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Interview

Schwyzer Lehrerverbandspräsident nach Kündigungswelle in Küssnacht: «Nicht die Faust im Sack machen»

An den Bezirksschulen Küssnacht ist es zu mehreren Kündigungen gekommen. Koni Schuler, Präsident des Lehrerverbands, empfiehlt den involvierten Personen, das Gespräch zu suchen.
Edith Meyer
Koni Schuler. (Bild: PD)

Koni Schuler. (Bild: PD)

Eine Kündigungswelle an den Bezirksschulen Küssnacht verunsicherte Eltern, den Elternrat und den Elternverein. Neun Lehrpersonen und eine Schulleiterin haben gekündigt. Vor kurzem hat der Bezirksrat Massnahmen beschlossen: Die Leitung der Schulhäuser Seematt I und II wird wieder auf zwei Personen verteilt. Der Bezirksrat sieht zudem die Notwendigkeit einer Pensenerhöhung für die Schulleitungen Seematt und eine Reorganisation der Schuladministration. Nun äussert sich Koni Schuler, Präsident des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Schwyz (LSZ), zur Situation.

Setzen Sie sich als Präsident des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Schwyz (LSZ) auch für die Küssnachter Lehrpersonen ein?

Koni Schuler: Der LSZ setzt sich für alle Lehrpersonen im Kanton Schwyz ein, die Mitglied sind, selbstverständlich also auch für die Lehrerinnen und Lehrer im Bezirk Küssnacht. Der LSZ wird direkt vor Ort aktiv, wenn einzelne Lehrpersonen oder ganze Teams sich bei ihm melden. Wenn ich angefragt werde, berate ich einzelne Lehrpersonen oder die Teams und zeige ihnen auf, welche Wege und Massnahmen ich als sinnvoll erachte. Wenn die Anliegen rechtliche Schritte zur Folge haben, können sich die Mitglieder des LSZ via die Mitgliedschaft an eine Rechtsschutzversicherung wenden, die die Anliegen prüft und allenfalls rechtliche Schritte einleitet und rechtliche Verfahren weiterverfolgt.

Wie nimmt der LSZ seine gewerkschaftliche Funktion wahr?

Der LSZ unterstützt die Lehrpersonen namentlich durch die Vertretung ihrer ideellen und materiellen Interessen gegenüber von Behörden und der Öffentlichkeit. Er unterstützt, berät und informiert in Fragen der Anstellung und der Berufsausübung. Er fördert die allgemeine und berufliche Aus- und Weiterbildung. Er unterstützt Massnahmen für die soziale Sicherheit. Er fördert und pflegt die Kontakte innerhalb der Lehrerschaft. Im Bezirk Küssnacht gibt es die Lehrervereinigung Küssnacht LVK. Sie ist eine Regionalsektion des LSZ.

Einzelne Lehrpersonen haben Angst vor Repressalien. Was sagen Sie dazu?

Mir ist die aktuelle Situation in Küssnacht fast nur aus den Medienberichten bekannt. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Wenn dem so ist, so wäre dies eine unerfreuliche Situation.

Welche Gründe hat die Unzufriedenheit der Lehrer?

Wie unzufrieden die gesamte Lehrerschaft in Küssnacht ist, kann ich schlecht beurteilen. Die neueste Arbeitszeiterhebung des LCH zeigt für die Lehrerschaft im ganzen Kanton Schwyz auf, dass gegen vier Fünftel der Lehrpersonen mit ihrem Beruf zufrieden oder sehr zufrieden sind. Vom restlichen Fünftel sind nur ganz wenige sehr unzufrieden oder unzufrieden. Es gibt viele Schulorte, an denen der Schulbetrieb gut funktioniert. Die Geschäftsleitung stellt in letzter Zeit fest, dass Probleme vor allem dort auftauchen, wo zwischen der Politik (Gemeinde- oder Bezirksrat, Gemeinde- oder Bezirksschulrat einerseits und Lehrerschaft anderseits) noch mehrere Hierarchiestufen eingebaut sind, also beispielsweise Schulleitungen und ein Rektorat wie in Küssnacht und an der Sek eins March in Buttikon. Weniger Probleme gibt es offenbar an Schulen, wo die schulleitenden Personen noch nahe an der Basis sind und beispielsweise vielleicht auch noch ein paar Lektionen unterrichten.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie von einem «Klima der Angst» in Schulhäusern hören?

