Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Nach Urteil aus Lausanne: Schwyzer Kantonsgericht muss Raub neu aufrollen

Das Bundesgericht hat das Urteil des Schwyzer Kantonsgerichts im Fall Grossstein in Ibach aufgehoben und die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.
Ruggero Vercellone

Der Fall geht ins Jahr 2014 zurück und sorgte schweizweit für Schlagzeilen: Im Oktober überfiel ein damals 36-jähriger Serbe zwei Bewohner eines freistehenden Hauses im Grossstein in Ibach. Der Täter glaubte damals, grosse Mengen von Marihuana und Bargeld erbeuten zu können. Statt der erhofften 60'000 Franken kam der Serbe allerdings bloss zu knapp 400 Franken Bargeld und 560 Gramm Marihuana.

Mit einer Pistole bewaffnet war der Mann ins Haus eingedrungen und hatte sich in den dritten Stock begeben, wo die Hausbewohner – ein Mann und eine Frau – im Bett lagen. Als der Hausbewohner durch den Lärm aufschreckte, trat er in den Flur und rief: «Raus, sonst rufe ich die Polizei!» Der Räuber aber wich nicht zurück, sondern ging auf den Mann los und schoss ihm in den Oberschenkel. Dann folgte er dem Hausbewohner, der ins Schlafzimmer zurückgekrochen war und schlug ihm mindestens zweimal mit dem Griff der Waffe auf den Kopf, packte ihn am Unterhosenbund und warf ihn aufs Bett. Er schrie mehrfach «Where is the money?», was der Hausbewohner nicht verstand. Plötzlich richtete sich der Täter auf und schoss der Frau, die sich hinter der Schlafzimmertür zu verstecken versuchte, ins Gesicht.

Vorinstanzen verhängen jahrelange Freiheitsstrafe

Das Strafgericht verurteilte den Räuber drei Jahre später erstinstanzlich unter anderem wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung, qualifizierten Raubes und Nötigung zu 13 Jahren Freiheitsstrafe. Diese Freiheitsstrafe wurde vom Kantonsgericht später im Berufungsverfahren auf 11 Jahre und 6 Monate gesenkt.

Der Beschuldigte zog die Sache vor das Bundesgericht und machte geltend, er sei vom Vorwurf der versuchten Tötung zum Nachteil der Hausbewohnerin freizusprechen und mit einer reduzierten Freiheitsstrafe von neun Jahren zu bestrafen. Er habe fest geglaubt, dass der Mann allein in der Wohnung sei, und habe nicht damit rechnen müssen, dass sich eine weitere Person in der Wohnung aufhalte. Dass er bei seinem abgegebenen Warnschuss in den Boden die sich in kauernder beziehungsweise gebückter Position hinter der Schlafzimmertür befindende Frau traf, habe er weder gesehen noch gewollt.

Bundesgericht heisst Beschwerde des Täters gut

Das Bundesgericht gab dem Täter nun recht und hiess dessen Beschwerde gut. Der Serbe habe beim Schuss ins Dunkle nicht damit rechnen müssen, die Frau zu treffen. Das Kantonsgericht habe angenommen, der Täter habe die Frau nicht wahrgenommen und sich einzig auf den Hausbewohner fokussiert. Er habe ins Dunkle und nicht in die Richtung einer Person geschossen. «Wenn die Vorinstanz davon ausgeht, der Beschwerdeführer habe die Beschwerdegegnerin 2 (die Hausbewohnerin, Anm. d. Red.) nicht, nicht einmal schemenhaft, wahrgenommen, konnte er somit nicht wissen, dass sich in seiner unmittelbaren Nähe nicht nur A. (der Hausbewohner, Anm. d. Red.), sondern auch noch eine weitere Person aufhielt», folgern die Richter. Deshalb könne dem Täter nicht vorgeworfen werden, «die mögliche Tötung einer weiteren sich im Haus befindlichen Person habe derart nahe gelegen, dass er mit dem Warnschuss ins Dunkle diese zumindest in Kauf genommen habe».

Das Bundesgericht hob deshalb das Urteil des Kantonsgerichts auf und wies die Sache zur neuen Beurteilung an dieses zurück. Zudem hat der Kanton Schwyz dem Anwalt des Täters eine Entschädigung von 3000 Franken zu entrichten.

Hinweis: Urteil des Bundesgerichts 6B_881/2018 vom 15. März 2019

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.