Schwyz: Pharmariese bringt 250 neue Jobs nach Merlischachen

Im Sommer 2023 dürfte die Octapharma AG von Lachen nach Merlischachen zügeln.

Jürg Auf der Maur
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Auf dieser Liegenschaft der heutigen Firma Räber in Merlischachen soll das Hauptquartier der Pharmafirma Octapharma AG entstehen. (Bild: Edith Meyer)

Auf dieser Liegenschaft der heutigen Firma Räber in Merlischachen soll das Hauptquartier der Pharmafirma Octapharma AG entstehen. (Bild: Edith Meyer)

Das ist ein Riesendeal für den Kanton Schwyz und insbesondere für den Werkplatz Innerschwyz: Gemäss dem «Schwyzer Amtsblatt» hat die in Lachen domizilierte Octapharma AG Land in Merlischachen gekauft. «Die Octapharma AG hat das Grundstück der Räber AG in Merlischachen erworben. Sie plant, dort das neue weltweite Headquarter zu erbauen», sagt Vizepräsident und Firmensprecher Thomas Nie. «Nach der Fertigstellung – voraussichtlich im Sommer 2023 – wird das zu klein gewordene Headquarter der Octapharma AG von Lachen nach Merlischachen verlegt.»

In einem ersten Schritt werden damit rund 130 neue Arbeitsplätze im Bezirk Küssnacht geschaffen. Langfristig ist sogar ein weiterer Ausbau bis zu 250 Stellen vorgesehen. Für so viele Arbeitnehmende soll im künftigen Firmensitz in Merlischachen Platz geschaffen werden. Das ist gut machbar, denn die Liegenschaft befindet sich in der Gewerbezone und könnte deshalb voluminöser als heute überbaut werden. Über konkrete Überbauungspläne für die Liegenschaft Grossmatt als Firmenhauptquartier war am Donnerstag allerdings noch nichts in Erfahrung zu bringen.

Lachen verliert 
grossen Steuerzahler

Damit schnappt die Region Innerschwyz dem äusseren Kantonsteil nicht nur einen wichtigen Arbeitgeber weg. Lachen wird mit dem Wegzug der Octapharma wohl auch den grössten Steuerzahler verlieren. Der Bezirk Küssnacht dagegen kann sich ins Fäustchen lachen. Mit der Octapharma AG zieht nämlich ein international tätiger Pharmariese in den Bezirk Küssnacht. Die 1983 gegründete Firma beschäftigt heute weltweit rund 8300 Mitarbeiter. Sie erzielte 2018 einen Umsatz in der Höhe von rund zwei Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn von 380 Millionen.

Octapharma gehört zu den weltweit grössten Herstellern von Humanproteinen, die aus menschlichem Plasma und menschlichen Zelllinien entwickelt und produziert werden.

Die in 115 Ländern tätige Firma deckt mit ihren Produkten drei Therapiebereiche ab: die Hämatologie, die Immuntherapie sowie die Intensiv- und Humanmedizin. Ihr Ziel gemäss Website: «Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zu helfen beziehungsweise ihnen ein weitestgehend normales Leben zu ermöglichen.»

Urs Durrer, Leiter des Volkswirtschaftsamtes und damit Schwyzer Wirtschaftsförderer, freut sich gleich mehrfach: «Es ist superschön, dass die Firma Octapharma im Kanton Schwyz bleibt.» Sie habe etwas Neues gesucht, weil der Platz in Lachen zu klein wurde. «Sehr schön» findet es Durrer auch, dass die Firma dem Kanton Schwyz nicht nur erhalten bleibt. Der Werkplatz Schwyz werde auch langfristig noch stärker als bisher profitieren, weil mit dem Ausbau bis zu 250 Arbeitsplätzen fast eine Verdoppelung der Stellen anvisiert werde. Schliesslich freue es ihn ganz besonders, dass es gelungen sei, ein global tätiges Unternehmen in Innerschwyz anzusiedeln. Durrer: «Das ist ein sehr schönes Zeichen.»

Räber AG zieht ins Küssnachter Industriegebiet Fänn

(em) 1963 wurde die Destillationsanlage auf der Grossmatte zwischen Küssnacht und Merlischachen gebaut. Seit 13 Jahren ist ein Standortwechsel ein Thema für die Räber AG, die Obst zu Konfitüren und Destillate verwandelt. «Das Gebäude ist nicht mehr auf den heutigen Betrieb ausgerichtet», sagt Firmeninhaber Josef Feusi. 2005 sollte das Areal in eine Wohn- und Gewerbezone umgewandelt werden, doch alle Zonenplanrevisionen scheiterten.

Nun hat die Räber AG beschlossen, dass sie ab 2021 im Industriegebiet Fänn produzieren will. Der traditionsreiche Familienbetrieb Räber AG stellt damit die Weichen für die Zukunft. Das Grundstück auf der Grossmatte in Merlischachen wurde an die Octapharma AG, mit Sitz in Lachen, verkauft. Die rund 30 Mitarbeiter der Räber AG wurden bereits über den Umzug informiert. «Der Verkaufserlös wird mehrheitlich im neuen Ort investiert», so Feusi.

Die 1877 gegründete Firma hat sich zum Ziel gesetzt, den Neubau in den nächsten zwei Jahren zu erstellen. Bis dahin darf die Räber AG am alten Standort weiterproduzieren. «Die Behörden haben unser Projekt von Anfang an unterstützt und positiv beurteilt», sagt Feusi. Nun freue man sich auf eine zügige Realisation des Neubaus und auf die grosse Zukunft des Betriebes.