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Geht der Geschichte auf den Grund: Kanton zeichnet Schwyzer Historiker aus

Der Historiker Werner Röllin deckte Irrtümer bei Bräuchen auf und zog einst Parallelen zwischen Fussballspielen und katholischen Messen. Nun hat ihn der Regierungsrat mit dem Schwyzer Anerkennungspreis ausgezeichnet.
Stephanie Zemp
Werner Röllin (PD)

Werner Röllin (PD)

Zwei Wochen vor der Preisverleihung habe ihn Regierungsrat Michael Stäheli zum Kaffee eingeladen, erzählt Werner Röllin. Zum Schluss habe er ihn gefragt, ob er den Schwyzer Kultur-Anerkennungspreis annehmen wolle, für den er von der Kulturkommission und dem Regierungsrat einstimmig vorgeschlagen wurde. Röllin musste nicht lange überlegen: «Ich habe ihn gerne und dankbar angenommen», sagt er. Mit dieser Auszeichnung wird der 81-jährige Wollerauer für sein Schaffen als Historiker und Kulturvermittler geehrt.

Besonders intensiv befasste sich Röllin mit dem Brauchtum in der Innerschweiz. 1978 hat er einen umfassenden Aufsatz geschrieben, in dem er den Ursprung aller Schwyzer Masken zurückverfolgte. Dabei konnte er nachweisen, dass diese keineswegs – wie oft angenommen – heidnischen Bräuchen entstammen: «Die älteste Maske ist etwa 250 Jahre alt», erklärt Röllin. Die Fratzen entstanden also lange nach der Christianisierung. Die Schwyzer Fasnachtsfiguren sind sogar noch jünger, wie Röllin in aufwendiger Forschung herausfand. Dafür hat Werner Röllin unzählige alte Zeitungen durchstöbert:

«Früher dokumentierten die Behörden die Fasnacht nur, wenn es eine Straftat gab»

Die Zeitungen hingegen hätten ab Anfang des 19. Jahrhunderts rege über das fasnächtliche Treiben berichtet. Deshalb habe er Printmedien als Primärquellen genutzt. «Ich war der erste Schweizer, der dies tat», fügt er hinzu.

Aktiv die Entwicklung von Brauchtümern beobachtet

Röllin beschränkte sich jedoch nicht auf die Quellenforschung. Oft war er selbst zugegen, wenn die Brauchtum stattfand. So beispielsweise am Chlausjagen in Küssnacht oder an der Gansabhauete in Sursee, die er in den 1960er-Jahren das erste Mal besuchte und dann vier Jahrzehnte später wieder. Sein Fazit: «Die Bräuche waren noch sehr ähnlich, die Anzahl der Zuschauer und Akteure hat sich jedoch vervielfacht». Er schliesst aus diesem Wachstum, dass die Menschen im Urtümlichen, in gewisser Weise, einen Gegenpol zur Digitalisierung suchen. «Ein Brauch muss Altes verkörpern, dann wird ihm Wert beigemessen», so der Historiker. Das sehe man auch daran, dass sich neuere Bräuche wie Halloween kaum halten könnten. Seine Erkenntnisse zu den Veränderungen im Brauchtum hat Röllin im Buch «Umbruch im Brauchleben» der Albert Koechlin Stiftung veröffentlicht. Dreissig Seiten darin sind der Theorie gewidmet: «Brauchtumsforschung muss wissenschaftlich sein».

Als Volkskundler und Uni-Dozent interessierte sich Röllin auch für die nonverbale Kommunikation bei Fussballspielen. Er sieht darin Parallelen zu katholischen Messen. Er nennt ein Beispiel. «Die Fussballer heben den Siegerpokal ähnlich wie der Priester den Kelch vor der Heiligen Wandlung», so der Wollerauer. Auch das feierliche Singen der Hymne könne mit dem Lobgesang auf Christus im Gottesdienst verglichen werden. Heute konzentriert sich der zweifache Grossvater vermehrt auf das Vermitteln seiner Erkenntnisse als auf die Forschung. Er hat fast 12 000 Seiten historisches Material aus dem Bezirksarchiv Höfe transkribiert. Diese gibt er gerne an den Nachwuchs weiter: Aktuell habe er einer Studentin für deren Masterarbeit Transkriptionen zu den öffentlichen Körperstrafen im Bezirk Höfe zur Verfügung gestellt.

Seine einzige Bedingung: Die Resultate müssen publiziert werden. Aufklärung ist ihm wichtig: «Heute regen wir uns über Auspeitschungen in fernen Ländern auf», so Röllin. «Aber vor weniger als 200 Jahren ist dies bei uns genauso gewesen».

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