Kanton zum Schwanau-Knatsch in Schwyz: «Wir vertreiben niemanden»

Der Kanton Schwyz wehrt sich gegen den Vorwurf der Wuchermiete für die Insel Schwanau. Die bisherige Pacht für das Restaurant sei als Übergangslösung definiert gewesen.

Bote.ch/Erhard Gick
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Mit einem Pächterwechsel soll die Insel Schwanau wieder für alle Besucherinnen und Besucher zugänglich werden.

Mit einem Pächterwechsel soll die Insel Schwanau wieder für alle Besucherinnen und Besucher zugänglich werden.

Bild: Erhard Gick/bote.ch

Ein Lebenstraum auf der idyllischen «Staatsinsel» Schwanau droht zu zerbrechen. Der Kanton verlangt eine Wuchermiete. So titelte «Blick online» das Scheitern von Vertragsverhandlungen zwischen den derzeitigen Pächtern Hugo Lenzlinger und Partnerin Tanja Aebli mit dem Kanton Schwyz. «Die Insel Schwanau ist nicht für den Massentourismus gemacht», sagt Hugo Lenzlinger weiter.

«Wir wollen alles andere als Massentourismus für die Insel Schwanau. Was wir aber unbedingt wollen, ist eine Insel für alle, nicht nur für eine Klientel, die eine anspruchsvolle Gastronomie bevorzugt», kontert Peter Glanzmann, Vorsteher des kantonalen Hochbauamts und zuständig für die Insel Schwanau, auf Anfrage. «Und wir wollen niemanden von der Insel vertreiben. Die Insel soll aber nicht mehr exklusiv für wenige Gäste zugänglich bleiben», sagt er weiter.

Keine Einigung und sicher keine Wucherpreise

Die Insel soll wieder für eine breite Bevölkerungsschicht geöffnet werden. Wer die Insel besucht, soll künftig auch ohne Reservation wieder etwas konsumieren können. Aber auch für das Segment der gehobenen Gastronomie sei genügend Platz auf der Insel vorhanden. «Wir haben die Insel neu ausgeschrieben. Der neue Pächter soll unser von Gastroexperten ausgearbeitetes Konzept übernehmen. Offensichtlich geht das, denn wir haben bereits sechs interessante Bewerbungen erhalten», sagt Peter Glanzmann.

Der Kanton Schwyz, der die Insel verpachtet, will mehr Geld. «Viel mehr Geld. Statt 18'000 Franken pro Jahr nun 52'000 Franken, also das Dreifache», äussert sich Lenzlinger gegenüber dem «Blick». Das sei Wucher. Da lüpft es dem kantonalen Vorsteher des Hochbauamtes buchstäblich den Hut.

«Die Rechnung ist schnell gemacht. Die 52'000 Franken beziehen sich auf einen Jahresumsatz von 800'000 Franken, dies bei einem Basiszins von 6,5 Prozent. In der Gastronomie sind 8 bis 10 Prozent üblich. Die Mindestmiete beträgt, wird dieser Umsatz nicht erreicht, 45'000 Franken», rechnet Peter Glanzmann vor. Ausserdem würden der kleine Unterhalt der Insel und der Fährbetrieb mit 6000 beziehungsweise 7000 Franken entschädigt.

Wirte verlassen Insel Ende Oktober

Den ganzen groben Unterhalt – in den letzten drei Jahren 300'000 Franken plus Bootsunterhalt und Serviceverträge etc. – übernimmt der Kanton. «So kommen wir auf einen Pachtzins von 32'000 Franken», hält Peter Glanzmann weiter fest. Drinnen und draussen können insgesamt 80 Gäste bewirtet werden. Spätestens Ende Oktober ist für Hugo Lenzlinger und Tanja Aebli aber das Ende in Sicht. Sie müssen die Insel verlassen.

Seitens des Kantons wird ausserdem festgehalten, dass der bisherige tiefe Pachtzins für eine Übergangszeit bestimmt war und danach neu verhandelt werde. «Die Insel Schwanau gehört der Bevölkerung. Sie soll wieder für alle zugänglich sein. Auch mit dem Fährbetrieb werden wir Lösungen finden und feste Transferzeiten auf die Insel ins Auge fassen. Der Fährbetrieb wird weiterhin entschädigt», betont Peter Glanzmann.

Das derzeitige Pächterpaar Hugo Lenzlinger und Tanja Aebli konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden (Wirtesonntag).

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