Immensee-Missionare hielten Hinweise auf Gewalt unter dem Deckel

Mitglieder der Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) mit Sitz in Immensee SZ haben von 1950 bis 1965 in der Schweiz Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht.

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Das Missionshaus der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee.

Das Missionshaus der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee.

Bild: PD
(sda)

Hinweise darauf wurden unterdrückt. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den die SMB nach Hinweisen in Auftrag gegeben hatte.

Im untersuchten Zeitraum wirkten vier SMB-Mitglieder als Priester, die sich sexueller und/oder psychischer Gewalt an Kindern und Jugendlichen schuldig machten, wie die SMB am Dienstag mitteilte. Zwei von ihnen seien deswegen 1952 und 1954 verurteilt worden.

In zwei weiteren Fällen habe man konkrete Hinweise auf fehlbares Verhalten, sagte SMB-Generalökonom Patrice Riedo auf Anfrage. Zu diesem Schluss seien die zwei mit der Aufarbeitung betrauten Historikerinnen aufgrund ihrer Recherche gekommen.

Die Forscherinnen stützten sich dabei auf Akten aus dem SMB-Archiv, dem bischöflichen Archiv des Bistums Basel, den Staatsarchiven der Kantone Schwyz und Aargau, auf diverse gedruckte Quellen und Zeitschriften sowie auf vier systematisch geführte Interviews mit Zeitzeugen. Konkrete Hinweise auf Vergehen seien etwa in Aktennotizen erwähnt.

Eigener Ruf wichtiger

«Obwohl die Missionsgesellschaft in der Theorie sexuelle Handlungen mit Minderjährigen verurteilte, war für sie der eigene gute Ruf sowie das damit verbundene Schicksal der einzelnen Mitglieder massgebend - und nicht der Schutz der Opfer», halten die beiden Autorinnen fest. Es habe wohl einzelne Stimmen innerhalb und ausserhalb der SMB gegeben, die sich für die Kinder und Jugendlichen stark machten und ein härteres Durchgreifen forderten, doch vermochten sich diese kaum durchzusetzen.

Die vier Mitglieder seien mittlerweile verstorben, sagte Riedo. Sie seien teilweise trotz der Vergehen bei der SMB geblieben. Zu den beiden Verurteilungen sei es in der Innerschweiz gekommen. Es dürfte mehrere Opfer gegeben haben, nähere Angaben dazu konnte er keine machen.

Die SMB ist eine religiöse Gemeinschaft, die damals neben dem Gymnasium Immensee auch weitere Ausbildungsstätten in der ganzen Schweiz betrieb. Aus dem Gymnasium zogen sich die Missionare vor rund 17 Jahren zurück.

Betroffener meldete sich nach Bericht

Ins Rollen kam der Fall 2018, nachdem das Gymnasium Immensee einen Bericht vorlegte, den die Schule nach Vorwürfen zu Übergriffen in den 1990er-Jahren in Auftrag gegeben hatte. In diesem Zusammenhang hatte sich auch eine Person gemeldet, die von traumatisierenden Erfahrungen sprach, die sie vor rund 50 Jahren erlebt habe. Daraufhin wurde die SMB aktiv.

Bereits damals entschuldigte sie sich für das erlittene Leid. Übergriffe toleriere sie in keiner Weise, Personen, die von solchen betroffen waren, sind oder davon wissen, sollten sich an eine der Anlaufstellen wenden. Die SMB befolge die Richtlinien zur Prävention von sexuellen Übergriffen.

Die 1921 gegründete Missionsgesellschaft Apostolischen Lebens von Priestern und Brüdern fusst auf dem Institut Bethlehem von 1895. Ihre Mitglieder arbeiten am missionarischen Dienst der Kirche in Asien, Afrika, Lateinamerikas und Europa.