Viele Schwyzer «Heilpädagogen» verfügen nicht über das entsprechende Diplom

Fast ein Drittel der im sonderpädagogischen Bereich tätigen Lehrpersonen im Kanton Schwyz verfügt nicht über den Ausbildungsabschluss, wie ihn die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) verlangen würde.

Nadine Annen
Drucken
Teilen

«Die im sonderpädagogischen Bereich tätigen Fachpersonen müssen über einen EDK-anerkannten Ausbildungsabschluss verfügen.» So hält es das Sonderpädagogische Konzept des Kantons Schwyz fest. Doch ein Blick in die Statistik über den Diplomstatus der Schwyzer Heilpädagoginnen und Heilpädagogen zeigt: Von den im Schuljahr 2017/18 als IF- (Integrative Förderung), IS- (Integrative Sonderschulung) und Klassenlehrpersonen Kleinklasse/Werk und HZ (Heilpädagogisches Zentrum) tätigen 328 Lehrpersonen arbeiten nur 234 mit dem entsprechenden EDK-anerkannten Masterabschluss in Sonderpädagogik mit Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik.

90 Lehrpersonen haben nur das normale Lehrdiplom. Drei Personen verfügen über gar kein und eine über ein ausländisches Lehrdiplom. In der Statistik nicht ersichtlich ist die Anzahl Lehrpersonen, die aktuell berufsbegleitend die (Master-)Ausbildung absolvieren.

Massnahmen zur Kompensation

Dieses Bild wirft Fragen auf, mit denen sich jetzt die SP-Kantonsräte Jonathan Prelicz (Arth) und Carmen Muffler (Freienbach) an die Regierung wenden. «Wie kann es sein, dass drei Lehrpersonen ohne jegliches Lehrdiplom als IF-Lehrperson arbeiten?», fragen sie in einer Interpellation. Sie wollen zudem in Erfahrung bringen, welche Massnahmen ergriffen werden, wenn Lehrpersonen ohne Sonderschulpädagogik-Ausbildung in diesem Bereich angestellt werden. Sie werfen auch einige Fragen finanzieller Natur auf, beispielsweise zur Mitfinanzierung von Ausbildungsstätten durch den Kanton.

Der Kanton Schwyz übernimmt bereits einen Teil der finanziellen Aufwendungen für Schwyzer Lehrpersonen, die das CAS EIF machen. Die beiden Kantonsräte stellen die Frage in den Raum, ob diese finanzielle Unterstützung allenfalls gesteigert werden müsste, und wollen vom Regierungsrat wissen, welche sonstigen Massnahmen in den letzten Jahren getätigt wurden, damit mehr ausgebildete Heilpädagogen angestellt werden können und ob er Anpassungsbedarf bei den Arbeits- und Anstellungsbedingungen sieht.

Heilpädagogen-Mangel bleibt im Kanton Luzern akut

Kurz vor den Sommerferien haben die meisten Schulen ihr Lehrpersonal für das kommende Schuljahr beisammen. Bei den Heilpädagogen bleibt die Lage hingegen angespannt – obwohl die Anmeldungen für das Studium sprunghaft ansteigen.
Urs-Ueli Schorno

KANTON: Kritische Fragen zu schulischen Heilpädagogen

GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin (Zug) macht ein Fragezeichen hinter den Nutzen der integrativen Förderung in der Oberstufe. Vor allem für die Lehrer sei das System oft eine Mehrbelastung, stellt er in einem Vorstoss fest.