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Interview

Top-Absolventin aus Küssnacht über die Arbeit als Tierärztin: «Nur Freude an Tieren reicht nicht»

Von 50 Absolventen der Vetsuisse-Fakultät Zürich hat Steffi Imhof als Beste mit der Note 5,75 abgeschlossen. Die 26-jährige Tierärztin spricht im Interview über Nachtdienste, die 14 Stunden dauerten, und warum ein Gitzi im Katzenkistli landete.
Edith Meyer
Steffi Imhof mit ihrer Auszeichnung, dem Alumni-Preis. (Bild: Edith Meyer)

Steffi Imhof mit ihrer Auszeichnung, dem Alumni-Preis. (Bild: Edith Meyer)

Steffi Imhof, warum wollten Sie Tierärztin werden?

Schon als Kind war ich viel von Tieren umgeben, weil ich auf einem Bauernhof in Vitznau aufgewachsen bin. Nach der Kanti war für mich darum klar, dass ich keinen Beruf ergreifen wollte, bei dem man im Büro sitzen muss.

Wie fühlt man sich mit dem Alumni-Preis als Anerkennung für die beste Abschlussprüfung in Veterinärmedizin am Standort Zürich?

Ich habe es nicht erwartet. Das Studium dauert fünfeinhalb Jahre. Es war eine lange und anspruchsvolle Zeit. Zwar bin ich stolz auf den Abschluss. Die Note 5,75 steht für mich jedoch im Hintergrund. Schön ist für mich, dass nun das Studium vorbei ist und ich nun arbeiten kann.

Was hat Sie während des Studiums besonders geprägt?

Die Nachtdienste im Tierspital Zürich. Als Studentin der tiermedizinischen Fakultät habe ich dort 14-stündige Nachtdienste geleistet, meistens nur mit Studenten. Pfleger oder Assistenzärzte waren auf Pikett. Das Gute an den Nachdiensteinsätzen war: Ich lernte zu entscheiden und selbstständig zu arbeiten. Auch musste ich während des Studiums dort die Verantwortung für das Tierwohl alleine übernehmen.

«Illegale Nachtarbeit: Uni Zürich beutet Studenten aus», so stand es in den Schlagzeilen.

Das hat sich tatsächlich geändert. Es wurde ein Schichtbetrieb mit ­kürzeren Arbeitszeiten von 7 statt 14 Stunden eingeführt. Die Studierenden leisten aber dadurch noch mehr Dienste.

Haben Sie einen speziellen Fall erlebt während des Nachtdienstes?

Einmal betreute ich eine Kuh mit einer starken Euterentzündung. Ich sass die ganze Nacht neben der Kuh und musste sie alle zwei Stunden von Hand melken. Dank des Melkens wurden die Bakterien mit der Milch aus dem Euter gezogen. Das war anstrengend.

Ihr Lieblingstier?

Natürlich die Kuh. Als Kind ging ich immer mit meinem Götti in den Stall. Er hat mich geprägt und war vorbildlich, wie gut er mit den Kälbchen umgegangen ist. Er hat mir die Freude am Vieh weitergegeben.

Haben Sie Haustiere?

Aktuell nicht mehr. Früher hatte ich eigene Geissen.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Ich arbeite in der Praxis Tierarzt Siebnen. Wir betreuen auch Klein- und Heimtiere. Ich arbeite im Moment vor allem mit Nutztieren. Wir fahren von Hof zu Hof, um die Tiere zu behandeln. Aktuell haben viele Kälber Lungenentzündung. Wir werden oft für Geburten von Kälbchen, Geissen und Schafen gerufen. In Siebnen bin ich sehr glücklich. Die Bauern sind sehr nett, und ich habe ein Super-Team, das mich unterstützt.

Gab es auch lustige Momente?

Ja, beim Gitzi-Enthornen in der Praxis. Nach dem Eingriff bleiben sie in Hundeboxen. Ein Gitzi lief nach der Narkose frei herum, torkelte in ein Katzenkistli und ruhte sich dort aus.

Beim Einschläfern verbringen Haustiere die letzen Minuten mit Ihnen.
Ist das schwierig?

Das Einschläfern fällt einem schwer, aber man muss mit dem Tod umgehen. Man ist sich bewusst, dass man ein Leben nimmt. Ich kann dies mit meinem Gewissen vereinbaren, eben weil ich weiss, dass wir zuvor alles Mögliche für diese Tiere getan haben.

Wühlt es auf, über Leben und Tod zu entscheiden?

Auch wenn es der richtige Zeitpunkt ist, ein Tier von seinem Leiden zu befreien, geht es mir emotional nahe. Die Tierbesitzer sind dabei. Es wird geweint, Kinder sagen ihrem Haustier Tschüss. Wenn jemand sein Tier fast nicht loslassen kann, ist es schwierig.

Welche Stärken muss man mitbringen?

Es ist ein Vorteil, wenn man körperlich fit ist. Das erleichtert die Arbeit mit grossen Tieren. Eine wichtige Stärke ist es, beim Einschätzen eines Falls Prioritäten setzen zu können. Die Freude an Tieren alleine reicht nicht, es braucht auch die Freude an den Menschen. Oft behandeln Tierärzte die Tierhalter mit. Es ist wichtig, dass sie ihr Augenmerk auch auf das Wohl der Besitzer der Tiere legen.

Können Sie sich vorstellen, eine eigene Tierarztpraxis zu eröffnen?

In den nächsten fünf Jahren sicher nicht. Ich will keine Praxis managen, sondern nahe bei den Tieren sein.

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