Dieser Muotathaler druckt seine Instrumente aus

Heinz Brandenberger ist ein Tüftler. Sein neuestes Produkt sind zwei Büchel aus dem 3D-Drucker. Auch wenn sie akustisch mit dem Original noch nicht ganz mithalten können, haben sie dennoch ungeahnte Vorteile.

Sandra Bürgler
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Heinz Brandenberger mit seinen 3D-Bücheln. Bild: Sandra Bürgler.

Heinz Brandenberger mit seinen 3D-Bücheln. Bild: Sandra Bürgler.

Am Anfang waren ein Einfall und ein Mundstück. Mittlerweile hat Heinz Brandenberger zwei Büchel mit dem 3D-Drucker produziert. «Ich war sehr überrascht von dem Ergebnis», sagt er. Er hätte nicht gedacht, dass der Klang so gut sein würde. «Ein Holzbüchel klingt vielleicht etwas wärmer.»

Der Unterschied sei aber nicht sehr gross. Bei einem Büchelkurs in Muotathal wurde er auf das Ins­trument aufmerksam. Seitdem hat er sich viel damit beschäftigt und vor kurzem sogar selbst ­einen Büchelkurs geleitet. «Damals haben wir lange über das Mundstück diskutiert», erzählt Brandenberger.

Gedruckt, schneller verpackt

Denn es gibt kein universelles, welches für jede Person passt. Daraufhin sei ihm die Idee gekommen, mit dem 3D-Drucker verschiedene Mundstücke zu produzieren. Die gedruckte Version des Büchels bringt einige Vorteile mit sich.

«Da die Dimension des Druckers nicht so gross ist, musste ich den Büchel in viele Einzelteile zerlegen.»

Das sei sehr praktisch, wenn man das Instrument mitnehmen wolle. «Der Holzbüchel ist mit seinen langen Rohren relativ umständlich, wenn man ihn zum Beispiel auf eine Wanderung mitnehmen möchte.» Zudem könne das Instrument mehrmals gedruckt werden. Das Ergebnis ist dabei immer das gleiche, die Wanddicke immer regelmässig.

«Bei einem handgemachten Büchel aus Holz ist das nicht immer gewährleistet, da das Naturmaterial immer eine etwas andere Beschaffenheit hat», erklärt Bran­denberger.

Eine Schwierigkeit bei der Herstellung sei das Stimmen gewesen. Denn die Rohrlänge bestimmt, auf welcher Tonlage der Büchel gestimmt ist. «Der kleine Büchel stimmt relativ gut, beim grossen stimmen die unteren Töne noch nicht ganz», sagt Brandenberger.

24 Stunden drucken, 24 Stunden kühlen

Als nächstes möchte er das noch verbessern und zudem die Konstruktion noch etwas anpassen. Diese sei beim grossen Instrument noch nicht ideal. Für die Verwirklichung seiner Ideen benutzt Heinz Brandenberger einen Drucker des Ibächler Messerherstellers Victorinox:

«Das Druckverfahren heisst SLS. Dabei wird Kunststoffpulver verhärtet.»

Die Vorlagen hat er selbst gezeichnet. «24 Stunden dauert es, bis der Druck fertig ist.» Danach müsse er den Büchel nochmals für 24 Stunden abkühlen. Jetzt fehlt nur noch der farbige Lack Mit seiner Variante des Instruments möchte Heinz Brandenberger aber nicht den Holzbüchel imitieren. «Man soll sehen, dass er anders ist.»

Jetzt fehlt nur noch der Lack

Deshalb möchte er das Instrument in Zukunft farbig lackieren. Viel günstiger als ein Holzbüchel sei die Kunststoffversion nicht. Für Heinz Brandenberger ist das aber nicht relevant. Für ihn stand das Experimentieren und Ausprobieren im Vordergrund. Fertig ist er aber noch lange nicht:

«Man könnte mit dem 3D-Drucker endlos neue Dinge ausprobieren.»

Das Experiment ist geglückt: Mit seinen zwei Bücheln kann Heinz Brandenberger einige «Gsätzli» spielen.