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Sihlsee verwandelt sich in eine Wüstenlandschaft

Ein niederschlagsarmer Winter, ein trockener April: Die sich anbahnende Wasserknappheit sorgt vielerorts für spektakuläre Bilder.

Erhard Gick
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Der Sihlsee ist so trocken wie selten in den letzten Jahren.
10 Bilder
Der Wasserstand ist für Mitte April nichts Aussergewöhnliches.
Allerdings müsste er ab jetzt durch das in diesem Jahr fehlende Schneeschmelzwasser steigen.
Die Sihl (Bild) und die Minister sind die beiden Zuflüsse in den Sihlsee.
Der ansonst blaue Sihlsee gleicht zurzeit einer Marslandschaft.
Der Sihlsee bei Euthal.
Ein Bootssteg am Sihlsee bei Euthal
Diese öffentliche Feuerstelle liegt nicht mehr am See.
Je nördlicher der Sihl, umso mehr Wasser führt er: Grund ist die Staumauer des Etzelwerks bei Egg.
Ruderboote stehen am Ufer des Sihlsee.

Der Sihlsee ist so trocken wie selten in den letzten Jahren.

Bild: Silva Schnurrenberger / Keystone (23. April 2020)

Es ist augenfällig. Auch grössere Bäche führen fast kein Wasser mehr. Der Pegelstand des Lauerzersees ist mit 446,80 Metern über Meer rekordmässig tief (Stand 23. April), fast 1,1 Meter unter dem Stand des Vorjahres und rund 20 Zentimeter unter dem Stand des Dürrejahres 2018, wo am 23. April 2018 ein Pegelstand von 447,00 Metern über Meer gemessen wurde. Die Uferpartien machen die Wasserknappheit bereits gut ersichtlich. «Es ist sichtbar, wie wenig Wasser einzelne Gewässer führen, insbesondere kleine Fliessgewässer», sagt Christian Bommer, Vorsteher des Amts für Wasserbau des Kantons Schwyz. Zurückzuführen sei dies vor allem auf den niederschlagsarmen Winter. «Es braucht jetzt eine Periode von zwei bis drei Wochen Regen, um das wieder auszugleichen», sagt Christian Bommer.

Die Steineraa, die üblicherweise im März bis in den April recht viel Schneewasser aus dem Einzugsgebiet Hunds-Chotten hinter der Biberegg führt, ist zu einem vergleichsweisen Rinnsal verkommen. Der Gründelisbach in Seewen und der Nietenbach in Schwyz werden ebenfalls demnächst trocken sein oder fast kein Wasser mehr führen. «Aus unserer Sicht ist es noch nicht so alarmierend wie im Sommer 2018», sagt Christian Bommer. «Damals kam noch die grosse Sommerhitze dazu. Wir mussten Bäche ausfischen, weil das Wasser zu warm war. Oft wussten wir fast nicht mehr, wo wir die Fische wieder einsetzen können.» Wenigstens «überhitzen» derzeit die Gewässer noch nicht.

Sihlsee mit sehr tiefem Wasserstand

Keinen Pegelstandsmesser gibt es im Sihlsee. Nur, dort braucht es auch keinen: Grosse Sandbänke rund um den See sind auszumachen und repräsentieren die immense Trockenheit.

Das hintere Seebecken des Sihlsees ist trocken.

Das hintere Seebecken des Sihlsees ist trocken.

Bilder: Erhard Gick

Vor Willerzell kann weit im Seebecken gewandert werden, bei Euthal sucht man den gar See vergebens. Und ironischerweise hat es im Hoch-Ybrig noch Schnee, der die Bäche und den Sihlsee speisen könnte – nur sind die Schneemengen dafür zu spärlich.

Der Schiffsteg bei Willerzell (unten) ist unbenutzbar.

Der Schiffsteg bei Willerzell (unten) ist unbenutzbar.

Wie Christian Bommer erläutert, spüre man bereits, dass das Wasser in allen Teilen knapp werde. «Wir haben bereits zahlreiche Gesuche zum Bewässern erhalten. Wir regeln das schnell und unkompliziert», sagt Christian Bommer. Auf der Website des Kantons – unter Umweltdepartement, Amt für Wasserbau – ist ein entsprechendes Merkblatt aufgeschaltet.

Sichere Stromproduktion in den Muota-Kraftwerken

Antizyklisch sieht es beim Vierwaldstättersee aus. Die Schneeschmelze in den Urner Alpen sorgt dafür, dass der Pegelstand normal ist. 433,54 Meter über Meer war er am 23. April, tendenziell leicht steigend.

Problemlos sieht es auch im Muotatal aus: «Die Schneeschmelze beginnt üblicherweise Mitte März bis Mitte April und dauert bis zirka Mitte Juni. Die Muota führt genügend Wasser für die Stromproduktion», sagt Jonas Bürgler, Leiter Energie beim Elektrizitätswerk des Bezirks Schwyz (EBS). Die Schmelze habe heuer zwar etwas früher begonnen, und es habe auch nicht so grosse Mengen Schnee gegeben wie in anderen Jahren, aber die Stromproduktion sei gesichert. Bürgler sagt: «Wir verzeichnen keine Probleme.»