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Spielschulden: Ex-Pfarrer von Küssnacht zahlte über eine Million zurück

Der Kirchenrat Küssnachts informierte über das Ausmass der Verschuldung des Pfarrers Werner Fleischmann. 1,2 Millionen Franken habe dieser bereits zurückbezahlt. Es bleiben Ausstände von 1,4 Millionen.
Edith Meyer
In der Pfarrkirche Küssnacht ist ein Buch aufgelegt, in das Fürbitten, Anliegen und Dankesgebete geschrieben werden können. Hier bat jemand für Pfarrer Werner Fleischmann und seine Gläubiger um Gottes Gnade und Barmherzigkeit. (Bild: Edith Meyer (12. Juli 2018))

In der Pfarrkirche Küssnacht ist ein Buch aufgelegt, in das Fürbitten, Anliegen und Dankesgebete geschrieben werden können. Hier bat jemand für Pfarrer Werner Fleischmann und seine Gläubiger um Gottes Gnade und Barmherzigkeit. (Bild: Edith Meyer (12. Juli 2018))

Der ehemalige katholische Pfarrer Werner Fleischmann hat Schulden in der Höhe von 1,4 Millionen Franken (wir berichteten). Verschuldet hatte sich der Geistliche wegen seiner Spielsucht.

Sein Rechtsanwalt Andrea Janggen hat die Gläubiger des Pfarrers bereits in einem Brief über die Höhe der Ausstände informiert und schreibt darin: «Spielsucht ist heute eine anerkannte behandelbare Krankheit». Der Pfarrer sei in stationärer ärztlicher Behandlung.

Wie geht es ohne Fleischmann weiter?

«Unsere Pfarrei hat sich verändert. Oben im Adresskopf fehlt ein Name, der jahrelang da gestanden hat. Und natürlich ist es nicht der Name, der fehlt, sondern der Mensch. Wie es dazu gekommen ist, dass Werner Fleischmann nicht mehr Pfarrer unserer Pfarrei ist, muss hier nicht wiederholt werden», schreibt Claudia Zimmermann im Namen des Seelsorgeteams. Auch die Frage nach Schuld und Nichtschuld sei nicht hier, sondern andernorts zu stellen. Das Seelsorgeteam informiert, wie es weitergeht. Die Gottesdienstordnung bleibt bis Mitte September stabil. «Dies darum, weil Werner Fleischmann eine längere Auszeit – verbunden mit einer verpflichtenden Weiterbildung des Bistums – geplant hatte.» Der Dienstagmorgengottesdienst ist gestrichen worden.

Die 19er-Andacht im Juli kann nicht stattfinden mangels Vertretungen in der Ferienzeit. Noch sei nicht klar, wie die Gottesdienstordnung ab Ende September sein wird. Man rechne aber mit keinem radikalen Abbau. Unterstützung erhält die Pfarrei von Geistlichen aus dem Missionshaus und der Umgebung. Für Taufen und Hochzeiten müssen noch Lösungen gesucht werden.

Erste Anlaufstelle für pfarreiliche Angelegenheiten bleibt das Sekretariat. Beerdigungen werden in Zukunft schwerpunktmässig am Mittwoch, am Freitag oder am Samstag stattfinden. Dort ist die Präsenz eines Priesters am ehesten gewährleistet. «Etliche haben sich an uns gewandt und gefragt, ob sie konkret helfen könnten. Das tut uns gut, stärkt und ermutigt uns in dieser herausfordernden Zeit», betont das Seelsorgeteam. Die Frage, wann ein neuer Pfarrer kommt, kann noch nicht beantwortet werden. Aber es werde nicht so bald sein.

In einer Medienmitteilung zog der Kirchenrat der Schwyzer Gemeinde gestern eine Zwischenbilanz. Gemäss dem aktuellen Kenntnisstand des Kirchenrats liehen Pfarrer Fleischmann zwischen 2011 und 2018 insgesamt 84 Personen Geld in der Gesamtsumme von 2,6 Millionen Franken aus. «Von den 84 Personen haben gemäss übereinstimmenden Angaben von Geldgebern und Pfarrer 40 Gläubiger ihr Geld im Gesamtbetrag von 1,2 Millionen Franken zurückerhalten», heisst es in der Medienmitteilung. Wie es scheint, seien vom Pfarrer neue Darlehen aufgenommen worden, um ältere Schulden zu begleichen.

Offene Forderung aus Süddeutschland

Konkret verbleiben 1,4 Millionen Franken Schulden von total 44 Personen. Mehrheitlich wohnen die Gläubiger in Küssnacht und Umgebung. Nicht eingerechnet ist darin eine scheinbar noch offene Forderung von 238'825 Euro aus Süddeutschland betreffend länger zurückliegende Immobiliengeschäfte des Pfarrers.

Von den 44 Geldgebern wollen 10 Personen anonym bleiben. «Sie verzichten offenbar zum Teil darauf, Schritte zu unternehmen, um das ausgeliehene Geld zurückzufordern», betont der Kirchenrat. Die Gläubiger seien vor allem in den Jahren 2013 bis 2016 vom Pfarrer angefragt worden, die erste Person im Jahr 2011, die letzten im Frühling 2018. Gemäss Kirchenrat erfolgten die Anfragen des Pfarrers mehrheitlich schriftlich. Als Grund für seine Finanznot habe er meistens seine Spielschulden angegeben, «vereinzelt nannte er karitative Zwecke», so der Kirchenrat. Es sei davon auszugehen, dass die meisten Gläubiger, die dem Pfarrer Geld ausgeliehen haben, meinten, sie seien die Einzigen, die ihm helfen. Dementsprechend verlief alles sehr diskret.

In seiner Mitteilung geht der Rat auch auf die von Privaten lancierte und an das Bistum Chur gerichtete Petition «Wir wollen unseren Pfarrer zurück!» ein. Diese wurde von nahezu 1400 Personen unterzeichnet. Mit dem damit verknüpften Crowdfunding haben 56 Unterstützende rund 15'000 Franken gespendet.

Der Kirchenrat hofft, «dass diese Sympathiebekundungen den Pfarrer in seinem öffentlich erklärten Willen bestärken, alles ihm Mögliche zu tun, um den entstandenen Schaden zu beheben». Nun werde die Einrichtung eines Spendenkontos geprüft, falls Personen oder Organisationen die Pfarrei bei der Schadensbegrenzung unterstützen möchten.

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