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Historikerin forscht über Schwyzer Nonnen - und staunt über deren Reisefreudigkeit

Das Heimweh einer jungen Klosterfrau im 17. Jahrhundert hat die Historikerin Martina Kälin-Gisler dazu veranlasst, über Schwyzer Nonnen zu forschen. Die erste umfassende Recherche zu diesem Thema brachte Erstaunliches zum Vorschein.
Stephanie Zemp
Das Muotathaler Frauenkloster mit einem Poststempel vom 9.5.1927. (Bild: PD, ETH Bibliothek Zürich)

Das Muotathaler Frauenkloster mit einem Poststempel vom 9.5.1927. (Bild: PD, ETH Bibliothek Zürich)

Was veranlasste Frauen früher dazu, ins Kloster zu gehen? Diese Frage stellte sich die Historikerin Martina Kälin-Gisler, als sie im Staatsarchiv Schwyz auf einen Brief aus dem Jahre 1651 stiess. «Liebe Grüsse an die herzallerliebste Mutter und die liebe Familie», schrieb eine junge Klosterfrau aus dem Kloster Muotathal an ihren Vater. «Sie hatte offensichtlich Heimweh», erklärt Martina Kälin-Gisler, die als wissenschaftliche Archivarin im Staatsarchivs Schwyz arbeitet.

Das Schicksal der jungen Klosterfrau liess die 47-Jährige nicht mehr los. Irgendwann begann sie zu recherchieren. Daraus ist eine umfassende historische Untersuchung geworden, die Kälin-Gisler dieses Wochenende im Bundesbriefmuseum in zwei Vorträgen präsentierte.

An eiserne Ketten gelegt

Ihr Ziel war es, mehr über Klosterfrauen aus dem heutigen Schwyzer Kantonsgebiet zu erfahren. Die Suche gestaltete sich nicht ganz einfach: Für die Zeit vor der Reformation (1519) fand die Brunnerin fast keine Quellen, und wenn, dann enthielten sie keine Angaben zur Herkunft der religiösen Schwestern. Und so begann Kälin-Gisler, eine eigene Schwesternliste zu erstellen für die Zeit von 1519 bis 1850. In aufwendiger Recherche hat sie genau 419 Belege für Schwyzer Klosterfrauen in ihrer Datenbank erfasst. «Oftmals fand ich nur das Sterbedatum, mit etwas Glück auch das Geburtsdatum dieser Frauen.»

Wenn die Frauen höhere Ämter in den Klöstern innehatten oder auf andere Art herausstachen, gewann sie manchmal auch mehr Informationen. Zum Beispiel zu Maria Magdalena Schiner. Die gebürtige Schwyzerin hat 1581 ihr Gelübde als Nonne abgelegt. Kälin-Gisler liegen Informationen vor, dass Schwester Maria Magdalena nach Eintritt ins Kloster Rathausen «ihrer Sinne beraubt», sprich psychisch erkrankt, war. «Laut dieser Quelle war sie über 40 Jahre an eiserne Ketten im Garten des Klosters gefesselt», berichtet Kälin-Gisler. Was aus heutiger Sicht schockierend klingt, ist für damalige Verhältnisse Ausdruck von Fürsorge: «Es zeigt, dass im Kloster für alle gesorgt wurde, auch über einen langen Zeitraum, das war in der damaligen Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit».

Das Einsiedler Frauenkloster mit einem Poststempel vom 1.6.1918. (Bild: PD, ETH Bibliothek Zürich)

Das Einsiedler Frauenkloster mit einem Poststempel vom 1.6.1918. (Bild: PD, ETH Bibliothek Zürich)

Die Klöster boten früher auch Ausbildung und Erziehung an. Einige Familien schickten ihre Töchter als sogenannte Kost- oder Tischtöchter für einige Monate oder gar Jahre in ein Kloster. Die jungen Frauen erhielten Unterricht im Schreiben, Lesen, Rechnen und Haushalten. Einige von ihnen blieben danach dort. «Die meisten waren zu diesem Zeitpunkt erst 16 bis 18 Jahre alt.» Dies liesse darauf schliessen, dass die meisten auf Wunsch der Familie ins Kloster eintraten. Sie habe nur wenige Beispiele von Frauen gefunden, die aus Berufung Nonne wurden. Für ihre Familien war eine Tochter im Kloster eine «Vorsorge für das Jenseits», weil jemand für sie betete, vermutet Kälin-Gisler.

Am meisten gestaunt hat die Historikerin über die ausgeprägte Reisefreudigkeit der damaligen Nonnen: «Sie gingen auf Bettelreisen, um Geld für den Klosterbau zu sammeln, fuhren zur Kur, besuchten Verwandte oder besichtigten ihre Ländereien.» Die Obrigkeit habe jedoch verstärkt Einfluss auf die Nonnen ausgeübt und sie immer mehr hinter die Klostermauern, gedrängt.

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