Von der Rebe bis zum Glas: Schwyzer Wein-Projekt lässt Liebhaber mitbestimmen

Mitentscheiden, wie ein Wein hergestellt wird, und dabei mehr über Merlot, Chianti und Co. erfahren. Das Projekt Wein-Onkel der Schuler St. Jakobskellerei trifft mit dieser Idee einen Nerv.

Stephanie Zemp
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Als Wein-Onkel wird man zum Teilzeit-Winzer. (Bild: PD)

Als Wein-Onkel wird man zum Teilzeit-Winzer. (Bild: PD)

Das Studieren der Weinkarte im Restaurant oder der Anblick des Weinregals im Supermarkt ruft bei vielen Menschen Ratlosigkeit hervor. Welcher Wein passt zu welchem Essen? Welcher schmeckt mir am besten? «Die vielfältige Auswahl kann einen fast erschlagen», weiss Sabrina Suter, Leiterin Finanzen bei der Schuler St. Jakobskellerei. Gleichzeitig möchte die Bevölkerung heute wissen, woher die Lebensmittel kommen, die sie konsumieren. Deshalb haben Suter und drei Mitinitianten das Projekt Wein-Onkel ins Leben gerufen.

Die Idee dahinter: Jede und jeder kann Wein-Onkel werden und im gesamten Prozess von der Anbauregion bis zur Flaschenetikette mitreden.

«Es wird mehrmals eine Onlineabstimmung geben», erklärt Suter. Als Erstes können die Wein-Onkel über das Herkunftsland bestimmen. Neben den weltberühmten Anbaugebieten Italien, Frankreich und Spanien wird auch die Schweiz auf der Lis­te figurieren, erklärt Suter: «Das internationale Ansehen der Schweizer Weine ist gering, weil 98 Prozent davon im Inland konsumiert werden.» Die Qualität der Schweizer Weine sei in den letzten Jahren jedoch gestiegen, «nicht zuletzt aufgrund der Klimaerwärmung», fügt sie mit einem Lachen hinzu.

Bevor die Wein-Onkel das Land wählen, erhalten sie Hintergrundinformationen zu deren Weinkulturen. Danach wird nach dem Mehrheitsprinzip ausgewählt. In einem zweiten Schritt wird die Region festgelegt. «Die Region steht stellvertretend für die Traubensorte», berichtet ­Suter. Sie und die drei anderen Mitinitianten, darunter der Chef-Önologe der Schuler St. Jakobskellerei und eine Weinsensori­kerin, werden jeweils Empfehlungen abgeben. Als dritten Schritt erhalten die Wein-Onkel Vorschläge für den Ausbau. «Auch hier erklären wir, was es bedeutet, wenn ein Wein im Stahltank oder ganz oder teilweise im Holzfass gelagert wird», so Suter. Die Abstimmungsresultate sind dann die Basis für die Profis, um sich an die Arbeit zu machen. Später steht auch das Design der Flasche und der Etikette zur Wahl.

Reise an den Geburtsort

Lanciert wurde das Projekt Wein-Onkel vor einem Monaten mit einer Crowdfundingkampagne: Gegen einen Beitrag von 20 Franken konnte sich jede und jeder als Wein-Onkel melden. Gegen höhere Beiträge gab es weitere Belohnungen, wie zum Beispiel einen Tag mit dem Küfer oder einen Degustationskurs. Mit dieser Kampagne scheint eine der ältesten Weinkellereien in der Schweiz den Nerv der Zeit getroffen zu haben: Bereits nach neun Tagen war das Ziel, 20 000 Franken zu haben, erreicht, am Ende waren es über 30 000. «Wir haben nicht damit gerechnet und freuen uns sehr», sagt Suter.

Über 200 Unterstützer haben sich als Wein-Onkel eingetragen. Vier davon haben eine Weinreise gewählt. Damit können sie die Experten ins ausgewählte Anbaugebiet begleiten. Unter den «Onkeln» seien auch einige Frauen, sagt Sabrina Suter. Trotz der männlichen Projektbezeichnung seien beide Geschlechter angesprochen: «Wir haben den Namen mit einer Prise Selbstironie gewählt», so Suter. Dennoch sei er die häufigste Kritik, die sie bisher zu hören bekam. Trotz des spürbaren Wandels erscheine die Weinszene nach wie vor als Männerdomäne und habe den Ruf, etwas «puristisch» zu sein, so Suter.Dies führe unter anderem dazu, dass viele Personen Angst davor hätten, sich als Weinbanause zu blamieren. Doch genau hier verschaffe das Projekt Abhilfe, ist Suter überzeugt.

Mehr Infos: www.weinonkel.ch

Schweizer Weine sind immer häufiger Bio

Anbauflächen und Umsätze steigen – der Bioweinbau ist in Bewegung. In den Rebbergen und in den Kellern wird viel experimentiert, mit altbekannten Methoden und neuen Sorten. Das Resultat: immer bessere Weine, ein immer vielfältigeres Angebot.
Urs Bader