Video

Welttheater Einsiedeln: Die zentrale Figur ist eine Frau

Das künstlerische Team und die Produktionsleitung zeigten gestern auf, wie das Welttheater 2020 sich auf dem Klosterplatz präsentieren wird.

Silvia Camenzind
Drucken
Teilen
Abt Urban Federer war Gast an der gestrigen Medienkonferenz (von links). Über das Welttheater informierten Präsident Hanspeter James Kälin, Autor Lukas Bärfuss, Regisseur Livio Andreina, Dramaturgin Judith Gerstenberg, Raumgestalterin Anna Maria Glaudemans und Produktionsleiterin Claudia Capecchi. (Bild: Silvia Camenzind)

Abt Urban Federer war Gast an der gestrigen Medienkonferenz (von links). Über das Welttheater informierten Präsident Hanspeter James Kälin, Autor Lukas Bärfuss, Regisseur Livio Andreina, Dramaturgin Judith Gerstenberg, Raumgestalterin Anna Maria Glaudemans und Produktionsleiterin Claudia Capecchi. (Bild: Silvia Camenzind)

Noch ist der Klosterplatz in Einsiedeln eine Baustelle. In einem Jahr aber wird er die grosse Bühne sein für das Welttheater, in dem mehrere hundert Frauen, Männer und Kinder auftreten. Alle engagieren sich unentgeltlich. Ein Jahr lang opfern sie ihre Freizeit für die Tradition, die es seit 1924 gibt.

2020 wird das Welttheater zum 17. Mal ausgetragen. 4,8 Millionen Franken beträgt das Budget, 36 Aufführungen sind geplant. «Einsiedeln ist im Ausnahmezustand», erklärte gestern Welttheater-Präsident Hanspeter James Kälin das gesellschaftliche Ereignis, für das sich schon 180 Spielerinnen und Spieler angemeldet haben.

Das künstlerische Team mit Autor Lukas Bärfuss und Regisseur Livio Andreina erklärte gestern, wie das Werk von Pedro Calderón de la Barca zeitgemäss interpretiert werden soll. Im Mittelpunkt der Geschichte wird eine junge Frau stehen. Bärfuss hat schon über 30 Theaterstücke geschrieben. Doch etwas ist in Einsiedeln anders. Gestern sagte er über das Spiel auf dem Klosterplatz: «Es ist alles viel zu gross.»

Das offizielle Plakat des Welttheaters Einsiedeln.

Das offizielle Plakat des Welttheaters Einsiedeln. 

Es geht um die grossen Fragen

Wie interpretiert der Autor das grosse Welttheater? Auch bei Bärfuss geht es um die Frage: «Wer bin ich, was mache ich mit meinem Leben?» Die Orientierung sei heute schwierig geworden, meint der Autor, denn der aufgeklärte Mensch habe den Anspruch, selbst über sein Leben zu bestimmen.

Lukas Bärfuss fühlt sich privilegiert, dieses Stück schreiben zu dürfen. Er schätzt die Zusammenarbeit mit dem Team. «Das hier ist mehr als ein Theater, es ist eine soziale Installation.» Theater sei eine völlig überflüssige Sache, die nichts anderes schenke als Freude – es sei ein Fest. Das habe er nicht an sich vorbeigehen lassen wollen. Regisseur Livio Andreina zeigte sich berührt von den unzähligen Geschichten, die ihm Einsiedler Spielerinnen und Spieler von früheren Welttheatern erzählt haben, schliesslich hat das Welttheater eine bald hundertjährige Tradition. Neben dem engagierten Spielvolk erwähnte er die Bedeutung der Musik von Michael Wertmüller und die Choreografie von Graham Smith. Andreina spricht ebenfalls von einem Fest, von einem, das dem Platz gerecht werden soll.

Brunnen wird neu ins Spiel integriert

Anna Maria Glaudemans, zuständig für die Raumgestaltung und die Kostüme, bezeichnet den Marienbrunnen auf dem renovierten Platz als neue Mitte. Der Brunnen, früher meist abgedeckt, wird diesmal ins Spiel integriert. Das Kloster Einsiedeln gibt der Welttheatergesellschaft auch bei ihrem 17. Spiel Gastrecht auf dem Klosterplatz. Abt Urban Federer betonte, dass die Klostergemeinschaft auf dem Platz wertvolle Begegnungen ermöglichen wolle. Hanspeter James Kälin, früher Mitspieler, neu Präsident des Welttheaters, freut es, dass sich, ohne dass geworben wurde, bereits 180 Leute zum Mitwirken angemeldet haben. Insgesamt braucht es 500 Freiwillige. Richtig los geht es am Welttheatertag am 31. August. Ebenso freut sich Kälin über das Plakat, das der bekannte Grafikdesigner Werner Jeker gestaltet hat.

Hinweis: www.einsiedlerwelttheater.ch Der Vorverkauf geht im November los.