Noch mehr Schulden: Weitere Gläubiger des spielsüchtigen Küssnachter Pfarrers aufgetaucht

Nun zeigt sich der wahre Schuldenberg des spielsüchtigen Pfarrers Werner Fleischmann. Derweil kommt das Geld aus einer Spendenaktion vorerst nicht seinen Gläubigern zugute.

Lucien Rahm
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Pfarrer Werner Fleischmann. (Bild: Edith Meyer)

Pfarrer Werner Fleischmann. (Bild: Edith Meyer)

Über 16'000 Franken sind mit der Online-Spendenaktion zugunsten des spielsüchtigen Küssnachter Ex-Pfarrers Werner Fleischmann zusammengekommen (Artikel vom Freitag). Seinen eigentlichen Zweck wird das Geld aber vorerst nicht erfüllen können. Die Initianten der Aktion wollten mit dem Betrag einen kleinen Teil der Schulden Fleischmanns begleichen. «Das Geld wird vollumfänglich und prozentual an die Gläubiger verteilt», beschreibt die Crowdfunding-Plattform die Bestimmung des Geldes. Hierzu wurde der Kontozugriff dem Berner Anwalt Andrea Janggen übertragen, der Fleischmann rechtlich vertritt.

«Der Betrag wird bis auf Weiteres nicht eingesetzt», so Janggen gegenüber unserer Zeitung. Eine Verteilung des Geldes würde voraussetzen, dass sämtliche Gläubiger damit einverstanden sind. Für die Koordination der Gläubigerinteressen sei es momentan aber noch zu früh. «Wir befinden uns immer noch in der ‹Recherchephase›», sagt Janggen. Es geht also momentan noch immer darum, weitere Gläubiger von Pfarrer Fleischmann ausfindig zu machen.

Tatsächlich sind seit dem letzten bekannten Schuldenstand, den die römisch-katholische Pfarrei Mitte Juli bekannt gab, nochmals 14 Geldgeber aufgetaucht. Damit sind es nun 58. Der Schuldenberg von damals 1,4 Millionen Franken hat sich dadurch um rund 700'000 Franken erhöht. Somit belaufen sich die Schulden nun auf insgesamt 2,1 Millionen Franken.

Fleischmann freut sich über Aktion

«Angesichts dieses Ausmasses wären die 16'000 Franken auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Janggen. Dennoch sei die Sammlung eine «tolle Aktion» gewesen. Und auch sein Klient habe das Spendenprojekt enorm geschätzt. «Er hat sich sehr über die damit ausgedrückte Wertschätzung seiner Arbeit gefreut.»

Wie das Geld letztlich verwendet wird, sei derzeit offen. «Es wird noch einen Moment dauern, bis man sieht, was man mit dem Geld machen kann», so Janggen. In einer späteren Phase sei aber durchaus denkbar, dass man den Gläubigern eine anteilige Auszahlung des Betrags anbieten könnte. Doch auch andere Zwecke seien möglich.

Mit den Initianten der Spendenaktion steht Janggen in Kontakt. Ohne deren Einverständnis werde das Geld nicht eingesetzt. Dass der Sammelbetrag nun nicht umgehend verwendet werden kann, dafür hätten die Initianten Verständnis, sagt Janggen.

Vorerst steht also noch die Suche nach weiteren Gläubigern im Vordergrund. Janggen rechnet jedoch nicht damit, dass sich noch viele Personen melden werden. «Seit etwa drei Wochen sind keine neuen Forderungen mehr eingetroffen.» Vielleicht kämen in den nächsten Wochen noch einzelne hinzu. Auch würde sich wahrscheinlich nicht jeder, der Fleischmann Geld geliehen hat, mit seinen Ansprüchen melden. «Für manche Leute ist die Sache vielleicht einfach erledigt.» Je nach finanzieller Situation seien sie eventuell auch gar nicht angewiesen auf eine Rückzahlung.

Fleischmann selbst habe keinen Überblick, wer ihm alles Geld geliehen hat. «Er hat keine Liste geführt oder dergleichen.» Für Spielsüchtige sei es auch kein übliches Verhalten, hierbei geordnet vorzugehen. Entsprechend sei es für Fleischmann auch nicht überraschend gewesen, dass seit Juli nochmals weitere Forderungen dazugekommen sind, so Janggen.

Bei den nun noch hinzugestossenen Gläubigern handelt es sich um Privatpersonen, wie schon bei den bisher bekannten. Sie stammen vorwiegend ebenfalls aus der Region Küssnacht, vereinzelt aus ausserkantonalen Orten. Die jeweiligen Leihbeträge bewegten sich laut Janggen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Die Staatsanwaltschaft Schwyz hat gegen Fleischmann eine Strafuntersuchung eingeleitet. Im Zusammenhang mit Schulden von rund 240'000 Euro aus Immobiliengeschäften in Süddeutschland läuft ebenfalls ein Verfahren gegen Fleischmann.

Pfarrer macht stationäre Therapie

Wie sie mit der finanziellen Situation Fleischmanns letztlich umgehen werden, kann Janggen noch nicht sagen. Unwahrscheinlich ist jedenfalls, dass der Pfarrer seine Schulden vollumfänglich begleichen kann. «Bei dieser Summe müsste man fast im Lotto gewinnen, um sie zurückzubezahlen.» Auch einige Gläubiger würden nicht damit rechnen, ihr Geld wiederzusehen. Einzelne von ihnen würden denn auch ausdrücklich auf ihre Forderungen verzichten. Zur Reduktion der Schulden könnte es eine Option sein, alle Geldgeber aktiv zu fragen, ob für sie ein Verzicht denkbar wäre, sagt Janggen.

Einer von ihnen hat mittlerweile eine Betreibung gegen Fleischmann eingeleitet. «Wenn diese weitergeführt wird, stellt sich die Frage, ob Herr Fleischmann einen Privatkonkurs einreicht.»

Voraussichtlich Ende September wird Janggen die Gläubiger in einem Brief über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Auch über die persönliche Situation Fleischmanns wird er darin berichten. «Vielleicht gibt es bis dann wieder berufliche Perspektiven für ihn.»

Momentan gehe es dem Pfarrer den Umständen entsprechend gut. Er befindet sich in einer stationären Therapie, in der er seine Spielsucht angeht. «Er macht Fortschritte», sagt Janggen. Mit einzelnen Gläubigern stehe Fleischmann immer noch in Kontakt. «Das dient auch der Aufarbeitung des Themas.»

Crowdfunding für zockenden Pfarrer

Die Kirchgänger sollen dem spielsüchtigen katholischen Pfarrer von Küssnacht helfen, seine Spielschulden zurückzuzahlen. Am Mittwoch ist eine Online-Sammelaktion gestartet worden. Ihr Ziel ist es, bis Ende August 300'000 Franken zu Gunsten der Gläubiger zusammenzutragen.

Spielsüchtiger Küssnachter Pfarrer muss gehen

Pfarrer Fleischmann sitzt auf einem hohen Schuldenberg. Um diesen abzutragen, hat er Angehörige der Pfarrei angepumpt. Nun ist er seinen Job los – und verfolgt die Fussball-WM live in Russland.
Roger Rüegger