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Streit um altes Badehaus in Ingenbohl gefährdet geplante Renaturierung an Vierwaldstättersee

Das Seeufer in der Hopfräben soll umgestaltet werden. Dafür soll ein altes Badehaus aus den Vierzigerjahren abgebrochen werden. Dagegen wehrt sich der Heimatschutz und verweist auf den berühmten Erbauer des Holzhauses.
Stephanie Zemp

Seit bald 75 Jahren trotzt eine Holzhütte in der Hopfräben den Föhnstürmen, die regelmässig über Brunnen hinwegfegen. Sie steht direkt am Ufer, versteckt hinter Hecken, mit Ausblick auf See und Berge. Nebenan baden im Sommer Einheimische und die Gäste des angrenzenden Campings Hopfräben.

Im Rahmen eines Renaturierungprojekts soll der Bau aus den Vierzigerjahren abgerissen werden. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens hat der Schwyzer Heimatschutz Einsprache erhoben. Er verlangt, dass das gemäss Denkmalpflege schutzwürdige Badehaus von Architekt Paul Schoeck unter Schutz gestellt wird. Der Gemeinderat Ingenbohl-Brunnen hat die Einsprache abgelehnt und die Baubewilligung – und damit auch die Bewilligung für den Abbruch – erteilt. Dagegen hat der Heimatschutz Mitte Juli beim Regierungsrat Beschwerde eingelegt – das Verfahren läuft noch.

Der Brunner Paul Schoeck (1882–1952) wurde bekannt, weil er die Geschichte des Tells in Schwyzer Mundart übersetzt hat. Sein architektonisches Wirken blieb lange Zeit unbeachtet, wie der Schwyzer Heimatschutz auf Anfrage mitteilt. Doch hätten seine Bauten das Dorf Brunnen entscheidend geprägt: Neben dem Badehaus sind etliche weitere Gebäude, wie das alte Schützenhaus, das reformierte Kirchgemeindehaus sowie private Wohnhäuser Zeugen seines Wirkens.

Diverse Bauten von Schoeck wurden bereits unter Schutz gestellt. Aus Sicht des Schwyzer Heimatschutzes ist auch das Badehaus zu erhalten. «Hinzu kommt, dass das Interieur aus der Originalzeit noch grösstenteils erhalten ist», führt Präsidentin Isabelle Schwander aus.

Der Abriss des Badehauses ist Teil einer grossangelegten Umgestaltung des Seeufers und der angrenzenden Naturschutzzone. So will der Kanton die Hopfräben unter anderem als Lebensraum von Fischen und Amphibien aufwerten. Zu diesem Zweck soll der Damm, der einige Dutzend Schritte nach dem Badehaus beginnt, teilweise rückgebaut werden. Als Kompensation soll im kommunalen Teil die Erholungszone rund um das Badehaus von Schoeck vergrössert werden.

Wann verfallen die Bundesbeiträge?

Der Rückbau des Damms, der in einem Flachmoor von nationaler Bedeutung liegt, ist für diesen Herbst vorgesehen. Der Streit um den Abriss des Badehauses könnte diesen Fahrplan verzögern. Zwar ist die Renaturierung weiter hinten am Ufer nicht Teil der kommunalen Massnahmen, da aber die Zufahrt zum Damm genau an der Hütte vorbeiführt, muss vorerst abgewartet werden. Pikant dabei: Wenn mit den Arbeiten beim Damm nicht bis im Herbst begonnen wird, verfallen laut Ingenbohls Gemeindepräsidentin Irène May die dafür gesprochenen Bundesbeiträge. Gemäss Schwander vom Heimatschutz sei dies jedoch erst Ende 2019 der Fall.

Der Heimatschutz glaubt, dass die Umgestaltung des Ufers auch ohne Abbruch des Badehauses möglich ist. «Wir könnten uns vorstellen, dass es zum Beispiel zu einem kleinen Kulturort für sporadische Lesungen oder Ausstellungen umfunktioniert werden könnte», sagt Schwander. Tatsächlich stand die alternative Nutzung von Schoecks Erbe schon zur Diskussion: «Es gab den Vorschlag, das Badehaus als Natur-Pavillon oder Infopoint zu gestalten», erklärt Irène May. Entsprechende Abklärungen ergaben jedoch, dass eine öffentliche Nutzung nicht möglich ist. «Bleibt das Gebäude stehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es unter- oder gar ungenutzt als blosses Baudenkmal fortbesteht» sagt May auf Anfrage.

Um den Zeitplan des Gesamtprojekts nicht zu gefährden, will der Gemeinderat die Frage der Unterschutzstellung des Badehauses losgelöst von der übrigen Baubewilligung behandelt haben. Die anderen Massnahmen in der Erholungszone sind unbestritten. Der Regierungsrat wird demnächst darüber entscheiden.

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