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«Legalisierung des Schlummertrunks» sorgt für Kontroverse unter Schwyzer Gastronomen

Die geplante Abschaffung der Polizeistunde im Kanton Schwyz wird von vielen Wirten begrüsst. Es gibt jedoch auch solche, die sich um ihr Personal sorgen.
Stephanie Zemp

Eine Initiative der Jungen CVP fordert, dass die Polizeistunde im Kanton Schwyz abgeschafft wird. Im Januar hat der Regierungsrat die Anregung nicht nur für gültig erklärt, sondern dem Kantonsrat auch die Annahme empfohlen.

Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass die Mehrheit der Schwyzer Wirte das Anliegen unterstützt. Einer von ihnen ist Sacha Burgert. Der 46-Jährige betreibt seit 2012 das Restaurant Höfli im alten Dorfkern von Schwyz und hat die Initiative seit der Lancierung der Unterschriftensammlung aktiv unterstützt.

Zu den Chancen einer allfälligen Liberalisierung gehören für Burgert vor allem die grössere Flexibilität und die Entkriminalisierung: «Wenn ich zum Beispiel einen Gast habe, der seinen Geburtstag feiert und deshalb um Mitternacht eine Runde ausgeben will, könnte ich spontan eine Stunde länger offen haben, ohne in die Illegalität abzurutschen», argumentiert er. Zwar sei die Gemeinde Schwyz bereits jetzt sehr kulant: «Im Gegensatz zu früher, als sie jeden Abend die Runde machten, kommen sie heute nur noch, wenn jemand anruft», weiss der Schwyzer aus langjähriger Erfahrung. Dennoch bestehe die Gefahr, dass er seine Bewilligung verlieren könnte, wenn er seine Gäste länger sitzen liesse. Deshalb würde er die Gesetzesänderung begrüssen. «Dies würde nicht zuletzt auch die Selbstverantwortung der Gastbetriebe fördern», findet er.

Die Initiative bezweckt, dass die grundsätzlichen Öffnungszeiten von 5.00 Uhr bis 24.00 Uhr für gastgewerbliche Betriebe und Anlässe wegfallen sollen. Dass also die Wirte selbst entscheiden können, wann sie die Türen schliessen. Die zuständige Gemeinde kann bei der Betriebserteilung jedoch nach wie vor über strengere Auflagen verfügen, zum Beispiel, wenn die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet wäre. Mit der heutigen Regelung müssen die Betriebe für Verlängerungen kostenpflichtige Bewilligungen beantragen.

Knackpunkt: Wie werden die Wirte die Gäste los?

Allerdings sind nicht alle Schwyzer Gastronomen vom Vorschlag der jungen CVP begeistert. Peter Rickenbacher, Betreiber des Gasthauses Kreuz in Seewen, das ebenfalls zur Gemeinde Schwyz gehört, ist gegen die Änderung. «Die Polizeistunde wurde zum Schutz des Personals eingeführt», erklärt er. Dieser Grundsatz solle nicht aufgeweicht werden. «Ohne offizielle Polizeistunde ist es enorm schwierig, eine feucht-fröhliche ‹Verhöckeler-Runde› aufzulösen», weiss der 54-Jährige. Der Wirt und sein Personal bräuchten jedoch auch mal Feierabend, sagt Rickenbacher, der seit über 27 Jahren so gut wie jeden Tag in seinem Restaurant steht.

Steigende Personalkosten sind zu befürchten

Tatsächlich scheint die Durchsetzung des Feierabends die grösste Sorge der Gegner der Initiative zu sein: Andere befragte Wirte, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, argumentieren ebenfalls in diese Richtung. Auch Befürworter Burgert vermutet darin das grösste Konfliktpotenzial: «Gerade für neue Angestellte ist es schwierig, sich gegen trinkfreudige Stammgäste durchzusetzen, wenn sie schliessen wollen», erklärt er. Hier sei die Verantwortung des Wirtes gefragt, sein Personal entsprechend zu schulen und zu unterstützen. Man müsse seine Öffnungszeiten klar kommunizieren, dann würden sich die Gäste auch daranhalten, ist er überzeugt.

Gegner Peter Rickenbacher zeigt Verständnis dafür, dass andere Bar- und Beizenbetreibende für die Initiative sind: «Sie können damit eine zeitliche Nische besetzen und bekommen damit ein Stück des Kuchens», sagt er. Finanzielle Vorteile sieht Burgert beim Wegfall der Polizeistunde jedoch nur am Rande: «Klar ist es für mich als Wirt lukrativ, wenn ich noch zwei weitere Runden einnehmen kann», so der Gastronom. Doch eine Handvoll trinkender Gäste reiche nicht aus, um die Personal- und Betriebskosten zu decken.

Wann der Kantonsrat über das Anliegen befinden wird, ist derzeit noch offen. Als Nächstes wird das Geschäft von der Rechts- und Justizkommission behandelt werden. Sicher ist: Das Thema wird noch längere Zeit für öffentliche Diskussionen sorgen – am Ende wird voraussichtlich das Volk darüber entscheiden müssen.

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