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Nach zwei Todesfällen: Das sind die
Gefahren des Mythen-Massivs

Der Schwyzer Mythenstein ist brüchig und an vielen Stellen feucht und dadurch glitschig. Dennoch wagen immer mehr Kletterer den Aufstieg ohne Seil. Mit dem Kick steigt aber auch das Risiko, sagt ein erfahrener Alpinist.
Nadine Annen
Der Gipfel des Haggenspitz. (Bild: Erhard Gick)

Der Gipfel des Haggenspitz. (Bild: Erhard Gick)

Vergangene Woche sind gleich zwei Bergsteiger innert fünf Tagen am Haggenspitz tödlich verunfallt: Am Sonntag wurde ein 34-jähriger Deutscher von einem losgelösten Stein mitgerissen, am Freitag ist ein mittlerweile identifizierter 48-jähriger Berggänger aus dem Kanton Zürich abgestürzt. Diese zwei tragischen Schicksale führen einmal mehr vor Augen, dass das Bergsteigen am Mythenmassiv teilweise unterschätzte Gefahren birgt.

Während der Weg am Grossen Mythen gut eingerichtet und auch für Anfänger machbar ist, sind der Kleine Mythen und der Haggenspitz äusserst anspruchsvoll. «Es hat keine Wege, nur Routen», erklärt Hans Reichmuth, Präsident des Vereins der Mythenfreunde. Zudem seien diese Routen keine sauberen Kletterrouten, wie man das andernorts vielleicht gewohnt sei. «Der Mythenstein zeichnet sich dadurch aus, dass es immer wieder Gras und immer wieder Fels hat. Und weit herum ist das Kalkgestein auch recht brüchig», weiss der erfahrene Alpinist.

Viele Stellen seien zudem sehr nass und feucht, der Stein dadurch glitschig und mit Dreck im Profil steigt das Unfallrisiko weiter. Reichmuth stellt aber noch etwas anderes fest:

«Im modernen Alpinismus
ist immer mehr das
Free-Solo-Klettern im Trend.»

Es habe nicht nur immer mehr Menschen auf dem Berg, immer häufiger sehe man auch am Haggenspitz Einzelgänger oder Gruppen, die ohne Seilsicherung unterwegs sind. «Ich verurteile das nicht, aber dadurch steigt halt ganz klar das Risiko.» Kleine Zwischenfälle wie ein Ausrutscher, ein gelöster Stein oder das Erschrecken durch eine Gemse können so schnell tödlich enden. «Wäre man mit einem Seil gesichert, würde man höchstens ein paar Meter ins Seil fallen», erklärt Reichmuth. Aber die Leistung ohne Seil sei halt grösser, weshalb viele diesen Kick suchen.

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