen Seite der Steineraa, am Rossberg, auf dem Gebiet Sattel und Steinerberg, wachsen die Chriesi-Bäume jedenfalls «nur» bis auf einer Höhe von 800 bis 850 Metern. Paul Holdener pflegt in der Engelstockweid 15 Bäume. Die ganze Gegend im Äusseren Haggen sei für den Kirschenanbau sehr gut geeignet, meint der Landwirt. Mit dem Ablesen der ersten Früchte hat er schon begonnen; der Hauptteil der Ernte wird nächste Woche erfolgen. Er erwartet dieses Jahr eine sehr gute Ernte. In den letzten paar Jahren seien die Früchte immer ungefähr Mitte Juli reif geworden. Früher sei das noch ganz anders gewesen. «Da haben wir da oben jeweils so ungefähr um den 10. August herum die Chriesi abgelesen.»

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