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Suiziddrohungen: Care Teams helfen, das Unbegreifliche zu verstehen

Wie findet man die richtigen Worte, wenn Menschen mit dem Suizid drohen? Notfallseelsorgen und Care-Teams sind regelmässig mit solchen Äusserungen konfrontiert. Solche Vorfälle zu verarbeiten, ist selbst für erfahrene Helfer herausfordernd.
Ismail Osman
Auch bei schweren Verkehrsunfällen mit Toten stehen die Care-Teams zusammen mit den Blaulicht-Organisationen im Einsatz. (Bild: Keystone/Kantonspolizei Aargau)

Auch bei schweren Verkehrsunfällen mit Toten stehen die Care-Teams zusammen mit den Blaulicht-Organisationen im Einsatz. (Bild: Keystone/Kantonspolizei Aargau)

Es liegt in der Natur der Sache, dass man bei der Notfallbetreuung mit Menschen in Extremsituationen konfrontiert ist. Nicht selten werden dabei suizidale Absichten geäussert. Sätze wie «Es ginge allen besser, wenn ich weg wäre» oder «Ich habe ein Döschen Tabletten, die kann ich nehmen, und dann bin ich weg», kennen die Mitglieder von Notfallseelsorgen und Care-Teams nur zu gut. So auch das Care- Team Schwyz.

Der Verein hat sich und seine Arbeit gestern im Campus Sursee, im Rahmen einer internationalen Fachtagung für Psychosoziale Notfallversorgung, vorgestellt. Rund 250 Teilnehmer aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland nahmen daran teil. Care-Teams, wie jenes von Schwyz, werden bei Ereignissen mit Toten wie Verkehrs- oder Arbeitsunfällen, bei Vermisstmeldungen oder bei Suiziden gerufen. Gestern erzählten die Schwyzer Fallbeispiele, bei denen Mitglieder des Freiwilligenvereins, genannt Care Givers (zu Deutsch: Betreuungsperson), auf Suizidandrohungen reagieren mussten.

Vorgefallenes ansprechen

So etwa bei einer Person, die soeben und plötzlich ihren Ehepartner verloren hatte. Vor Ort hörte das gerufene Zweierteam, wie die Person beiläufig sagte, dass sie dem Verstorbenen bald folgen würde. Wie ernst muss man eine solche Äusserung in einem solchen Moment nehmen? Wie reagiert man darauf? Und was sagt man? «Das Ziel muss immer sein, dass die zu betreuende Person eine erste Einord- nung des Vorgefallenen machen kann», erklärt Christoph Roos, scheidender Präsident des Care- Teams Schwyz. Für jeden, der sich mit einer Suiziddrohung konfrontiert sieht, gilt in diesem Moment dasselbe wie für das Care-Team: Man fragt als Erstes nach, was genau vorgefallen ist. «Um jemandem erzählen zu können, was passiert ist, muss man es im Kopf bereits ein erstes Mal einordnen. Das allein kann schon helfen, sich vom Sackgassen-Denken und damit auch vom ­Suizidgedanken zu lösen.»

Unter den 18 Aktivmitgliedern des Care-Teams Schwyz sind zwar auch solche mit einem Hintergrund in Psychologie, dennoch der Umgang mit solchen Situationen ist auch für sie eine Herausforderung. «Man muss vor Ort abschätzen, wie ernsthaft es der Person mit den Suizidabsichten ist. Und man muss abschätzen, ob man die Verantwortung für die Betreuung übernehmen kann oder Hilfe von Fachpersonen in Anspruch nehmen muss.» Liegt der Verdacht nahe, dass eine Person akut an Leib und Leben gefährdet ist, muss zur rechten Zeit auch die Polizei eingeschaltet werden. Mitglieder von Care-Teams müssten entsprechend auch ihre eigenen Grenzen der Belastbarkeit kennen, so Roos. Die Einsätze seines Care- Teams würden denn auch festen Regeln folgen. So stehen immer zwei Care-Giver gemeinsam im Einsatz, während eine dritte Person als Einsatzzentrale fungiert. Die Einsätze vor Ort dauern nicht länger als vier Stunden, ansonsten muss ein weiteres Zweiergespann aufgeboten werden und das erste ablösen. «Wir leisten psychosoziale Erste Hilfe», erklärt Roos. «Genau wie der Rettungssanitäter sind wir nicht dafür da, den ganzen Genesungsprozess einer Person zu begleiten, sondern im ersten Moment Hilfe zu leisten.»

Nachbearbeitung ist psychologisch essenziell

Rund 20 Fälle jährlich hat das Schwyzer Care-Team jährlich zu bewältigen. Die interne Nachbearbeitung der Einsätze ist ein weiterer Aspekt, der bei Organisationen wie dem Schwyzer Care-Team von enormer Wichtigkeit ist. Eine gründliche Aufarbeitung der Einsätze sei wesentlich für den eigenen «Klärungsprozess», sagt Roos. «Das beginnt schon damit, dass die beiden Care-Giver, die gemeinsam im Einsatz standen, direkt danach eine erste, halbstündige Besprechung des Einsatzes führen. Danach werden Protokolle erstellt, in denen die betroffenen Personen anonymisiert werden. Dies diene auch dazu, Abstand zu gewinnen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Fälle nochmals innerhalb des gesamten Teams besprochen.

Bleibt die Frage, was das für Menschen sind, die sich frei­willig in Extremsituationen begeben, wo sie mit Tod, Trauer oder eben auch Suizidabsichten konfrontiert werden? Christoph Roos: «Es sind engagierte Personen, die der Gesellschaft durch ihre ehrenamtliche Arbeit etwas zurückgeben wollen.»

Hinweis
Mehr Informationen: www.sv-psnv.ch und www.careteamschwyz.ch

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