Kulturförderung in Schwyz: Ohne Freiwilligenarbeit geht es nicht

Für kulturelles Schaffen mangelt es im Kanton Schwyz an Infrastruktur und Geld, sagen Betroffene. Ein Aktionskomitee macht nun eine Bestandsaufnahme.

Stephanie Zemp
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Die Kulturförderung im Kanton Schwyz hinke den umliegenden Kantonen nach, sagen Kulturveranstalter. Im Bild das Strassenkünstlerfestival Spettacolo in Brunnen. (Symbolbild: Urs Flüeler/Keystone)

Die Kulturförderung im Kanton Schwyz hinke den umliegenden Kantonen nach, sagen Kulturveranstalter. Im Bild das Strassenkünstlerfestival Spettacolo in Brunnen. (Symbolbild: Urs Flüeler/Keystone)

Eine Abstimmungsniederlage gab den Anstoss, die Interessen der Kulturschaffenden im Kanton Schwyz zu bündeln und ihnen eine Stimme zu geben: Nachdem die Schwyzer vor eineinhalb Jahren an der Urne Ja gesagt haben zum Ausstieg aus dem Kulturlastenausgleich, gründeten Schwyzer Kunstschaffende ein Aktionskomitee. Sie organisierten drei Kulturtische, um die Bedürfnisse innerhalb der Kulturszene zu sammeln: «Es kamen vor allem Künstler und Kulturveranstalter», sagt Jonathan Prelicz, Mitbegründer des Aktionskomitees Schwyz Kultur. Diese zwei Gruppen hätten zum Teil je andere Anliegen, zwei Hindernisse aber haben beide zu bewältigen: «Erstens fehlt es an Räumen und zweitens an finanzieller Unterstützung» erklärt Prelicz.

Deshalb haben der Opernsänger und seine Mitstreiter eine Umfrage lanciert: Via Online-Fragebogen möchten sie von den Gemeinden und Bezirken Auskunft über bestehende Räumlichkeiten und Subventionierungen im Kulturbereich. Auch die Kontaktdaten für die zuständigen Stellen werden erfragt oder die Auslastung von bestehenden Strukturen. «Mit den Kulturtischen haben wir zuerst untereinander geschaut, was wir brauchen, nun gehen wir einen Schritt weiter und suchen den Kontakt mit der öffentlichen Hand», berichtet Prelicz. Nach der Bestandesaufnahme sollen je nach Resultat Massnahmen abgeleitet werden. «Vorstellbar wäre beispielsweise, eine kantonale Liste zu erstellen und zu veröffentlichen, die alle Angaben für Förderungsgesuche und Infrastrukturen enthält», erklärt Prelicz. Auch politische Vorstösse wären denkbar, so Prelicz, der für die SP im Kantonsrat sitzt.

Kulturveranstalter begrüssen Umfrage

Marcel Birrer begrüsst diese Umfrage. «Sie fördert das Gespräch und das ist wichtig», sagt der Präsident des Vereins Kult-Turm, der das gleichnamige Kulturlokal in Brunnen betreibt. Birrer weiss:

«Im Vergleich zu den umliegenden Kantonen ist die Kulturförderung im Kanton Schwyz rückständig.»

Im Austausch mit Kulturbetreibenden in den umliegenden Kantonen komme dies immer wieder zum Ausdruck: «Kulturlokale in Zug, Luzern oder auch Uri haben bessere Bedingungen».

Der Kult-Turm finanziert sich hauptsächlich über Veranstaltungen. Es finden regelmässig vielfältige Anlässe statt wie Konzerte, Theater, Sportevents oder Partys. Letzteres spült Geld in die Kasse: «Mit DJ-Partys können wir andere Anlässe quersubventionieren», erklärt Birrer. Theater und Konzerte seien sehr oft Minusgeschäfte, zumal sie meist keine Massen anziehen. Der Kulturbetrieb basiert auf Freiwilligenarbeit: «Wenn wir Personalkosten hätten, müssten wir schliessen», so Birrer. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch die öffentliche Hand, betont der engagierte Kulturveranstalter. Der Verein habe von der Gemeinde bereits Beiträge erhalten, diese waren jedoch sehr bescheiden. Kürzlich hätten sie erneut einen Antrag gestellt; die Antwort steht noch aus. «Der Kanton war bisher etwas grosszügiger», erzählt Birrer, «das diesjährige Gesuch ist ebenfalls noch hängig.» Der Kult-Turm erhält auch Sponsorengelder und Eventmaterial von Firmen.

Die Gemeinde Ingenbohl, wo der Kult-Turm steht, sei an Kulturförderung interessiert, sagt die zuständige Gemeinderätin Karin Freitag auf Anfrage. Knapp 50 000 Franken stünden jährlich für Gesuche zur Verfügung. «Bei der Vergabe der Gelder schauen wir darauf, dass ein breites Publikum angesprochen wird», so Freitag. Defizitgarantien für unrentable Anlässe spricht die Gemeinde nicht. Zum Kult-Turm sagt sie: «Wenn die Veranstalter mit einem ausgewogenen Jahresprogramm auf uns zukommen, können wir auch über eine Leistungsvereinbarung sprechen.» Die Umfrage des Aktionskomitees hat Freitag bereits ausgefüllt.