Von wegen Denkmalschutz: Rigibahnen wollen zwei Remisen abreissen

Sollen die alten Depotanlagen der Rigibahnen unter Denkmalschutz gestellt werden? In einem Bericht legen der Verwaltungsratspräsident und der frühere Direktor dar, weshalb dies aus ihrer Sicht keine gute Idee ist.

Jürg Auf der Maur
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Auf dem Prüfstand der Denkmalpflege: das Luxram-Gebäude in Goldau und (darüber,  klein im Hintergrund) das Rigibahn-Depot. (Bild: Erhard Gick, 15.3.2018)

Auf dem Prüfstand der Denkmalpflege: das Luxram-Gebäude in Goldau und (darüber,  klein im Hintergrund) das Rigibahn-Depot. (Bild: Erhard Gick, 15.3.2018)

«Die Rigi Bahnen AG will schützenswerte Objekte nicht einfach vernichten, sondern die notwendige internationale und nationale schutzwürdige Kernsubstanz weiter betreiben können.» Das versichern Rigibahn-Verwaltungsratspräsident Karl Bucher und der frühere Rigibahn-Direktor Peter Pfenniger in einem soeben erschienenen Bericht. Darin legen sie dar, weshalb die alten Depotanlagen in Goldau nicht unter Schutz gestellt werden sollen. Dies im Gegensatz zum benachbarten Hochperron, der in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege für 18 Millionen Franken neu gebaut wurde und heute als Denkmal von nationaler Bedeutung klassiert und geschützt ist.

Rückblende: Um die Entwicklung des Bahnhof-Südareals ist Anfang Jahr eine Kontroverse entstanden. Unter anderem stellte sich die Frage, ob das Luxram-Gebäude, aber eben auch die Rigibahn-Depotanlagen mit der Schiebebühne unter Schutz zu stellen seien. Falls ja, hätte dies auf die Pläne von Kanton, Gemeinde und der Investoren beträchtlichen Einfluss. Liegenschaftsbesitzer und die Denkmalpflege sind derzeit daran, ihre Argumente in Berichten festzuhalten. Das letzte Wort wird schliesslich der Schwyzer Regierungsrat haben.

Rigibahnen verstehen sich nicht als Museum

Im nun vorliegenden Bericht nehmen die Rigibahnen zur Sache Stellung. Für die Bahnverantwortlichen ist klar: Denkmalschutz soll als «gelebte Geschichte», nicht aber als «Museum» verstanden sein. Bucher und Pfenniger vertreten die Meinung, dass die bestehenden zwei Holzgebäude nicht mehr weiter verwendet werden können und deshalb ein Totalneubau notwendig sei – aus mehreren Gründen. So genügten die Betriebsräume aus der Zeitepoche 1875 und folgende «seit Jahren den heutigen Arbeitsanforderungen nicht mehr». Arbeitssicherheit, zeitgemässe Arbeitsplätze, Wirtschaftlichkeit oder auch der Brandschutz könnten insbesondere auch im Zusammenhang mit dem wertvollen historischen Rollmaterial «nicht mehr sinnvoll den heutigen Anforderungen angepasst werden».

Hinzu komme, dass die Rigibahnen ab 2021 neues Rollmaterial beschaffen müssen. «Die damit verbundenen neuen Geometrien (Zugslänge, Profile) der Doppel-Triebwagen, bedingen neue Abstell- und Servicegleislängen und damit neue Anlagedimensionen», heisst es dazu im Bericht weiter.

Oder konkret: Die bestehende Schiebebühne ist zu kurz für die neuen Züge. In Vitznau können sie nicht parkiert werden, weil dort der Platz fehlt. Die Zug-Kompositionen täglich auseinanderzunehmen wäre unwirtschaftlich.

Nach dem Abriss der alten Gebäude und dem Neubau eines Gebäudes mit Hotel-, Dienstleistungs- und Wohnbereiche, könnten die neuen Züge im Erdgeschoss unkompliziert parkiert und gewartet werden. So sieht es die Projektstudie «Bellevue» vor, die für die ganze Bahnhof-Südentwicklung zentral sei. Das wiederum bedeutet: Nur mit einem Abbruch der historischen Gebäude lasse sich auch das bergübergreifende Gesamtbetriebskonzept umsetzen. Gemäss Projektstudie müsste die heutige Schiebebühnenlänge verdoppelt werden, damit das neue Rollmaterial künftig bewirtschaftet werden kann. Die heutige Schiebebühne wurde im Rahmen des Bahnhofneubaus 2010–17 komplett erneuert und enthält keine historische Substanz.