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Interview

Peter Föhn beendet seine Politkarriere: «Es ist hektischer geworden, vor allem wegen der sozialen Medien»

Der erste Muotathaler Parlamentarier in Bern gibt seinen Rückzug aus der Politik bekannt. SVP-Ständerat Peter Föhn tritt bei den Wahlen im Herbst nicht mehr an. 24 Jahre hat er den Kanton Schwyz in Bern vertreten.
Jürg Auf der Maur

Sechs Legislaturen, also 24 Jahre als eidgenössischer Parlamentarier, sind genug: Der Schwyzer Ständerat Peter Föhn (SVP) gab am Dienstagabend seinen Rücktritt bekannt. Der 66-Jährige will im kommenden Herbst nicht mehr zur Wahl antreten.

Als «Quereinsteiger» trat Föhn 1995 als damaliger Schwyzer Bezirksschulverwalter zur Nationalratswahl an – und schaffte gleich den Sprung nach Bern. Die SVP setzte gleichzeitig zu ihrem Höhenflug im Kanton Schwyz an und konnte den Wähleranteil um 12,4 Prozent erhöhen und damit verdoppeln.

Föhn war zunächst für die Schwyzer SVP während 16 Jahren Nationalrat, bevor er den Sprung in den Ständerat schaffte.

Peter Föhn, Sie beenden Ihre Politkarriere. Weshalb hat es so lange gedauert, bis Sie sich entschieden haben?

Das war auch ein Beschluss, der zusammen mit meiner Partei ­gefällt wurde. Wann fällt der ­Entscheid? Wie und wann kommunizieren wir? Für mich war sehr wichtig, dass zuerst Alex ­Kuprecht seine Nichtdemission mitteilte. Er kann Ständeratspräsident werden. Das war mir als SVP-Politiker wichtig.

Was wäre passiert, wenn Ihr Parteikollege nicht mehr angetreten wäre?

Das wäre für mich eine harte Nuss gewesen. Dann hätte ich mir alles nochmals überlegen müssen. ­Innerlich wollte ich immer nach acht Jahren Ständerat aufhören.

SVP-Ständerat Peter Föhn während der Wintersession im Stöckli. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 29. November 2018)

SVP-Ständerat Peter Föhn während der Wintersession im Stöckli. Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 29. November 2018)

Aber?

Ich wurde ständig motiviert, von Bern und Schwyz, mich nochmals zur Verfügung zu stellen. Was in den letzten Wochen auf mich ­zukam, auch von den Mitteparteien, all die Aussagen, ich solle doch nochmals antreten: Das war schlicht unglaublich.

Weshalb sind Sie trotzdem bei Ihrem Entschluss geblieben?

Irgendeinmal ist fertig. Als Ständerat hat man ein grosses Pensum. Ich will und wollte nie völlig ausgepumpt abtreten. Man kennt mich in Bern als aktiven, oft auch ungemütlichen Politiker. So will ich bis zum Schluss im Parlament bleiben.

Sie sind im Herbst 24 Jahre im Parlament. Bereits machten Vorwürfe die Runde, Sie seien ein Sesselkleber, wenn Sie nochmals antreten. Hat das den Entscheid beeinflusst?

Nein, ich habe nur auf mein Innerstes gehört. Solche Aussagen haben mich überhaupt nicht ­getroffen. Es ist klar, dass solche Vorwürfe aufgekommen wären. Aber damit hätte ich leben müssen, wenn mein SVP- und Ständeratskollege Alex Kuprecht nicht mehr angetreten wäre.

Wie sehen nun Ihre Zukunftspläne aus?

Einerseits will ich es nun sicher gemütlicher nehmen. Wieder einmal auf eine Wanderung gehen, jassen, endlich wieder ein Buch lesen und mehr Zeit mit der Familie verbringen können. Ich freue mich, vom Zeitplan her unabhängiger zu sein. Andererseits will ich auch meine Familie in der Firma unterstützen.

1995 wurden Sie überraschend gewählt. Hand aufs Herz, es war doch schon vorher Ihr Wunsch, in die Politik einzusteigen.

Nein, dieser Wunsch war überhaupt nie vorhanden. Ich hätte nicht kandidiert, wenn ich damals eine Chance gesehen hätte, dass ich gewählt würde. Mir wurde sogar versprochen, dass ich nicht gewählt werde. Ich legte meine Forderungen vor der Kandidatur klar auf den Tisch, dann kam die grosse Überraschung. Ich war in keinem Rat. Ich konnte zwar reden, hatte aber keine politische Erfahrung.

Was war das Erfolgsrezept?

Ich habe es gerne gemacht, und ich hatte die Leute gerne. Ich ging gerne auf die Leute zu und besuchte die Veranstaltungen. Ich wollte mich für unseren Kanton und seine Bewohner einsetzen. Ich war voll dabei, oft kam sogar die Firma zu kurz. Wichtig war sicher auch, dass ich absolut ­unabhängig war. Ich musste niemandem gehorchen.

Sie haben sich einen Namen als rechtester Parlamentarier gemacht. Jetzt ist eine Rechtstendenz feststellbar, kam Ihnen das entgegen?

Ich war vorher Muotathaler und bin es noch jetzt. Ich staunte über das letzte Rating, bei dem ich wieder eine Zehn hatte. Trotzdem darf ich sagen: Ich bin im Ständerat sehr beliebt, man hört auf mich. Ich kann nur allen danken. Der Bevölkerung, der Familie, den Kollegen.

Was änderte sich in den 24 Jahren?

Es ist hektischer geworden, vor allem wegen der sozialen Medien. Aus meiner Sicht ist das eine Katastrophe, und ich entschuldige mich bei allen, deren Mails ich nicht beantwortet habe. Der Freiraum in Bern wurde wesentlich kleiner.

Was waren Ihre grössten Niederlagen?

Ich hatte viele Niederlagen. Mein Erfolg ist im Einzelnen gering. Aber ich bin überzeugt, dass viele Geschäfte von Anfang an bürgerlicher ausgestaltet wurden, weil ich sonst wieder kritisiert hätte.

Bleibt es nun für den Kanton Schwyz beim SVP-Doppelmandat?

Das ist eine grosse Frage. Mit André Rüegsegger hätten wir einen Regierungsrat. Aber auch Kaspar Michel von der FDP wird wie Othmar Reichmuth als CVP-­Regierungsrat als Kandidat genannt. Aber auch Kantonsrat Xaver Schuler, Herbert Huwiler oder alt Bezirksrat Richard Föhn wären Varianten für die SVP.

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