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Weil der Ex angeblich Geld mit seiner Geliebten verschleuderte: Frau lässt Familienkonto sperren

Als ihr Mann sie verlassen hat, liess eine Ehefrau das gemeinsame Konto sperren. Er habe mit seiner Geliebten Luxusferien von dem Geld gemacht, argumentierte sie. Dass der Ex ihr im Gegenzug eine teure Schönheits-OP spendierte, unterschlug sie.
Lena Berger
Das Kantonsgericht entschied, dass der Mann künftig wieder auf das gemeinsame Konto zugreifen darf. (Sigi Tischler/Keystone (Schwyz, 28. Januar 2012))

Das Kantonsgericht entschied, dass der Mann künftig wieder auf das gemeinsame Konto zugreifen darf. (Sigi Tischler/Keystone (Schwyz, 28. Januar 2012))

Die Geschichte klingt wie eine Folge aus der US-Serie «Reich und Schön»: Ein Mann lebt in Saus und Braus. Er hat einen gut bezahlten Job bei einer Bank, mehr als 30 000 Franken stehen ihm monatlich zur Verfügung – die er zusammen mit seiner Frau für seinen gehobenen Lebensunterhalt ausgibt. Irgendwann jedoch wird ihm seine Leidenschaft für Geld zum Verhängnis. Die Steuerbehörde wird auf ihn aufmerksam. Innerhalb weniger Monate verliert er alles. Zuerst einen Prozess wegen Steuerhinterziehung und daraufhin seinen Job.

Die Bank, für die er gearbeitet hat, verliert das Vertrauen in ihren Mitarbeiter, als dessen Lohn plötzlich gepfändet wird, weil er die Steuerschulden nicht zurückzahlen kann. Denn: Gespart hatte der Mann nichts. Warum auch? Er wird per sofort freigestellt. Gegen Ende der Kündigungsfrist meldet er sich krank. Mehrere Monate muss die Krankentaggeldversicherung den Lebensstil des Mannes finanzieren. Mit 25 600 Franken pro Monat. Als vorauszusehen ist, dass der Umfang dieser Zahlungen in absehbarer Zeit abnehmen wird, muss ein Plan B her.

Die Chancen, dass der Mann erneut bei einer Bank oder allgemein in der Finanzbranche eine Anstellung findet, sind verschwindend klein. Also beschliesst er, sich selbstständig zu machen. Er will Beratungen und Vermittlungen von Investitionen diverser Anlageklassen anbieten – und lässt sich deshalb sein Pensionskassenguthaben auszahlen.

Seine Frau ist damit einverstanden. Ihr Anteil an dem Pensionskassenguthaben wird auf ihr persönliches Konto überwiesen. Sein Anteil jedoch bleibt auf dem gemeinsamen Konto – ein fataler Fehler, wie sich später zeigen wird.

Teure Geschenke an die neue Freundin

Das Paar hatte sich nämlich einige Monate davor getrennt. Der Mann zahlt seiner Ex die Miete, die Krankenkassenprämien plus einen Unterhalt von 3200 Franken pro Monat. Als er aber sich und seiner neuen Freundin für 16 000 Franken einen 14-tägigen Urlaub in Japan und auf den Philippinen gönnt, die Geliebte für 2000 Franken auf einen Kurztrip nach München einlädt und ihr auch noch Luxusartikel im Wert von 5000 Franken zum Geschenk macht, platzt der Ex der Kragen. Sie wendet sich ans Gericht und verlangt, dass das Konto über eine superprovisorische Verfügung gesperrt wird. Dies sei zur Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der Familie dringend erforderlich. Die beiden haben ein gemeinsames Kind und die Frau verfügt über kein Erwerbseinkommen, weil sie nicht arbeitet.

Dem zuständigen Einzelrichter legt der Mann seine aktuellen Einkommensverhältnisse nicht offen. Insbesondere gibt er nicht an, ob er bereits Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit erzielt. Der Mann sagt nur, er plane, Immobiliengeschäfte in Rumänien zu betreiben. Das lässt den Richter vermuten, dass er dafür wohl durchaus auf finanzielle Mittel angewiesen wäre. Und weil nicht geklärt ist, ob das Geld auf dem Konto tatsächlich in vollem Umfang dem Mann zusteht, lässt der Richter dieses einfrieren.

Jetzt wird es für den Betroffenen plötzlich eng. Sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen, wird ihm ohne Zugriff auf seinen Anteil der Pensionskassengelder verunmöglicht. Seine einzige Chance besteht darin, sich vor dem Kantonsgericht gegen die Kontosperrung zu wehren.

Das hohe Einkommen wurde stets verprasst

Dem Gericht gegenüber muss er nun seine finanzielle Situation offenlegen, um an das gesperrte Geld heranzukommen. Es stellt sich heraus, dass die Eheleute stets sämtliches Einkommen – rund 400 000 Franken jährlich – für ihren Lebensunterhalt verbraucht haben. Vermögen haben sie keines, dafür rund 200 000 Franken Schulden. Und auch, als der Mann bereits gekündigt war, lebte man auf grossem Fuss weiter. Er leistete sich besagten Urlaub, sie hingegen unterzog sich für 16 000 Franken einer Schönheitsoperation, für welche der Ex aufkam. Vor diesem Hintergrund könne nicht davon gesprochen werden, dass nur der Mann übermässige Bankbezüge vorgenommen habe, befindet das Gericht. Auch seine Schenkungen an die neue Freundin seien in Anbetracht der damals monatlich ausbezahlten Taggelder von 25 000 Franken nicht von «verschwenderischer Art» gewesen.

Peinlich genau muss der Mann nun vorrechnen, dass und wie viel Geld er wofür braucht. Schliesslich hebt das Kantonsgericht die Sperre auf. Er kann jetzt wieder darauf zugreifen, um sein Geschäft aufzubauen.

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