Bald lässt sich die Moorlandschaft in Rothenthurm erkunden – dank eines neuen Pfadihauses

Über eine Million Franken treibt die Pfadihaus-Stiftung für ein Lagerhaus in Rothenthurm auf. Es soll nicht nur ein Begegnungszentrum für Kinder und Jugendliche werden, sondern auch den lokalen Tourismus in der bekannten Moorlandschaft ankurbeln.

Rahel Lüönd
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Bilder vom Videodreh für die Crowdfunding-Plattform (Bild:pd)

Bilder vom Videodreh für die Crowdfunding-Plattform (Bild:pd)

Seit jeher organisieren sich die Rothenthurmer Pfadfinder provisorisch. Ein Platz fürs Material liess sich zwar immer finden, aber ein echtes Zentrum, das eben mehr ist als ein Depot für die Utensilien, war bis jetzt schwierig. Mit einem grossen Traum und wenig Mitteln in der Hand haben die Pfädeler deshalb begonnen, über ein eigenes Pfadihaus nachzudenken. Das liegt schon ein paar Jahre zurück, und mittlerweile ist ein gutes Stück Weg geschafft. Nach einer langen Phase der Konzeptionierung und einer eigens für das Projekt gegründeten Stiftung hat auch die Gemeinde dem Bau zugestimmt.

Die grösste Hürde, nämlich die nötigen 1,25 Millionen Franken zu generieren, ist damit aber noch nicht genommen. Ende September hat die Stiftung ein Crowd­funding lanciert, mit dem sie die Küche finanzieren will. Kostenpunkt: 100 000 Franken. Stiftungsrätin Mirjam Beeler, Co-Verantwortliche für Betrieb und Marketing, sagt: «Wir müssen uns immer neue Ansätze einfallen lassen, um die Finanzierung zu erreichen. Das Crowdfunding stand schon früh als Idee im Raum, und wir fanden, dass sich mit dieser Art von Kampagne eine gute Gelegenheit bietet, auch Zielgruppen über den Kanton Schwyz hinaus anzusprechen.»

Bis Ende November braucht es 50 000 Franken

Wie im Crowdfunding üblich lockt für die Spender ein kleines Dankeschön: Wer sich mit mindestens 50 Franken beteiligt, nimmt an einer Verlosung teil. Die Spender können ein Lagerhauszimmer (2er-, 4er-, 6er- oder 8er-Zimmer) gewinnen, welches sie an einem vorher definierten Wochenende füllen dürfen. Die Stiftung organisiert für die bunt zusammengewürfelten Gruppen Frühstück und Nachtessen.

Das Crowdfunding ist ein Lauf gegen die Zeit. Bis Ende November muss die Finanzierungsschwelle von 50 000 Franken erreicht sein, ansonsten kriegt die Stiftung nichts (getätigte Spenden werden nicht belastet). So sehen es die Regeln der genutzten Plattform Lokalhelden von Raiffeisen vor.

Bei der Planung des Pfadihauses berücksichtigte die Stiftung nicht nur das Bedürfnis der Pfadi, ein Begegnungszentrum für Kinder und Jugendliche zu schaffen, sondern auch touristische Aspekte. Die Gemeinde Rothenthurm, welche für ihre Moorlandschaft schweizweit bekannt ist, kann zurzeit keine Übernachtungsmöglichkeiten anbieten.

Betriebskosten belaufen sich auf 44 000 Franken

Das Lagerhaus ist zwar nicht für Einzelgäste konzipiert, die 50 Schlafplätze sollen aber Gruppen zur Verfügung stehen. Damit kann die Region für Schulen und Vereine Hand bieten und den Tourismus fördern. In der Nähe befinden sich die Skigebiete Neusell und Sattel-Hochstuckli wie auch das neue Ägeribad. Die Moorlandschaft lässt sich vom Pfadihaus am Standort Müllern zu Fuss, mit dem Velo oder per Pferd erkunden. Im Winter führen ausserdem Langlaufloipen quer durchs Moor. Der Verein Finnenloipe realisiert denn auch eine Einstellhalle im Pfadihaus.

Die Betriebskosten von jährlich rund 44 000 Franken sollen nebst einer kleinen Miete der Pfadi zum grössten Teil durch die Vermietung der Räumlichkeiten gedeckt werden. Dafür braucht es mindestens 2800 Übernachtungen pro Jahr. Die Stiftung Pfadihaus Rothenthurm hat zur Berechnung Referenzobjekte in Einsiedeln, Lachen und Wollerau beigezogen. Die letzten beiden Pfadihäuser wirtschaften in dem Rahmen, wie sich die Rothenthurmer Stiftung das wünscht. Einsiedeln liegt mit seinen Mieteinnahmen aufgrund der touristischen Attraktivität und der grösseren Anzahl Schlafplätze deutlich höher.

Die öffentliche Nutzung macht das Lagerhaus attraktiver, das Bauprojekt aber auch komplexer. Mirjam Beeler räumt ein, dass es schwierig ist, einen derart hohen Finanzierungsbedarf zu decken. Seit bald einem Jahr sind eine Handvoll Leute in «Knochenarbeit» daran, zu recherchieren, Schreiben vorzubereiten und Gespräche zu führen. Schliesslich sei es für alle das erste Mal, dass sie ein Projekt in dieser Grösse auf die Beine stellten, sagt die Stiftungsrätin: «Wir sind aber sehr zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis.»

Profitieren konnten die Pfadfinder dabei von der Erfahrung eines Patronatskomitees, das aus namhaften Leuten aus Politik, Wirtschaft und Tourismus zusammengesetzt ist, darunter Regierungsrätin Petra Steimen oder Nationalrat Alois Gmür. Nach einer letzten Phase der intensiven Spendensuche soll das Pfadihaus nächstes Jahr gebaut und 2020 eröffnet werden.

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