Der Schwyzer «Würger» soll nun doch hinter Gitter

Im Streit würgte er den Sohn seiner Freundin. Dafür wurde ein türkischstämmiger Schweizer ursprünglich wegen einfacher Körperverletzung verurteilt. Das Kantonsgericht kam nun aber zum Schluss, dass es sich doch um versuchte vorsätzliche Tötung handelt.

Ismail Osman
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Das Kantonsgericht Schwyz hob einen Entscheid der Vorinstanz teilweise auf und sprach eine härte Strafe aus. (Keystone/Ennio Leanza)

Das Kantonsgericht Schwyz hob einen Entscheid der Vorinstanz teilweise auf und sprach eine härte Strafe aus. (Keystone/Ennio Leanza)

Gewinner gibt es in diesem Fall keine. In der Vorweihnachtszeit 2014 eskalierte in Ausserschwyz ein Familienstreit. Ursprünglich handelte es sich um eine verbale Auseinandersetzung zwischen einer Mutter und ihrem volljährigen Sohn. Dem Freund der Mutter missfiel die Tonart des Sohnes aber dermassen, dass er sich in den Streit einschaltete.

Was in der Folge geschah, musste 2016 bereits das Schwyzer Strafgericht und nun auch das Kantonsgericht zu rekonstruieren versuchen. Es kam zu Provokationen, Drohungen und schnell zur tätlichen Auseinandersetzung. Diese mündete darin, dass der Freund der Mutter, ein damals rund 50-jähriger türkischstämmiger Schweizer, den Sohn zu Boden rang und würgte. Danach sei der Mann zur Küche gegangen, um ein Messer zu holen. Die Situation endete damit, dass der Sohn aus der Wohnung fliehen konnte. Beide Männer mussten sich vor Gericht für ihre Rolle in dem Vorfall verantworten.

Strafgericht konnte keinen Vorsatz nachweisen

Wie sehr und mit welcher Absicht der Mann den Sohn würgte, stand im Zentrum der darauffolgenden Gerichtsverhandlung. Dem Antrag der Anklage, den Mann mit einer unbedingten vierjährigen Haftstrafe unter ­anderem wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu bestrafen, folgte das Strafgericht nicht. Dem Beschuldigten lasse sich, obschon sich dieser in Rage befand, kein Tötungsvorsatz nachweisen, hiess es damals.

Der Mann wurde letztlich wegen einfacher Körperverletzung, mehrfacher Tätlichkeiten und Drohung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 110 Franken sowie zu einer unbedingten Busse von 500 Franken verurteilt. Die Staatsanwaltschaft gab sich mit diesem Urteil allerdings nicht zufrieden und meldete umgehend Berufung an. Das Kantonsgericht rollte den Fall in der Folge nochmals auf und kommt zu anderen Schlüssen.

Im Zorn den Tod in Kauf genommen

Das nun vorliegende Urteil verweist unter anderem auf mehrere ähnlich gelagerte Fälle, bei denen ein Schuldspruch wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung vom Bundesgericht bestätigt wurde. Für das Kantonsgericht sei letztlich die Tatsache entscheidend, dass der Beschuldigte selbst dann noch nicht aufhörte den jungen Mann zu würgen, als dieser seinen Bruder um Hilfe rief und zu röcheln begann. Dieser Griff dann ein und zerrte den Freund der Mutter weg. «Selbst wenn der Beschuldigte darauf vertraut haben sollte – was weder behauptet noch erstellt ist –, dass einer der Anwesenden rechtzeitig eingreifen würde, bliebe es dem Zufall überlassen, ob dieses Einschreiten rechtzeitig, das heisst vor Eintritt des Todes des Privatklägers erfolgt wäre», ist im vorliegenden Urteil zu lesen. Das Kantonsgericht zieht daraus folgenden Schluss: «In seinem Zorn nahm er folglich vielmehr den Tod des Privatklägers in Kauf und handelte somit eventualvorsätzlich.»

Das Kantonsgericht hebt das Urteil der Vorinstanz teilweise auf und spricht den Mann der ­versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig. Er wird mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren bestraft, wovon er 8 Monate unbedingt absitzen muss. Seinem Opfer muss er Schadenersatz, Genugtuung und Aufwendungen von insgesamt über 10000 Franken erstatten. Weiter werden ihm die Verfahrenskosten von rund 26000 Franken auferlegt.