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Südumfahrung Küssnacht drohen Mehrkosten: Freie Fahrt auf zwei Dritteln der Umfahrungsstrasse

Knapp ein Jahr früher als geplant öffnet der oberirdische Teil der Südumfahrung. Bei den Tunnelarbeiten kommt es hingegen fast täglich zu Überraschungen.

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Baudirektor Othmar Reichmuth (Mitte von links) und Statthalter Oliver Ebert beim Durchschneiden des Bands. (Bild: Edith Meyer)

Baudirektor Othmar Reichmuth (Mitte von links) und Statthalter Oliver Ebert beim Durchschneiden des Bands. (Bild: Edith Meyer)

«Mit den Küssnachtern kommen wir bestens zurecht, mit dem Küssnachter Untergrund etwas weniger», sagte der Schwyzer Baudirektor Othmar Reichmuth (CVP) gestern. Er gab mit dem Küssnachter Statthalter Oliver Ebert den oberirdischen Strassenabschnitt nördlich des Tunnels Burg für den Verkehr frei.

Erfreulich sei, dass die Strasse nach rund drei Jahren Bauzeit ein Jahr früher als geplant befahrbar sei. «Die Südumfahrung hat einen weiteren grossen Meilenstein erreicht», so Reichmuth. Der Verkehrsfluss sei nun so, wie er künftig sein werde, wenn das Dorf über die Zugerstrasse wieder direkt an die Autobahn angeschlossen sei.

Für Statthalter Ebert ist es ein «leicht verbesserter Ist-Zustand», immerhin würden verschiedene Provisorien aufgehoben. «Unter anderem werden die gesperrten Rampen der Nordumfahrung und die Lichtsignalanlage beim Knoten nach Immensee der Verbindung Zuger-/Artherstrasse aufgehoben», sagte Ebert. Nach der umfangreichen Bautätigkeit komme Küssnacht nun in den Genuss eines ersten spürbaren Mehrwerts.

Baustellenrundgang im Tunnel der Südumfahrung Küssnacht. (Bild: Pius Amrein, 31. Juli 2018)

Baustellenrundgang im Tunnel der Südumfahrung Küssnacht. (Bild: Pius Amrein, 31. Juli 2018)

Neben der Umfahrungsstrasse wurden auch die Strassenabwasserbehandlungsanlage (Saba) Giessenbach und das Retentionsbecken Chli Ebnet vorzeitig fertiggestellt. «Wir verbessern damit den Hochwasserschutz wesentlich und werden dem Umweltschutz gerecht», betonte Reichmuth.

Vortriebsarbeiten langsamer als geplant

Was bleibt, sind die Verzögerungen im Tunnelbau. Beim Vortrieb des 348 Meter langen Kernstücks der Südumfahrung, dem Tunnel, stiessen die Arbeiter 2017 auf Wasser und Sand. Nachdem sich über dem Vortrieb eine Sandlinse gesenkt hatte, entstand ein acht Meter tiefer Schlot mit einem Durchmesser von rund fünf Metern. Knapp zehn Meter von einem Wohnhaus entfernt tat sich ein Erdloch auf (wir berichteten). Die Arbeit unter Tage wurde eingestellt, dafür die oberirdische vorangetrieben, was nun gestern zum vorzeitigen Abschluss führte. Die nach den aufgetretenen Problemen beim Tunnelvortrieb ergriffenen Massnahmen zeigen mittlerweile ihre Wirkung. «Die Vortriebsarbeiten verlaufen zwar langsamer als ursprünglich geplant, dafür aber mit grösstmöglicher Sicherheit», sagte Othmar Reichmuth. Man werde im Untergrund faktisch täglich mit Überraschungen konfrontiert. «Das Kernproblem sind Sandlinsen mit Lockergestein und Wasser. Das sind für uns grosse Herausforderungen», sagte Reichmuth. Darum müsse der Firstbereich des Tunnels mit Zementsäulen verfestigt und gesichert werden. «Wir verursachen Lärmemissionen und danken der Küssnachter Bevölkerung, dass sie damit umgehen kann», fügte Reichmuth hinzu.

Baustellenrundgang bei der Südumfahrung Küssnacht. (Bild: Pius Amrein, 31. Juli 2018)

Baustellenrundgang bei der Südumfahrung Küssnacht. (Bild: Pius Amrein, 31. Juli 2018)

Mehrkosten von 8 Millionen Franken befürchtet

Die gesamte Südumfahrung kostet rund 127 Millionen Franken. «Weil wir jeden Tag mit Überraschungen rechnen müssen, gehen wir im schlechtesten Fall von Mehrkosten von 8 Millionen Franken aus», sagte Reichmuth. Aber es sei auch ein Abschluss innerhalb des Kostenvoranschlags möglich. «Wir sind nämlich bisher in sämtlichen übrigen Teilbereichen des Projekts unter dem Kostenvoranschlag, teilweise auch dank Vergabeerfolg», präzisierte der Baudirektor. Der Tunneldurchstich ist nun für Mitte 2019 vorgesehen. Othmar Reichmuth zeigt sich zuversichtlich, dass der Projektabschluss im Jahr 2020 erfolgen könne. «Die Flexibilität der beteiligten Planer und Unternehmen hat es uns ermöglicht, das Projekt Südumfahrung trotz der aufgetretenen Schwierigkeiten rasch zum Nutzen der Bevölkerung voranzutreiben», betonte Reichmuth. Auch Statthalter Oliver Ebert zeigte sich zuversichtlich: «Wir hoffen, dass wir keine Mehrkosten haben und dass wir im Sommer 2020 die Gesamtumfahrung in Betrieb nehmen können.» Wenn es allerdings zu Verzögerungen kommt, muss mit der Zentrumsgestaltung in Küssnacht zugewartet werden.

Fertigstellung des Kreisels Räbmatt folgt später

Die weiteren Arbeiten auf der Südseite der Umfahrung und die Fertigstellung des Kreisels Räbmatt erfolgen in Abhängigkeit von den Fortschritten beim Tunnelausbruch. Der Platz beim Kreisel Räbmatt wird bis auf weiteres für die Verschiebung des Bohrgeräts von einer Tunnelseite auf die andere benötigt.