Schwyzer Umweltdepartement-Vorsteher René Bünter erhält Unterstützung von Bürgerlichen

Der in der Kritik stehende Regierungsrat René Bünter (SVP) erhält Rückendeckung von den bürgerlichen Parteipräsidenten – nicht aber von den Sozialdemokraten.

Jürg Auf der Maur
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Polarisiert: Regierungsrat René Bünter. (Bild: sz.ch)

Polarisiert: Regierungsrat René Bünter. (Bild: sz.ch)

«Die Regierung steht geschlossen hinter ihrem Ratsmitglied René Bünter.» Dies stellt SVP-Präsident Roland Lutz fest. Er nimmt damit «seinen Regierungsrat» aus der Schusslinie.

Zur Erinnerung: Die Arbeitsbedingungen im Schwyzer Umweltdepartement geben zu reden. Departementschef Bünter steht aufgrund seines Führungsstils in der Kritik. So sei ihm bereits mehrmals der Kragen geplatzt (Ausgabe von gestern).

Was dies genau heisst, darüber kursieren unterschiedliche Gerüchte. Von «Zusammenschiss» und «Anpfiff» ist die Rede, von 3000 Mails, SMS und Whatsapps innerhalb eines Jahres an einen einzelnen Mitarbeitenden. Tatsache ist, dass sich der Personalverband in den letzten Monaten zweimal schriftlich an den Gesamtregierungsrat gewandt hat. Nun läuft ein Coaching (siehe Kasten).

SVP nimmt Bünter in Schutz

SVP-Präsident Roland Lutz versteht das «Coaching» als «Prozessbegleitung» für das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (Anjf) und nicht nur für den nun breit kritisierten Regierungsrat. Zudem gelte, so Lutz, die alte Regel: «Wo gehobelt wird, fliegen ab und zu auch Späne.» Bünter habe realisiert, dass seine Kommunikation nicht immer ideal sei.

Weniger als der eigene Parteipräsident nimmt dagegen SP-Präsident Andreas Marty Regierungsrat René Bünter in Schutz. Doch selbst er will keine Rücktrittsforderung stellen. Wichtig sei, dass nun alles abgeklärt werde. Jemand, der sich so gegenüber Mitarbeitern verhalte, verliere wohl auch gegen aussen ab und zu die Haltung, meint Marty und ergänzt: «Deshalb gilt es, zu schauen, ob von seiner Art auch die Departementsführung oder Bevölkerungsteile, die mit ihm in Kontakt kommen, betroffen sind.» Aber eigentlich bewahrheite sich jetzt nur, was vor den Wahlen schon klar gewesen sei. Bünter sei «ein politischer Haudegen», so Marty. Die SP werde ihn bei den kommenden Wahlen im Frühling «selbstverständlich nicht unterstützen», das habe die Partei ja vorher schon so gemacht. «Ganz speziell» findet Marty, dass ausgerechnet FDP-Regierungsrat Kaspar Michel nun seinen SVP-Kollegen massregeln müsse, welchem die FDP mit dem Platz auf ihrer Liste die Wahl wohl erst ermöglicht habe.

FDP sieht Regierung in der Pflicht

Zurückhaltend gibt sich denn auch FDP-Präsidentin Marlene Müller. Die Wollerauerin erklärt, in dieser Frage eigentlich Aussenstehende zu sein. Sie wisse nicht, was in der Regierung und der Verwaltung tatsächlich laufe. Es sei deshalb «richtig, wenn die Regierung handelt, wenn sie Handlungsbedarf sieht». Rücktrittsforderungen zu stellen, liege nicht an ihr, ergänzt Müller. «Das Volk wird im kommenden Frühling bei den Wahlen entscheiden, ob und was es akzeptiert und was nicht.»

Auch CVP-Präsident Bruno Beeler tritt auf die Bremse, selbst wenn die Vorgänge «ziemlich einmalig» seien. Es gelte, zwischen der Innen- und Aussensicht zu unterscheiden. «Bünters Kommunikation mag harsch sein, aber an seiner Arbeit kann nicht gerüttelt werden.» Bünter sei kein «Enfant terrible».

Wer zahlt die Coaching-Kosten?

Gestern wurde bekannt, dass die Regierung mit Regierungsrat René Bünter (SVP) einen Coaching-Prozess vereinbart hat. «Die Regierung hat das nach dem Aufkommen der Unsicherheiten und Klagen ausdrücklich verlangt», erklärte Landammann Kaspar Michel im Interview mit dem «Boten der Urschweiz». Es sei begrüssenswert, dass «sich der Regierungsrat interner Probleme professionell annimmt und die laut gewordene Kritik ernst nimmt», hält Kantonsrat Dominik Blunschy (CVP, Schwyz) fest. Es sei aber schon «erstaunlich, dass diese Massnahmen bei einem Regierungsrat überhaupt nötig sind». Vorstoss zum Coaching eingereicht Jetzt gibt es bereits einen parlamentarischen Vorstoss: Mit einer Kleinen Anfrage erkundigt sich Blunschy nach den Kosten, die durch diese Massnahme entstehen. Er will von der Regierung unter anderem wissen, was dieses Coaching pro Monat koste, seit wann es laufe und wer für das Coaching bezahle respektive aus welchem Budgetposten es finanziert werde. (adm)