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Klausjagen in Küssnacht: Tanzende Kunstwerke und bebende Musik

Das Klausjagen in Küssnacht zog auch dieses Jahr rund 20000 Besucher an. Nicht nur Touristen freuten sich am Spektakel.

Alexander von Däniken
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Klausjäger ziehen mit ihren Iffelen durchs Dorf.
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Auch der Samichlaus zieht durchs Dorf.
Die Trychler jagen den Samichlaus mit Getöse durchs Dorf.
Das Klausjagen zeichnet sich jedes Jahr aufs Neue durch seine schönen Iffelen aus.
Das Anzünden der Kerze in den Iffelen erfordert viel Geschick.
Das Anzünden der Kerze in den Iffelen erfordert viel Geschick.
Geisslechlöpfer ziehen durch Küssnacht.
Traditionell bilden die Hornbläser den Abschluss des Umzugs.

Klausjäger ziehen mit ihren Iffelen durchs Dorf.

Manuela Jans-Koch (Küssnacht, 5. Dezember 2019)

Geisslechlöpfen gibt es vielerorts, Samichläuse auch. Das Klausjagen in Küssnacht ist mehr. Viel mehr. Auch am Donnerstagabend haben sich wieder rund 20000 Besucher im Rigidorf eingefunden, um Geisslechlöpfer, Iffelen, Samichlaus, Trychler, Musikanten und Hörner zu bestaunen. Ja, der Anlass ist besonders, strahlt eine mystische Erhabenheit aus. Alles läuft sehr geordnet ab, fast schon wie an der Basler Fasnacht. Das war das Versprechen der 1928 gegründeten St. Niklausengesellschaft. Denn Jahre zuvor liessen einzelne lärmige Klausjäger den uralten Brauch fast sterben. Pistolenschüsse und mit Steinen gefüllte Benzinkanister zogen Verbote nach sich.

Tempi passati: Heutzutage ist das Klausjagen so friedlich wie ein Schwingfest. Die grössten Ärgernisse sind Blitzlichter von Hobbyfotografen. Auch am Donnerstag störten Unverbesserliche die Stimmung.

Ausgeklügelte Choreografien

Abgesehen davon war der Anlass ein Spektakel. Schon nach 18 Uhr wärmten sich erste Besucher an den zahlreichen Ständen mit Bratwurst, Suppe, Punsch, Glühwein oder Kaffee Luz. Am Hauptplatz bildete sich die grösste Menschenansammlung.

Mehrere Gruppen von Geisslechlöpfern zeigten als Vorprogramm ihr Repertoire. Die Choreografien sind ausgeklügelt: Nach dem Start scheinen die Knaller ins Chaos zu kippen, ehe auf ein Kommando alle wieder in den gleichen Takt geraten – und die Darbietung nach fünf Knallern beenden. So mancher Zuschauer wich bei den imposanten Schafgeisseln automatisch nach hinten.

Der eigentliche Umzug startete um 20.15 Uhr mit dem Lichterlöschen. Die kleineren Chrüz­listreich-Geisseln machten den Anfang. Wie ein lautes Klatschen kündigten sie die über 200 Iffelen an. Diese tanzten mit einer Leichtigkeit durch die Gassen, obwohl manche Iffelen über zwei Meter lang waren. Das Kerzenlicht im Innern offenbarte wahre Kunstwerke.

Dreiklang als Ohrwurm

Auf das Lichtermeer der Iffelen folgte der Samichlaus mit Schmutzlis und Fackelträgern. Blechbläser stiessen den bekannten Dreiklang aus: Ta Ta Taaa, Tatatataa. Hunderte Trychler liessen schliesslich das Rigidorf erbeben, ehe die Hornbläser den Abschluss des imposanten Umzugs bildeten.

Den Zuschauern gefiel es, ob einheimisch oder Tourist. Auch wenn bei letzteren Fragen auftauchten, ob in den Iffelen LED leuchten oder ob den Trychlern die Beine schmerzen (natürlich nicht). Urs Marcon ist seit der zweiten Klasse Iffelenträger. Er schwärmt vom Klausjagen. «Es ist ein wundervolles Gefühl, durch die Menschenmenge zu tanzen», sagte er. Während es für Marcon ein beschwingtes Erlebnis ist, schilderte Trychler Philipp Janner den Umzug anders: «Es ist fast wie eine Trance.»

So oder so: Das Klausjagen war mit dem Umzug noch lange nicht fertig. In den Bars und Beizen und auf der Strasse wurde bis am frühen Morgen gefeiert.