Ein Klima der Angst ist immer unschön und nicht zielführend. Lehrpersonen sind Fachleute des Unterrichts und des Unterrichtens. Sie sind die Hauptpersonen im täglichen Schulbetrieb. Wenn sie verunsichert sind, hat das auch immer negative Folgen im Unterricht und für die Schulkinder. Ein Klima der Angst ist folgedessen möglichst stets zu vermeiden oder bei Vorhandensein schnell und allenfalls von verschiedenen Seiten her anzugehen.

Welche Anlaufstellen haben Lehrpersonen?

Lehrpersonen haben verschiedene Möglichkeiten. Sie können sich von mir als Präsident des LSZ beraten lassen, wenn sie Mitglied sind. Sie können sich beim Vorstand der Lehrervereinigung Küssnacht melden und dort ihre Anliegen einbringen. Falls es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommt, können sie sich via die Rechtsschutzversicherung des LSZ für ihre Rechte einsetzen. Einzelne Lehrpersonen können sich aber auch bei der Beratung der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau mit ihren Anliegen melden. Die ersten drei Stunden der Beratung sind kostenlos. Auch ganze Lehrerteams können sich Hilfe holen bei der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau. Die Lehrpersonen können sich zudem bei der Schulaufsicht des Kantons melden.

Was empfehlen Sie betroffenen Lehrpersonen?

Ich rate den Lehrpersonen, nicht die Faust im Sack zu machen, sondern sich abzusprechen, sich zu vernetzen und sich gemeinsam für ihre Anliegen zu wehren und einzusetzen, auch wenn das vor Ort jeweils schwierig ist. Wie oben erwähnt, gibt es aber ausserhalb der örtlichen Strukturen verschiedene Ansprechpartner, die kontaktiert werden können.

Auch Eltern sind verunsichert. Was raten sie ihnen?


Eltern können sich mit ihren Anliegen an die Lehrpersonen, die Schulleitungen, das Rektorat, den Bezirksschulrat oder den Bezirksrat wenden.

Was läuft Ihrer Meinung nach schief an den Küssnachter Volksschulen?

Aktuell bin ich nicht direkt in die Vorkommnisse an den Küssnachter Volksschulen involviert. Bekannt ist mir aber aus vielen Gesprächen, dass an den Küssnachter Volksschulen seit Jahren mehrmals Probleme auftauchten und auftauchen. Inwieweit das mit den örtlichen Strukturen und den involvierten Personen auf den verschiedensten Stufen zu tun hat, kann ich aber von aussen nicht direkt beurteilen.

Was ist der richtige Weg, um den guten Ruf der Küssnachter Schulen wieder herzustellen?

Grundsätzlich rate ich allen in Küssnacht involvierten Personen von der einzelnen Lehrperson bis hinauf zum Bezirksrat, vermehrt und offen das Gespräch miteinander zu suchen und neues Vertrauen aufzubauen. Es sollte auch geklärt werden, warum gerade beispielsweise in Küssnacht in den letzten Jahren mehrmals sich schwierige Situationen ergeben haben. Der LSZ ist immer bereit, bei Gesprächen mitzuwirken und mitzuberaten, wenn er eingeladen wird. Dasselbe gilt in ganz besonderem Masse für meine Person. Wenn ich aber nicht involviert werde, habe ich keine Veranlassung, mich von aussen einzumischen oder aufzudrängen.

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