Interview

Der Unglückslift auf dem Stoos befördert wieder Passagiere – Abendfahrten vorerst gestrichen

Die obere Sektion des Fronalpstock-Sessellifts ist mittlerweile wieder in Betrieb. Die quälende Frage nach dem Warum bleibt aber auch rund eine Woche nach dem Absturz bestehen.

David von Moos
Hören
Drucken
Teilen
Der verunfallte Sessel stürzte aus zehn Meter zu Boden.
21 Bilder
Die verunfallte Sessel.
Thomas D Meyer (rechts) und Bruno Lifart können sich momentan nicht erklären, wie es zum Unglück kommen konnte.
Verschiedene Einsatzkräfte sind vor Ort.
Der Unglücksort bei Tag.
Dieser Sessel ist heruntergestürzt.
Die Absturzstelle am Donnerstagabend.
Der Verwaltungsratspräsident der Stoosbahnen, Thomas D. Mayer, ist tief betroffen vom Sessel-Drama am Fronalpstock.
Der Verwaltungsratspräsident der Stoosbahnen, Thomas D. Mueller, links, und Verwaltungsrat Stoosbahnen, Bruno Lifart, rechts, informieren während einer Medienkonferenz nach dem Sesselbahnunglück.
Florian Grossmann von der Kantonspolizei Schwyz an der Pressekonferenz.
Der Morgen danach: Die Absturzstelle ist am besten mit dem Pistenfahrzeug erreichbar.
Das Gipfelrestaurant Fronalpstock am Freitagmorgen. Vorderhand ist das Gasthaus nicht über den Sessellift erreichbar. Der Liftbetrieb wurde eingestellt.
Die Talstation der oberen Sektion: Der Betrieb ist vorläufig eingestellt.
Die Absturzstelle wurde für die Rettungsarbeiten Donnerstagnacht ausgeleuchtet.
Einsatzfahrzeuge des Rettungsdiensts Schwyz im Schlattli.
Die Rettungskräfte rüsten sich Donnerstagnacht für den Einsatz.
Man versuchte, möglichst schnell viele Retter ins Gebiet zu bringen.
Auch die Spurensicherung der Polizei musste auf den Stoos.
Ein Spezialist der Kapo Schwyz wartet bei der Talstation auf die nächste Bergfahrt.
Der Sessel-Absturz von 2016 hatte keine Verletzten gefordert.
In einer Sessel-Gondel auf Fronalpstock haben vier Passagiere Platz.

Der verunfallte Sessel stürzte aus zehn Meter zu Boden. 

Bild: Urs Flüeler / Keystone, Stoos, 7. Februar 2020

Mittlerweile sechs Tage sind seit dem tragischen Unglück vergangen. Inzwischen ist man im Gebiet Stoos wieder auf dem Weg zum Normalbetrieb. Wir haben bei Ivan Steiner, dem Leiter Marketing der Stoosbahnen AG, nachgefragt.

Ivan Steiner, Leiter Marketing der Stoosbahnen AG.

Ivan Steiner, Leiter Marketing der Stoosbahnen AG.

Bild: PD

Ist der Sessellift zwischenzeitlich wieder in Betrieb?

Die Sesselbahn ist seit Sonntag vollständig instand gesetzt und betriebsbereit. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat den Betrieb freigegeben. Montag und Dienstag war die Bahn aufgrund des Sturms nicht in Betrieb (wir berichteten). Am Mittwochmorgen wurde der normale Tagesbetrieb wieder aufgenommen.

Wann werden die Abendfahrten, die nach dem Unglück bis auf Weiteres ausgesetzt wurden, wieder aufgenommen?

Die Abendfahrten werden bis auf Weiteres nicht durchgeführt. Es sind diesbezüglich Abklärungen im Gang, aufgrund derer das weitere Vorgehen festgelegt wird.

Wie geht es den Verletzten?

Wir haben keinen direkten Kontakt zu den vom Unfall betroffenen Personen. Für das ganze Team der Stoosbahnen ist es das Wichtigste, dass die vom Unfall betroffenen Personen vollständig genesen können.

Wie geht es dem Fahrer des Pistenfahrzeugs?

Das Thema beschäftigt unser ganzes Team stark. Wir brauchen Zeit, um diesen schweren Zwischenfall zu verarbeiten. Zur Unterstützung haben wir ein Care-Team im Einsatz.

Wie geht es weiter mit den Ermittlungen? Welche Fragen zur Unglücksursache stehen im Zentrum?

Im Zentrum der Unglücksursache steht für uns, dass die vom Unfall betroffenen Personen vollständig genesen können. Wir wünschen ihnen und ihren Angehörigen viel Kraft dafür. Zu den laufenden Ermittlungen können wir keine Aussage machen.

Erster Unfall-Bericht in den nächsten Tagen erwartet

Wie geht es weiter mit den Ermittlungen? Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust hat noch am ersten Tag ihre Untersuchungen vor Ort abgeschlossen. Unter anderem stellte man zur Dokumentation die Unglückslage eins zu eins nach. Der Sessellift wurde durch die Sust als betriebssicher beurteilt und freigegeben. Die Auswertung aller Daten bis zu einem abschliessenden Bericht dauert erfahrungsgemäss Monate.

Allerdings wird innerhalb der nächsten Tage ein erster Vorbericht publiziert, der meist auf einer einzigen A4-Seite Platz findet. Nüchtern wird darin kurz das Geschehen beschrieben, ohne sich zur Schuldfrage zu äussern. Derweil hat die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren eröffnet. Es laufen Befragungen. Ein zentraler Punkt wird sein, ob der Pistenbully-Fahrer Kenntnis von der Sonderfahrt hatte. (gh)

Der Unfall steht gemäss den Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Pistenfahrzeug, das im Gebiet im Einsatz war. Das Fahrzeug war an einem Windenseil befestigt, damit es sich im steilen Gelände besser bewegen konnte. Das gespannte Seil kollidierte dabei mit dem Vierersessel und brachte diesen zum Absturz. Dabei hatten eine 33-jährige Frau und ein 40-jähriger Mann lebensbedrohliche Verletzungen erlitten. Zwei Männer im Alter von 33 und 38 Jahren verletzten sich beim zehn Meter tiefen Sturz erheblich. Sie wurden mit vier Rettungshelikoptern in verschieden Spitäler gebracht, ihr Gesundheitszustand ist laut der Polizei unverändert.

Zehn Personen waren um 22 Uhr von einem Firmenausflug auf dem Fronalpstock mit der Sesselbahn in Richtung Stoos unterwegs, als es zum Unfall kam. Die nächtliche Fahrt war gemäss den Stoss-Bahnen kein Spezialfall gewesen. Solche Sonderfahrten würden regelmässig stattfinden. Die Ursache des Unfalls stelle die Bahnen vor ein Rätsel. 

Mehr zum Thema