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Unfallursache geklärt: Windböe ist Schuld an Gondelabsturz in Schwyz

Die Untersuchung des Gondelabsturzes bei der Rotenfluebahn im Kanton Schwyz hat ergeben, dass eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen die Ursache war. Eine Windböe knallte die Gondel an einen Masten, worauf die Gondel 20 Meter in die Tiefe stürzte.
Andreas Seeholzer

Das Bild von der Unfallstelle sieht dramatisch aus. Eine Gondel liegt am Boden. Sie ist vom Seil in die Tiefe gefallen und wurde dabei zerstört. Wären Fahrgäste drin gewesen, sie hätten wohl kaum Überlebenschancen gehabt. Glücklicherweise war die Gondel leer. Der Unfall ereignete sich am Sonntag um zirka 11 Uhr bei der Rotenfluebahn oberhalb von Schwyz.

Die abgestürzte Kabine der Rotenflue-Gondelbahn. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Die abgestürzte Kabine der Rotenflue-Gondelbahn. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Die Belegschaft der Rotenfluebahn Mythenregion AG war am Sonntag wegen plötzlich geänderten Wetter- und Windverhältnissen bereits dabei, die Anlage zu schliessen und keine Gäste mehr zusteigen zu lassen, als kurz nach 11 Uhr eine leere Gondel abstürzte. «Für uns war im ersten Moment die wichtigste Information, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind», sagt Nathalie Henseler, Delegierte des Verwaltungsrates. Zur Zeit des Gondelabsturzes befanden sich noch Gäste auf der Anlage, die aber bereits in den Stationen gebeten wurden, auszusteigen. Es dauert maximal 20 Minuten, bis alle Gondeln geleert sind, in dieser Zeit ist der Zwischenfall passiert.

Stoos und Hoch-Ybrig hatten Betrieb eingestellt

Während des Nachmittags nahm die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle Sust die Untersuchungen auf und konnte die Bahn gegen Abend wieder freigeben. «Gemäss heutigen Erkenntnissen war es eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen, die zum Absturz der Gondel geführt haben: Es war eine aussergewöhnlich massive Windböe, die seitlich auf die leere Gondel traf, worauf diese so auspendelte, dass sie mit der Stütze kollidierte und in der Folge abstürzte», heisst es von der Bahn.

Die Gondel prallte in Masten sechs und stürzte ab. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Die Gondel prallte in Masten sechs und stürzte ab. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Luftseilbahn Sattel-Hochstuckli den ganzen Tag problemlos lief, während auf dem Stoos und im Hoch-Ybrig die Sesselbahnen geschlossen waren. Aufgrund von Sturmwarnungen waren die Sesselbahnen am frühen Morgen gar nicht erst in Betrieb genommen worden. «Es gibt sehr spezielle Windverhältnisse, die kaum voraussehbar sind», sagt dazu der Betriebsleiter der Stoosbahnen, Martin Langenegger, auf Anfrage unserer Zeitung.

Auf dem Stoos ereignete sich im März 2016 ein ähnlicher Zwischenfall wie nun auf der Rotenflue. Laut dem offiziellen Schlussbericht der Sust vom Oktober 2017 brachte eine starke Windböe einen Sessel der Stoosbahnen zum Absturz: Eine Böe lenkte den Sessel so weit in Gegenfahrtrichtung aus, dass dieser an einer Stütze hängen blieb und vom Seil gehebelt wurde. Auch beim Sesselliftunfall von damals war zum Glück niemand verletzt worden. Die zum Unfallzeitpunkt gemessene Spitzenböe von 85 Kilometer pro Stunde sei im Vergleich zu anderen Föhnereignissen nicht aussergewöhnlich, hielt die Sust damals fest. Wenige Minuten vor dem Absturz des bergwärts fahrenden Sessels beschlossen die Stoos-Mitarbeiter, die Anlage zu schliessen. Zum Unfallzeitpunkt war also auch bereits eine so genannte Schliessfahrt im Gang, damit die verbleibenden Reisenden die Anlage verlassen konnten.

«Verantwortungsvoll und situationsgerecht»

Die Sust bezeichnete das Vorgehen der Stoos-Mitarbeiter von damals als «verantwortungsvoll und situationsgerecht». Gemäss Sust war die Sesselliftanlage bei der Untersuchung am Tag nach dem Unfall in gutem Zustand. Es seien keine Hinweise auf bevorstehende Unregelmässigkeiten erkennbar gewesen, hiess es im Schlussbericht. Der abgestürzte Sessel und das Förderseil wurden beim Ereignis beschädigt. Die Sust sprach mit dem Schlussbericht weder Sicherheitsempfehlungen noch Sicherheitshinweise aus.

Trümmerteile liegen am Boden verstreut. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Trümmerteile liegen am Boden verstreut. (Bild: Kantonspolizei Schwyz, 20. Oktober 2019)

Bezogen auf die Bahn an der Rotenflue gab es am Sonntag den ganzen Vormittag keine Windprobleme, heisst es von den Verantwortlichen. Um 11 Uhr kam böiger Wind auf. «Dann schnellte die Anzeige des Windmessers plötzlich in den roten Bereich», so Betriebsleiter Remo Gwerder.

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