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Illegaler Handel? Waffenarsenal bei Logistikchef der Kantonspolizei Schwyz gefunden

Happige Vorwürfe an den Logistikchef der Kantonspolizei Schwyz. Er soll im Darknet im grossen Stil Schusswaffen verkauft haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Seinen Job ist er los. Das berichtet der Tages-Anzeiger.
Geri Holdener / Sandra Peter / SDA
Verdacht auf illegalen Handel mit Waffen und Munition im Internet bei der Schwyzer Kantonspolizei. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Verdacht auf illegalen Handel mit Waffen und Munition im Internet bei der Schwyzer Kantonspolizei. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Laut dem «Tagi» sei das Haus des Chefs Logistik in Einsiedeln im Februar durchsucht worden. Dabei habe die Bundeskriminalpolizei viele Waffen sichergestellt. Ein Fahrzeug habe zum Abtransport nicht gereicht, so der Tages-Anzeiger.

Im Zuge von internen Ermittlungen habe man Unregelmässigkeiten bei der Materialbeschaffung festgestellt und den Mann im April fristlos entlassen, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Schwyz und bestätigte die Meldung. Der ehemalige Logistik-Chef wurde wegen ungetreuer Amtsführung im Zusammenhang mit Munitionsbestellungen angezeigt.

Der Logistikchef sei für Beschaffungen aller Art zuständig gewesen – vom Hosenknopf bis zum Büropult, erklärte der Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur SDA weiter. Auch die Munitionseinkäufe und Waffenbeschaffung für die Kantonspolizei fielen in seine Zuständigkeiten. Bis jetzt habe man keine Kenntnis davon, dass auch Corpswaffen betroffen seien.

Bei Ermittlungen zu Münchner Amoklauf auf Schweizer gestossen

Auf die Schliche kam man dem Schwyzer Polizeimitarbeiter anscheinend im Zuge der Ermittlungen nach dem tödlichen Amoklauf in München vor zwei Jahren. Damals stiessen die Ermittler im Darknet auf ein Dealer-Duo, das massenhaft Schusswaffen angeboten hatte, von Pistolen bis hin zu einem Scharfschützengewehr. Ein Teil dieses Duos soll der Polizeimitarbeiter aus Einsiedeln gewesen sein.

Die Bundesanwaltschaft stehe in Kontakt mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden, die in diesem Zusammenhang ein Rechtshilfebegehren an die Schweiz gerichtet hatten. Laut dem Zeitungsbericht war der Beschuldigte in jenem Internet-Waffenforum aktiv, aus dem die Tatwaffe für den Amoklauf beim Münchner Olympia-Einkaufszentrum im Jahr 2016 stammt. Ein 18-jähriger Attentäter erschoss damals neun Menschen und sich selbst. Die Tatwaffe des Münchner Amoklaufes stamme gemäss Ermittlungsergebnissen jedoch nicht aus der Schweiz und sei nicht vom in der Schweiz Beschuldigten geliefert worden, hält die Bundesanwaltschaft fest.

Die Kantonspolizei Schwyz stellte ihren Mitarbeiter nach der Verhaftung durch die Bundeskriminalpolizei im Februar zunächst frei. Die Bundeskriminalpolizei hatte den Schweizer damals festgenommen wegen des Verdachts, an illegalem Waffen- und Munitionshandel im Internet beteiligt gewesen zu sein. Es fanden verschiedene Hausdurchsuchungen der Bundesanwaltschaft mit Unterstützung des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) sowie der Kantonspolizei Zürich statt. Später entliess die Kantonspolizei Schwyz ihren Logistikchef fristlos. Der Entlassene war weder teil des Polizeikorps noch in einer Kaderposition tätig. Seine Stelle sei inzwischen bereits wieder besetzt.

Das Verfahren gegen den früheren Logistikchef indessen läuft noch. Zuständig ist die Bundesanwaltschaft. Diese bestätigte auf Anfrage, dass der Beschuldigte mittlerweile wieder auf freiem Fuss sei. Es bestehe keine Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr. Gegen ihn sei ein Strafverfahren hängig wegen Waffenverkäufen, die er zusammen mit einem in Deutschland Beschuldigten begangen haben soll, und der Weitergabe von polizeiinternen Informationen. Konkret lauten die Vorwürfe: Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Begünstigung und Verletzung des Amtsgeheimnisses. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was nacheinander geschah*

  • 22. Juli 2016: Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum: Ein 18-jähriger Attentäter erschiesst neun Menschen und sich selbst.
  • Juli 2016 - August 2017: Die deutschen Ermittler untersuchen den Amoklauf und woher der Mann die Waffe bekam. Die Ermittlungen führen ins Darknet. Dabei stossen sie auf ein mutmassliches Waffenhändler-Duo und verdächtigen einen Schweizer, Bestandteil dessen zu sein.
  • Ende August 2017: Deutsche Ermittler kontaktieren die Schwyzer Strafverfolgerin Carla Contratto telefonisch und stellen ein Rechtshilfeersuchen in Aussicht.
  • Mitte November 2017: Deutsche Ermittler reisen in die Innerschweiz und überbringen das Rechtshilfeersuchen der Oberstaatsanwältin persönlich.
  • Ende November 2017: Die Oberstaatsanwältin schickt das Dossier nach Bern.
  • 22. Februar 2018: Die Bundesanwaltschaft führt mit Unterstützung des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) sowie der Kantonspolizei Zürich eine Razzia im Wohnhaus des Logistikchefs in Einsiedeln und in seinem Büro bei der Kantonspolizei Schwyz durch. Im Wohnhaus werden Waffen gefunden. Der Beschuldigte wird festgenommen und von der Kantonspolizei freigestellt.
  • 22. Februar bis 29. März 2018: Die Kantonspolizei Schwyz ermittelt im eigenen Haus.
  • 29. März 2018: Die Kantonspolizei Schwyz zeigt den Beschuldigten bei der Bundesanwaltschaft wegen Unregelmässigkeiten in der Munitionsbeschaffung an. Der Logistikchef wird daraufhin fristlos entlassen.
  • Ende März 2018: Der Bundesanwalt in Bern informiert die Geschäftsprüfungsdelegation.
  • Ende März 2018: Der Sicherheitsdirektor informiert im Schwyzer Kantonsrat das Subgremium der Staatswirtschaftskommission, das für die Polizei zuständig ist, über die Vorgänge.
  • 12. April 2018: Die kantonale Finanzkontrolle erhält den Auftrag, die Vorkommnisse zu prüfen.
  • April 2018: Die Stelle des Logistikchefs der Kantonspolizei Schwyz wird neu ausgeschrieben und der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen.

*gemäss Recherchen des Tages-Anzeigers.

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