Rothenthurm soll mit einem 1,6 km langen Tunnel umfahren werden

In einem Jahr wird sich zeigen, ob die Rothenthurmer die Umfahrung ihres Dorfes und der Ersten Altmatt wünschen.

Franz Steinegger
Drucken
Die gestrichelte Linie zeigt die favorisierte Variante der Umfahrung. Unten im Bild die Erste Altmatt.

Die gestrichelte Linie zeigt die favorisierte Variante der Umfahrung. Unten im Bild die Erste Altmatt.

Bild: Erhard Gick

Der Gemeinderat Rothenthurm sucht in einem offenen Brief Mitglieder für die «Sonderkommission Umfahrung Rothenthurm». Zielpublikum sind nicht Ingenieure und Verkehrsexperten, sondern «Eltern, Gewerbevertreter, Vereinsmitglieder, Vertreter von Tourismus und Ortsparteien etc.», hält der Gemeinderat fest.

«Wir möchten die Umfahrung unseres Dorfes breit abstützen, damit wir dem Kanton das Signal geben, dass wir diese Strasse wirklich wollen», unterstreicht Gemeindepräsident Stefan Beeler das Anliegen. Denn nun soll das vor bald 20 Jahren gedanklich angestossene Projekt konkretisiert und im Verlauf der nächsten 10 bis 15 Jahre verwirklicht werden. Dazu braucht es eine kommunale Volksabstimmung: Rothenthurm muss 15 Prozent der Planungskosten – 172000 Franken – übernehmen. Der Kredit muss über eine Urnenabstimmung eingeholt werden, die voraussichtlich 2021 stattfindet.

Kostenschätzung geht von 128 Millionen Franken aus

Kantonsingenieur Daniel Kassubek erklärt auf Anfrage, dass das Tiefbauamt «keine weiteren Aktivitäten unternimmt, solange die Antwort aus Rothenthurm ausstehend ist». Im Klartext heisst das: Der Kanton wartet ab, wie die Abstimmung zum Planungskredit ausfällt. Erst danach wird die Planung weitergeführt. Im Jahr 2002 wurde mit dem Variantenstudium für eine Umfahrung des Dorfes Rothenthurm begonnen. In den Folgejahren klärten Experten Baugrund und Geologie ab. 2008 war der Variantenvergleich abgeschlossen.

Die obere Linie zeigt die geplante Umfahrung (gepunktet der Tunnelabschnitt). Die heutige Kantonsstrasse (untere rote Linie) würde ins Eigentum der Gemeinde übergehen.

Die obere Linie zeigt die geplante Umfahrung (gepunktet der Tunnelabschnitt). Die heutige Kantonsstrasse (untere rote Linie) würde ins Eigentum der Gemeinde übergehen.

Grafik: Tiefbauamt Kanton Schwyz

Als Favorit wurde die Variante Ost erkoren und im kantonalen Richtplan aufgenommen. Die insgesamt 2,45 Kilometer lange Umfahrung würde ab der Schweig/Biberegg von der Hauptstrasse abzweigen, durch einem 1,6 Kilometer langen Tunnel das Dorf bergwärts umfahren und nach der Ersten Altmatt die Strasse wieder in die H8 einmünden. «Wir haben eine erste grobe Kostenschätzung mit 128 Millionen Franken veranschlagt, allerdings mit der hohen Unsicherheit von plus/minus 30 Prozent», hält Kantonsingenieur Daniel Kassubek fest. Das Projekt ist im Strassenbauprogramm des Kantons enthalten und die Bauzeit von 2029 bis 2034 eingeplant, «wobei dies ein sehr sportlicher Fahrplan ist», unterstreicht Kassubek.

Die Gemeinde erwartet auch Opposition

Die Suche der Gemeinde nach Mitgliedern für die «Sonderkommission Umfahrung Rothenthurm» per offenen Brief soll das Projekt breit abstützen. Denn es gebe auch Opposition dagegen, beispielsweise von jenen, die wenig profitierten und trotzdem mitzahlen müssten oder von Lebensmittelgeschäften und Restaurants, die Umsatzeinbussen befürchten. Es sei deshalb wichtig, so Gemeindepräsident Stefan Beeler, dass man für das Anliegen sensibilisiere, denn das Dorf wird täglich von über 10000 Fahrzeugen durchquert.

Durch die Volksbefragung wird die Weiche gestellt, ob das verkehrsgeplagte Dorf eine Umfahrung wünscht. «Der Kanton wird nach Inbetriebnahme der Umfahrung die alte Kantonsstrasse durch das Dorf in einem funktionstüchtigen Zustand der Gemeinde übergeben oder die Gemeinde dafür entschädigen», erläutert Daniel Kassubek.